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Iserlohner Kreiszeitung (IKZ), 23. Juni.2009

 

 

Konzert im Parktheater

Menachem Har-Zahav im Löbbeckesaal: Keine großen Gesten - nur Musik

 

Hubertus Schmalor

 

Iserlohn. Der israelisch-amerikanische Virtuose Menachem Har-Zahav hat ein begeisterndes Klavierkonzert im Löbbecke-Saal des Parktheaters gegeben.

 

Eigentlich passte alles am Sonntagabend, als zur angenehmen, aber vielleicht ungewohnten 18-Uhr-Zeit in dem mit großformatigen Bildern des Künstlers Horst Becking äußerst ansprechend gestalteten Löbbecke-Saal des Parktheaters ein Klavierkonzert stattfand, das von der Programmgestaltung bis zur hervorragenden musikalischen Ausführung durch den israelisch-amerikanischen und in Deutschland lebenden Konzertpianisten Menachem Har-Zahav keine Wünsche offen ließ - es bekamen allerdings leider nur wenige Iserlohner Musikfreunde mit: Der Saal war mit etwa 40 Konzertbesuchern noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt.

 

Die Musik stand eindeutig im Mittelpunkt - keine Ansagen, keine großen Gesten, keine Emotionen, keine Zurschaustellung von Eitelkeiten - ganz im Gegenteil: Sehr bescheiden, fast schüchtern, mit der jüdischen Kippa als Kopfbedeckung, absolvierte der noch junge Konzertpianist ein Programm, das einen Bogen vom Barock bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts schlug. Begann das Konzert mit drei Sonaten von Domenico Scarlatti, einem Zeitgenossen Bachs, noch eher unspektakulär, so wurde das Publikum zum ersten Mal von Ludwig van Beethovens „Mondscheinsonate” richtig gepackt: zum einen durch eine dynamisch sehr kontrastreiche und durch starke Rubati gekennzeichnete und dadurch leicht pathetisch wirkende Ausführung, und zum anderen durch die äußerst rasante, aber technisch immer eindeutig beherrschte Wiedergabe insbesondere des dritten Satzes.

 

Ganz nach dem Geschmack des Publikums dann ein weiteres Highlight der Konzertliteratur in einer Klavierfassung des Interpreten: George Gershwins „Rhapsody in Blue”, die in dieser packenden und gleichzeitig kompakten Form ganz neue Möglichkeiten eröffnete, das oft strapazierte Standardwerk Gershwins einmal von einer ganz anderen Seite zu entdecken.

 

Starke musikalische Kontraste prägten den Aufbau des zweiten Konzertteils nach der Pause. Während die Ballade in g-moll von Frédéric Chopin einen sehr emotional-dramatischen Einstieg bot, zogen die drei Stücke von Claude Debussy (La plus que lente, Danse, L'Isle Joyeuse) eher leicht sprunghafte, bizarre, unberechenbare, eben impressionistische Klangstrukturen durch den Raum, bis zum Schluss der „Totentanz” von Franz Liszt, wiederum in einer Klavierfassung des Interpreten, insbesondere durch seine wahnwitzigen technischen Anforderungen den fulminanten Schlusspunkt setzte.

 

Dass Menachem Har-Zahav ein besonders intensives Verhältnis zur Musik Frédéric Chopins hat, bewies er nicht nur mit seiner musikalisch vollkommen ausgereiften und äußerst beeindruckenden Interpretation der Ballade g-moll, sondern auch durch die Ankündigung, das Programm der nächsten Saison unter den Titel „Hommage an Chopin” stellen zu wollen. Macht der Künstler mit diesem Programm im nächsten Jahr in Iserlohn Halt, sollte dies für hiesige Musikfreunde ein unbedingtes „Muss” sein.

