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 Rhein-Zeitung, 24.08.2005

 

BESONDERE CHOPIN-HOMMAGE

 

Menachem Har-Zahav sprang beim Klaviersommer für Kollegin ein


(Thomas Rohde)  Ein "Schutzheiliger der männlichen Klavierspieler" habe seine Hand im Spiel gehabt, vermutete Corinna Rossmy, als sie den Einspringer für das Abschlußkonzert des dritten Bad Neuenahrer Klaviersommers im Augustinum ankündigte:  Menachem Har-Zahav spielte an Stelle der kurzfristig erkrankten Zhao Ling ein Chopin-Recital.

 

Mit Har-Zahavs "Hommage an Chopin" entschied sich die Kulturreferentin des Wohnstifts zugunsten des reinen Chopin-Programmes, anstelle der Rücksichtnahme auf das Leitmotiv "Pianistinnen" des diesjährigen Festivals.  [Menachem Har-Zahav] zeigte mit einer klug gewählten Mischung aus kleinen und großen Formen fast die gesamte Spanne der Chopinschen Ausdrucksskala.

 

Har-Zahav spielte den e-moll-Walzer, die cis-moll-Polonoaise und drei Etüden mit einer lässigen Abgeklärtheit, die erst durch seine brillante, fast durchgehend überlegene Technik möglich wurde. Interessante Details der Stimmführung und der Übergänge verrieten, dass sich Har-Zahav intensiv und unabhängig von etwaigen Vorbildern mit den Werken auseinandergesetzt haben muss.  Nie hörte man jene äußersten Lautstärkebereiche.  Vielmehr nutzte der Pianist immer wieder die natürliche Tendenz des Instruments zum Leiserwerden, um Steigerungen zu disponieren, Mittelstimmen nachzuzeichnen und musikalisch Raum zu schaffen.

 

Tiefe Ruhe strahlte die Nocturne in cis-moll aus.  Poetisch eindringlich gestaltete Har-Zahav den berühmten "Trauermarsch" aus der b-moll-Sonate, mit dem Gegensatz zwischen dem beklemmenden Marschthema und dem von überiridischem Wohlgefühl erfüllten Mittelteil.  Sehr überzeugend nahm er den rätselhaften vierten Satz einfach "attacca", sodass er wie eine ausführliche Coda des dritten Satzes wirkte.  Die Chopinsche Unabhängigkeitserklärung von den Gesetzen der tradierten Sonatenform war im ersten Satz in einer rhapsodischen, fast improvisiert wirkenden Interpretation zu bestaunen.  [...]

 

Eine insbesondere bei Chopin höchst seltene Tugend zeichnet Har-Zahavs Spiel durchgehend aus: rhythmische Kultiviert- und Differenziertheit.  Dadurch konnte man das erste Thema der g-moll-Ballade so verständlich wie selten sonst hören.  Swingend und rhythmus-verliebt, überhaupt nicht "chopinesk" im landläufigen Sinne, wirkte die As-Dur-Tarantella, neben der Ballade und dem Trauermarsch vielleicht das stärkste Stück des Abends.  Das enthusiasmierte Publikum erklatschte sich zwei Zugaben, darunter eine mustergültige "Campanella" von Franz Listz.  Bravo!

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de