Home
Info-Flyer
Videos
CDs
Pressestimmen
Rezensionen/reviews
2017
2016
2015
2014 April - Juni
2014 Januar - März
2013 Okt.-Dez.
2013 Juli-Sept.
2013 April-Juni
2013 Jan. - März
2012 Okt.-Dez.
2012 Juli-Sept.
2012 April - Juni
2012 Jan. - März
2011 Okt. - Dez.
2011 Juli - Sept.
2011 April - Juni
2011 Januar - März
2010 Okt. - Nov.
2010  Juli - Sept.
2010  April - Juni
2010  Januar - März
2009 - 2. Halbjahr
2009 - 1. Halbjahr
2008
2007
2006
2005
Biographie
Short biography
Konzerte/concerts
Hauskonzerte
Programme/programs
Interviews
Newsletter
Gästebuch/guest book
Kontakt/contact
Links
Impressum

Rhein-Neckar-Zeitung, Mosbach, 04. Dezember 2009

 

Feinsinnige und liebevolle Hommage an Frédéric Chopin

 

Der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav präsentierte in Mosbach ein Portrait des polnischen Romantikers

 

Von Pia Geimer

Mosbach. Kann es einen schöneren Grund für ein Konzert geben, als einem Komponisten ein musikalisches Denkmal zu setzen und sein Werk mit einer ganz persönlichen Hommage zu ehren? Der amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav, der im In- und Ausland bereits als Ausnahmemusiker gefeiert wird, stellte am Sonntag in Mosbachs Alter Mälzerei sein Programm "Hommage an Chopin" vor. Es umfasst einige der aufregendsten Klavierwerke des polnischen Komponisten (1810-1849) und zeigt eine Auswahl gerade der pianistischen Genres, an deren Entwicklung und Weiterentwicklung Chopin einen großen Anteil hatte.

 

Menachem Har-Zahav hat in den USA studiert und als Klavierdozent gelehrt und lebt heute in Deutschland. Seine Leidenschaft gilt den Werken der romantischen Komponisten, allen voran Liszt und Chopin, aber auch seine Interpretationen der Klaviersonaten von Domenico Scarlatti haben ihm beim Publikum einen Ruf als brillanter Virtuose eingebracht. Persönlich hat sein Auftreten allerdings gar nichts von dem Glamour mancher anderer Konzertpianisten. Har-Zahav wirkt bescheiden und konzentriert, ist kein Mann der schwungvollen Gesten. Seine Züge verraten keine Regung, wenn er spielt, seine Hände bewegen sich geschmeidig und nur soweit es die technischen Anforderungen seines virtuosen Spiels gebieten. 

 

Durch sein emotional extrem zurückhaltendes Spiel lässt er dramatische Wendungen häufig bewusst offen, ohne seinem sehr innerlich bleibenden Temperament die Zügel schießen zu lassen. Man könnte es bei aller Virtuosität und beeindruckender Perfektion für ein absichtliches Understatement halten, das die endgültige Interpretation dem Zuhörer selbst überlassen will.

 

An den Beginn seiner Hommage hatte der Pianist den „Valse e-moll“ op posth. gestellt, ein versonnenes Stück, fast ein poetisierter Tanz. Chopin hat die Gattung der Nocturnes wahrscheinlich von einem seiner musikalischen Vorbilder, dem Iren John Field, aufgegriffen und sie rhythmisch und melodisch weiterentwickelt, so auch in dem farbigen „Nocturne cis-moll“ op 27/1, in dem sich ein strahlendes Dur aus düsteren cis-moll-Tiefen schiebt und leuchtend aufsteigt. Die „Polonaisen“ op 26/1 in cis-moll und op 71/1 in d-moll sind ein weiteres Beispiel für ein Genre, mit dem Chopin den traditionellen Tänzen seiner  polnischen Heimat ein Denkmal gesetzt hat. Hier kam die Eleganz,mit der der Komponist liedhafte Melodik und kontrastreiche lebhafte Elemente zu verbinden wusste, eindrucksvoll zur Geltung, nicht zuletzt durch die geschmeidige und wohldurchdachte Spielweise von Menachem Har-Zahav.