 

Ein sehr sympathischer Zug: zu allen Konzerten Har-Zahavs haben Kinder bis 16 Jahre freien Eintritt, um diesen den Zugang zum Erlebnis „Konzertbesuch” zu erleichtern. In Iserlohn wurde dies lediglich von zwei Konzertbesucherinnen dieser Altersstufe in Anspruch genommen - von denen ein kleines Mädchen allerdings in der ersten Reihe dem immerhin zweistündigen Konzert gebannt folgte, es sichtlich genoss und wahrscheinlich gar nicht glauben konnte, dass man mit nur zehn Fingern so viele und so wunderschöne Töne hervorzaubern kann.


Bocholter und Borkener Volksblatt (BBV), 22. Juni 2009


Brilliant am Flügel 
VON MICHAEL STUKOWSKI
 
(...)  Superlative zieren seinen Weg: Menachem Har-Zahav gilt als „Ausnahmemusiker“ und als „Zauberer an den Tasten“. Im Historischen Rathaus ließ der israelisch-amerikanische Pianist jetzt den Worten Taten folgen. Schon nach wenigen Takten fiel auf, wie virtuos seine Spieltechnik ist. Selbst im forcierten Tempo klangen die Anschläge ausnehmend sauber und wohlgeformt. Deswegen überraschte es nicht, dass sich in den Applaus der Besucher auch immer wieder einzelne Bravorufe mischten. Flüssig und spielerisch leicht gelangen die drei Sonaten von Domenico Scarlatti, mit denen sich der Solist einspielte. (...)
 
Seinem Hang, die Phrasen so zu akzentuieren, dass sie zuweilen fast erschlagend wirken, kam die „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin entgegen. Hier stimmten der Spannungsaufbau und die dynamischen Kontraste. Gefühlvoll setzte Har-Zahav die beschaulichen Episoden gegen die prächtig swingenden Abschnitte ab und lieferte ein echtes Highlight.
 
(...) Köstlich lotete der Künstler drei Werke von Claude Debussy aus. Neben dem luftig-schwärmenden „Danse“ gefiel vor allem die „L’Isle Joyeuse“. Sie kam in flirrenden Triolen und übermäßigen Tonreihen daher. Die feine Klangtransparenz, die der Künstler mit fließenden Phrasierungen anlegte, suchte seinesgleichen. Dunkel und unheimlich setzte der „Totentanz für Klavier und Orchester“ ein.  Har-Zahav hat das Werk von Franz Liszt zu einem Solostück umgeschrieben und es stilvoll dramatisiert. Musikalische Berg- und Talfahrten lösen sich mit schwerblütigen Begräbnisstimmungen ab. Liebliche Anwandlungen flackern wie Lichtblicke auf und enden in dumpfen, diabolisch anmutenden Reihungen. Selbst die technisch schwierigsten Passagen schienen dem Pianisten leicht von der Hand zu gehen. (...)
 
 
Bonner General-Anzeiger, 18. Mai 2009
 
Der Zauber des Augenblicks
 
[...]Menachem Har-Zahav im Beethoven-Haus
 
Vladimir Horowitz hat sie gerne gespielt:  Sonaten Domenico Scarlattis.  Derer drei (L 345, L 422, L 430) hatte der in Deutschland lebende israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav als Auftakt seines Klavierabends im Kammermusiksaal des Bonner Beethoven-Hauses gewählt und bereits hier keinerlei Zweifel an seinem Gestaltungswillen und seiner technischen Perfektion zugelassen.  Und auch das Werk, mit dem er den fulminanten Abend beschloss, hätte mit Horowitz' Tastenakrobatik durchaus konkurrieren können:  Eine eigene Transkription von Liszts "Totentanz" für Klavier und Orchester.  Artistisches prägte auch die übrigen Programm-Teile:  Beethovens "Mondscheinsonate", deren Finalsatz förmlich zu explodieren schien, oder Gershwins Staccato-Funken schlagende Rhapsodie in Blue, die Har-Zahav mit durchaus überzeugendem Idiom ausstattete.  [...]  Dem luftigen Chanson-Charakter von Debussys "La plus que lente" folgten dann noch zwei weitere seiner Piècen in virtuoser Technik.  Fritz Herzog
 
 
Allgemeine Zeitung Coesfeld, 12.Mai 2009

 

 

Chopin eindringlich und mit spielerischer Leichtigkeit

 

MenachemHar-Zahav präsentierte gelungenen Querschnitt der Klaviermusik des Meisters

 

Von Manfred van Os

Nordkirchen. Still und in sich gekehrt, weil hoch konzentriert, setzte sich der junge israelisch-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav an den Flügel.  „Hommage an Chopin“ hieß das Konzertprogramm in der Oranienburg am Schloss Nordkirchen und so gab es ausschließlich Klavierwerke des großen polnischen Komponisten zu hören.  Menachem Har-Zahav hat in seinem großen musikalischen Schaffen die  Romantiker in den Mittelpunkt gestellt.  Klug ausgewählt wurden die Programmteile, die einen gelungenen Querschnitt der Chopinschen Klaviermusik abwechslungsreich darstellten.  Schwungvoll der Einstieg mit der Valse in e-moll.  Gefühlsbetont und voller Ruhe die Nocturne in cis-moll.  Mit spielerischer Leichtigkeit und Durchsichtigkeit erklangen die Polonaisen in cis- und dmoll, sowie die drei Etüden Nr. 5, Nr. 1 undNr. 12. Etüden, so werden normalerweise Übungsstücke bezeichnet.  Bei Chopin ist das aber ein wenig anders. Die im Konzert gespielten Etüden haben es gewaltig in sich, basieren sie teilweise auf J.S. Bachs Präludien im ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers.  Die letztere, Nr. 12, ist als „Revolutionsetüde“ berühmt geworden. Einen schönen und temperamentvollen Abschluss des ersten Teils gab es mit der Tarantelle in As-Dur.  Nach der Pause wurden die Zuhörer mit der Ballade in g-moll auf das große Finale vorbereitet, das in der Sonate Nr. 2 in b-moll, Op. 35 ein wirklich großer Höhepunkt des Konzerts wurde.  Dieses Werk gehört zu dem Bekanntesten was Chopin geschaffen hat.  Durch den „Trauermarsch“ im dritten Satz ging es um die Welt.  Menachem Har-Zahav spielte es mit großer Eindringlichkeit und Feingefühl.  Wenn Jemand es versteht, Chopin meisterhaft zu interpretieren, dann er.

 

 

Augsburger Allgemeine, 22.04.2009

 

Romantisch inspirierter Klavier-Virtuose:

Menachem Har-Zahav spielt im Kleinen Goldenen Saal

 

Von Frank Gellert

 

Es verwundert nicht, dass der israelisch-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav die Komponisten der Romantik zum Mittelpunkt seiner Arbeit auserkoren hat. Entspricht deren Hang zu expressiver Virtuosität und oftmals melancholisch-schwermütigem Charakter doch sehr dem Wesen, das der Künstler bei seinem Konzert im Kleinen Goldenen Saal vermittelte.

 

So schienen auch Scarlattis Sonaten vom romantischen Ausdruckswillen durchströmt. Impulsiv, mit plastisch modellierter Phrasierung und fein differenziertem dynamischen Spiel entlockte der Pianist den typischen Scarlatti-Läufen ungewohnte Qualitäten.

 

In Beethovens "Mondschein-Sonate" gelang es Har-Zahav, in den gedehnten Phrasen des getragenen Sostenuto die Spannung im großen Bogen immer mitzuführen und schwebende Melancholie mit suggestiver Emotionalität zu vermitteln. [...]

 

Ganz in seinem Element war Har-Zahav bei Chopins Ballade in g-Moll. Mit technischer Brillanz wechselte er gekonnt zwischen spielerischer Leichtigkeit und packender Wucht und stürzte sich mit großer Ernsthaftigkeit und nahezu wilder Entschlossenheit in die schwelgerischen Klangkaskaden. Zu einem kurzen Ausflug in heitere Sphären boten Debussys impressionistische Klangbilder Gelegenheit. Besonders hervorzuheben ist das Einzelstück "L´Isle Joyeuse" (Debussy: "Mon dieu, wie ist das schwer zu spielen"), davon war bei Har-Zahavs hervorragender Technik wenig zu spüren.