 

Bei Chopins recht kurzen, dafür aber technisch umso anspruchsvolleren Etüden handelt es sich um hochexpressive Charakterstücke, insbesondere die hier vorgestellten Etüden in Ges-Dur op 10/1 („auf den schwarzen Tasten“), in As-Dur op 25/1 und in c-moll op 10/12 („Revolutionsetüde“). Der Pianist spielte sie als zusammenhängenden Block, ohne dazwischen Applaus zuzulassen und verabschiedete sich mit einer gar nicht so wilden, klar durchstrukturierten „Tarantelle in As-Dur“ op 43 in die Pause.

 

Die vier Sätze Sonate Nr. 2 in b-moll op 35 sind im Charakter so unterschiedlich, dass sie Robert Schumann zu der Bemerkung veranlassten, Chopin habe hier „vier seiner tollsten Kinder vereinigt“.  Der dritte Satz, der wohl bekannteste Trauermarsch der Musikgeschichte, mündet übergangslos in ein seltsames kurzes Presto-Finale, wobei sich Chopin über die klassische Sonatenform mit der ihm eigenen Kreativität hinweg setzte und zur Freude der Zuhörer des Pianisten gesamte Virtuosität fordert.

 

Als Zugabe spielte Har-Zahav mit beeindruckender Fingerfertigkeit noch eine der witzigen und quirligen Sonaten des Italieners Domenico Scarlatti, mit denen er bereits in anderen Konzerten sein Publikum hingerissen hatte. Sympathisch ist auch, dass in seine Konzerte Kinder und Jugendliche immer freien Eintritt haben.

 

 

Deister-Weser-Zeitung, 01. Dezember.2009


 

 

Perlen der Klavierliteratur auf hohem Niveau
 

 

Menachem Har-Zahav begeisterte mit „Hommage an Chopin“

 

Zuhörer feiern großartigen Künstler

 

Bad Münder (gö)

 

Wer den Klavierabend des israelisch-amerikanischen Pianisten Menachem Har-Zahav im Martin-Schmidt-Konzertsaal verpasst hat, dem sind glitzernde Perlen der Klavierliteratur auf hohem Niveau entgangen.

 

Die Etüde in Ges-Dur, op. 10 Nr. 5 durfte im Reigen der drei Etüden nicht fehlen.  Chopins Idee des „Jeu perlé“ verwirklichte der Pianist in beeindruckender Weise, wobei sich die rechte Hand in einer brillanten Triolenfigur ausschließlich auf den schwarzen Tasten bewegte.

 

Höhepunkt des Abends war unzweifelhaft die Wiedergabe der Etüde in c-Moll, Op. 10 Nr. 12, die sogenannte „Revolutionsetüde“.  Die wogende Figur der linken Hand wird aus den acht Takten der rhetorischen  Exposition entwickelt.  Die fanfarenartigen Akkorde verdeutlichen einen sieghaften Klang, der der Etüde über den tragischen Grundton hinaus den Charakter eines Heldenliedes verleiht.  Bei der zuvor wiedergegebenen Etüde in As-Dur, die erste des Opus 25, zeigte sich Har-Zahav auch als Meister der ganz leisen Töne, als er mit warmem Anschlag und technischer Perfektion den Eindruck eines ruhigen Gesanges hervorzauberte.

 

Das Nocturne in cis-Moll, Op. 27 Nr. 1 zählt zum Höhepunkt dieser Gattung und spiegelte schon in den ersten Melodie-Takten den abgrundtiefen Schmerz wider.  Bereits mit dieser Wiedergabe nach dem Auftakt mit dem Valse in e-Moll, Op. Posth., hatte sich Har-Zahav tief in die Herzen der Zuschauer gespielt.  Aus der Vielzahl der Polonaisen erfreute der Pianist mit den Stücken in cis-Moll, Op. 26 Nr. 1 und d-Moll, Op. 71 Nr. 1, ehe mit der Tarantelle in As-Dur, Op. 43 die Zuhörer in die Pause entlassen wurden.

 

Krönender Abschluss des Abends war die Sonate Nr. 2 in b-Moll, Op. 35.  Der Marche funèbre, der sogenannte Trauermarsch, überlagert das Werk.  Har-Zahav steigerte sich in der Ausdruckskraft, Gestaltung und technischen Perfektion zum Zenit einer Wiedergabe, nach der die Zuhörer Sekunden des sich Wiederfindens benötigten.  Mit der Zugabe von Domenico Scarlattis Sonate ging der Klavierabend zu Ende.  Großer Applaus.  Dass Menachem Har-Zahav an dem bescheidenen Schimmel-Flügel spielte, während der bemerkenswerte Steinway im Nebenraum unter Verschluss stand, war der einzige Wermutstropfen eines Klavierabends, der einen besseren Zuspruch verdient hätte.