 

In dunkle Gefilde ging es mit Liszts "Totentanz", den Har-Zahav in eigener Bearbeitung für Klavier solo spielte. Das Werk bot dem Virtuosen nochmals reichlich Gelegenheit sämtliche Klangregister seines Instruments auszureizen.

 

 

Südkurier, 11.April 2009

 

Wie mit Gold unter den Fingern


Die 12-jährige Marisa Kienle aus Salem zählt neben zwei weiteren Jugendlichen zu den wenigen unter 16-Jährigen, die von dem Angebot Gebrauch machten, bei freiem Eintritt das Klavier-Rezital des jüdischen Pianisten Menachem Har-Zahav im Kursaal in Überlingen zu erleben. Marisa hat seit sechs Jahren Klavierunterricht. Sie ist gespannt darauf, was sie unter dem Motto „Hommage an Chopin“ erwartet, und mit ihr knapp 100 weitere Besucher.


Der Israeli Menachem Har-Zahav, der in Amerika seinen „Magister im Hauptfach Klavier“ absolvierte und in Deutschland lebt, erweist sich als vorzüglicher Chopin-Interpret, der fantastisch mit Klangfarben umzugehen weiß. Seine Hände spiegeln die technische Brillanz seines Klavierspiels wider. Seine Interpretationen sind romantisch und gefühlvoll, nie sentimental. Die schönsten Zuhörfreuden beschert Har-Zahav mit Chopins „Polonaise in d-Moll, Opus 71 Nr.1, die im Hauptwerk von flüssigen Passagen regelrecht überwuchert ist, sowie mit der „Etüde in c-Moll aus op.10 Nr.12“. Da lässt der Virtuose bei kraftvoll-moderatem Anschlag seine Finger geschmeidig über die Tasten fliegen und zündet ein Feuerwerk an Klangfarben.


Im Frack, mit einer Kippa auf dem Kopf, setzt sich Har-Zahav an den weich gestimmten, klangschönen Steinway-Flügel. Später nach der Bedeutung der jüdischen Kippa befragt, erklärt er: „Ich trage sie als Erinnerung, dass Gott immer über uns ist“. Mit Emphase widmet er sich zunächst dem Valse in e-Moll, zelebriert bedächtig und mit berührender Tiefe die cis-Moll-Nocturne. Aus der Versonnenheit weckt die cis-Moll-Polonaise, bei der die „Trompetenstöße“ der ersten Takte scheinbar auf eine ritterliche Festmusik hindeuten, bevor nach energischem Auftakt der Rhythmus in weicher, berückender Melodik zerfließt. Perlende Läufe aus der rechten Hand setzen der in freundlichem c-Moll komponierten Etüde aus Opus 10 erste stimmungshebende Glanzpunkte. Der Flügel beginnt unter den Virtuosenfingern zu singen, und die Melodien beginnen zu tanzen. „Das perlt bei seinen Läufen, als hätte er Gold unter den Fingern“ flüstert eine Zuhörerin in die nicht ganz optimale Akustik des Kursaals. Schwer lastende Akkorde bilden am Ende das Tor zu Chopins „Pathetique“, der b-Moll-Sonate Nr.2. Spannend aufgebaut, bündelt das klingende Wunderwerk alle virtuosen Kräfte, und dazwischen schreitet in unerbittlicher Würde der Trauermarsch einher. Großem Beifall folgt als Zugabe die in herrlich klarer Frische gespielte Sonate 345 von Scarlatti. Die 12-jährige Marisa Kienle ist begeistert.

Gabi Rieger

 

 

Hersfelder Zeitung, 17.03.2009


Die Klassik neu beflügelt
Faszination nach Noten: Pianist Menachem Har-Zahav präsentierte Klavierkonzert

 

Bad Hersfeld. Die Vorfreude auf das Klassik-Highlight stand der Schülergruppe aus einer 5. Klasse der Konrad-Duden-Schule am Sonntagabend in der Stadthalle ins Gesicht geschrieben. Auffallend viele junge Leute und Kinder waren in Begleitung ihrer Eltern erschienen, um der alltäglichen Überdosis an Unterhaltungsmusik aus Radio, CD und Internet einmal 'livehaftige' Klassik entgegen zu setzen.


Die Konzertagentur des israelisch-amerikanischen Pianisten Menachem Har-Zahav mit Wohnsitz in Deutschland hatte nicht zu viel versprochen. Ein Abend mit einem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Programm, das zugleich anspruchsvoll und spannend präsentiert wurde, ließ die Zuhörer zwei Stunden nicht mehr los.


Werke von Frédéric Chopin, Claude Debussy und Domenico Scarlatti aber auch George Gershwins "Rhapsody in Blue", Beethovens "Mondscheinsonate" und ein virtuoser "Totentanz" von Liszt gerieten stellenweise zum musikalischen Feuerwerk und erfreuten die faszinierten Zuhörer. Das Publikum reagierte begeistert auf Menachem Har-Zahavs Auftritt mit starker musikalischer Aussagekraft und seiner immer wieder erstaunlichen Technik und Sicherheit beim Spiel ohne jegliche Noten, was ihm bei Auftritten als Solist mit und ohne Orchesterbegleitung in der internationalen Presse Bezeichnungen wie "pianistischer Teufelsgeiger" und "Starpianist" einbrachten. Die Qualität der Darbietung hätte allerdings ein größeres Publikum verdient gehabt.


Beachtlich war im Vorfeld die Tatsache, dass zum Konzert in Bad Hersfeld Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahren freien Eintritt hatten. Dahinter steht die Intention des Künstlers, gerade der Jugend einen Anreiz zu geben, klassische Konzerte zu besuchen. So wechselten transparente Klangbilder mit wuchtigen Passagen, bei denen sich sogar die Kids vielleicht vorstellen konnten, dass ein Franz Liszt zu seiner Zeit so etwas wie heute ein Rockstar war und weibliche Zuschauer durchaus kreischten und in Ohnmacht fielen.


Nicht ohne Zugaben


Nach mehreren Vorhängen entließ das Publikum einen Ausnahmepianisten, der erfreulicher Weise den Weg in unsere Kleinstadt gefunden hat. Die Fünftklässler erfuhren, dass es neben Rap, Hip-Hop oder Heavy Metal noch andere "coole Musik" gibt. (bjr)

 

 

Neue Westfälische vom 14.Januar 2009


Persönlich geprägtes stilistisches Empfinden

Konzert mit Pianist Menachem Har-Zahav

VON CHRISTOPH GUDDORF

Bielefeld. Das Konzertprogramm des israelisch-amerikanischen Pianisten, der im Kleinen Saal der Oetkerhalle auftrat, liest sich wie der persönliche Fingerabdruck eines musikalisch-stilistischen Kosmopoliten. In der Tat fühlt sich Menachem Har-Zahav in nahezu jeder Epoche zu Hause, spannt er doch einen Bogen von Scarlatti über Beethoven, Chopin und Liszt bis hin zu Debussy und Gershwin. Dabei ist nicht zu überhören, dass er jedes Werk als zeitloses musikalisches Rohmaterial versteht, welches er durch individuelle Nuancen facettiert und "bearbeitet".

Har-Zahavs Suche nach einer eigenständigen Deutungsweise hinterlässt zu Beginn des Konzerts bei drei Sonaten Scarlattis deutliche Spuren: exaltiert im markanten Staccato beim Ende der d-Moll-Sonate, modernistisch im Pedalgebrauch bei der E-Dur-Sonate. [...]

Dem Finalsatz bekommt die Verklärung

Das stark persönlich geprägte stilistische Empfinden macht sich auch bei Beethovens "Mondscheinsonate" bemerkbar, die stark von ihrer im Wesen klassischen Strenge abweicht und im Eingangssatz wie auch im Menuett durch prägnante Rubati und Akzente an Schlichtheit und Fluss verliert.

Dem Finalsatz hingegen bekommt diese "Verklärung": Den unnachgiebig furiosen Drang lässt er ausklingen mit verschwommen-unbestimmten Akkorden, aus denen er zuletzt den Schlussakkord kristallklar heraustreten lässt.

Bei Gershwins "Rhapsody in Blue" lotet Har-Zahav den Kontrast zwischen klassischer Form mit romantischer Melodik und der als frei empfundenen motivischen Arbeit mit Anlehnungen an Blues und Jazz bis in die Extreme aus. Gelingt ihm der lyrische zweite Teil wunderbar singend und dicht phrasiert, entfernt er sich im ersten Teil durch allzu freie rhythmische Freiheit von Gershwins Intention, den Spagat zwischen geordneter klassischer und "improvisierter" Jazz-Musik begrenzt zu halten.

Chopins Ballade ganz ohne Effekthascherei

Wie Gershwin ließ sich auch Debussy vom Jazz inspirieren, was beispielsweise die rhythmische und motivische Verspieltheit in "La plus que lente" zeigt. Har-Zahav spürt dieser Finesse gleichsam intuitiv wie stilvoll nach wie dem flirrend-wilden Duktus von "L’Isle joyeuse" und dem tänzerischen Charakter von "Danse".

Zu einem fulminanten musikalischen Kaleidoskop wird seine Bearbeitung für Klavier solo von Liszts "Totentanz", dessen dämonische Kraft in den zahlreichen Variationen des "Dies-irae"-Motivs facettenreich und technisch grenzgängerisch zum Ausdruck kommt.

Obwohl Musik selbst keine Geschichte zu erzählen vermag, meint man, aus Har-Zahavs epischer Deutung von Chopins Ballade in g-Moll menschliches Schicksal heraushören zu können. Hier hat er zu eigener Ausdrucksweise gefunden, die ganz ohne Effekthascherei, virtuose Geste und persönliche Zutat auskommt – ganz im Sinne Chopins und der Musik.



Westfalenblatt, Bielefeld Kultur, 13.1.2009

Finger fliegen nur so über die Klaviertasten
Menachem Har-Zahav begeistert Publikum

Bielefeld (ar).  Man muss kein Experte auf dem Gebiet der klassischen Musik zu sein, um eines neidlos anzuerkennen:  Der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav ist ein wahrer Meister seines Faches.  Davon konnten sich am Sonntagabend gut 200 Gäste in der Rudolf-Oetker-Halle überzeugen.

Bescheiden und sympathisch wirkte Har-Zahav, aller er, gekleidet in Frack und mit der jüdischen Kippa, die Bühne betrat.  Was er dem Publikum in seinem zweistündigen Programm bot, war absolut hörenswert und lud den einen oder anderen Hörer zum Träumen ein.  Verklärte und entspannte Blicke, wohin man sah.  Der Abend des Meister-Pianisten, der bereits im Alter von 26 Jahren Leiter der Klavierfakultät an einer amerikanischen Universität war, stellte wohl für so manchen die Möglichkeit dar, dem Stress des Alltags zu entfliehen und sich angenehmen Gedanken hinzugeben.  Hingebungsvoll kann man auch die Art und Weise nennen, mit der Har-Zahav spielt und seine Stücke interpretiert.  Während er mit vollem Körpereinsatz musiziert, scheint er die Welt um sich herum zu vergessen und ist mindestens genauso in seine Musik vertieft, wie der Großteil des begeisterten Publikums.

Herausragend waren am Sonntag vor allem Beethovens Mondschein-Sonate und eine Eigenbearbeitung des „Totentanz“ von Franz Liszt.  Hier scheinen seine Finger bei den schnellen Passagen und Tempowechseln nur so über die Tastatur zu fliegen.


Das Publikum zeigte sich restlos begeistert, zweimal muss Har-Zahav auf die Bühne zurückkehren um weitere Stücke aus seinem Repertoire darzubieten.  Dann nimmt er in seiner sympathisch-bescheidenen Art ein letztes Mal seinen Applaus entgegen und hinterlässt ein hingerissenes Auditorium, das sich sicherlich noch lange an diesen Abend voller Musik zum Träumen erinnern wird.

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de