Fränkische Nachrichten, 16. November 2009

 

 

Mit höchster Brillanz gespielt

 

Chopin-Konzert: Pianist Menachem Har-Zahav drückte Stimmungen des Komponisten aus

 

Wertheim. Schon mit vier Jahren erhielt Frédéric Chopin (1810 bis 1849) Klavierunterricht von seiner Schwester, mit neun Jahren spielte er ein Klavierkonzert, mit zwölf Jahren studierte er am Warschauer Konservatorium und mit 15 Jahren wurde er von Zar Alexander zu einem Vorspiel eingeladen. Chopins Werke wurden am Samstag im Wertheimer Barocksaal von dem Klaviervirtuosen Menachem Har-Zahav in höchster Brillanz auswendig gespielt.

 

Chopin entlockte dem Klavier neue Schönheiten, formvollendet, voller Gefühlreichtum und revolutionär in der Technik. Har-Zahav verstand es bewundernswert, die Stimmungen und Gefühle des Komponisten in unruhiger, zarter, fröhlicher, aber auch melancholischer Art auszudrücken - und das in einer technischen Vollendung, wie sie wohl selten zu hören ist. So konnte er es sich leisten, nur Werke von Chopin zu präsentieren, und zu keiner Zeit empfand man auch nur den Anflug von Gleichförmigkeit.

 

Mit dem Walzer "Valse in e-moll" begann Har-Zahav das Konzert im Allegro-Tempo. Schon hier "flogen" die Hände des Virtuosen atemberaubend über die gesamte Klaviatur. "Nocturnes" wurden gern als Ständchen oder als festliche Huldigung abends im Freien gespielt. Als Schönste galt die "Nr. 1" (Opus 27) in cis-Moll, die nun erklang, ganz sachte einstimmig ebenfalls im Dreivierteltakt beginnend, langsam in die Mehrstimmigkeit übergehend und an Lebendigkeit zunehmend.

 

Chopin komponierte 13 Polonaisen. Zwei davon in cis- und in d-Moll interpretierte Har-Zahav. Sie waren feierliche Schreittänze im Dreiertakt, wobei leichtgängig auch zahlreiche Triolen "flossen". Drei von Chopins 24 Etüden stellte der Musiker in Ges-Dur, As-Dur und c-Moll in ihrer jugendlichen Lebenskraft vor - mit phantastischen Verzierungen, in As-Dur-Akkorden, aus denen die Tenorstimme deutlich hervortrat.

 

Vor der Pause schwirrte in technischer Brillanz eine "Tarantelle in As-Dur" durch den Raum. Später erfreute der Künstler mit einer "Ballade" in g-Moll, zu der Chopin durch ein Gedicht seines Landsmanns Adam Mikiewiez inspiriert worden war. Wieder glitten die Hände des Virtuosen rasant über die Klaviatur - eine hervorragende Darbietung!

 

Doch besonders hervorzuheben ist die "Sonate Nr. 2" in b-Moll in den Sätzen Grave-Doppio movimento, Scherzo (Alelgro ma non troppe), Marche funebre (Lento und Presto-Finale). Interessant ist, dass Chopin die Sätze zwei und vier 1839 komponierte, den dritten aber als "Trauermarsch" bereits 1836. Hier beeindruckt vor allem die ständige Wiederholung des Trauermotivs. Diesen Satz "umrahmen" die drei anderen in ihrer Ausgewogenheit, aber auch Gegensätzlichkeit.

 

So konnte Har-Zahav im "Finale" abermals seine enorme Fingerfertigkeit in Presto-Geschwindigkeit vorführen. Das wiederholte sich nochmals in seinen zwei Zugaben, die er infolge des stürmischen und immer wieder gespendeten Beifalls gewährte. wi

 


Schwäbische Zeitung, 16. Oktober 2009

 

Pianist spielt wilde Schreckensvision


FRIEDRICHSHAFEN

 

(...) Bereits beim Auftakt mit drei Sonaten von Domenico Scarlatti zeigt sich der brillante Techniker, der mühelos die rasanten Skalen und Doppelgriffpassagen beherrscht. Draufgängerisch ist sein Zugang zur Sonate in d-Moll, heiterer dann die Sonate in E-Dur, wie ein übermütiger Springquell, zum Klangrausch gesteigert. Gläsern in kühler Schönheit erklingt zuletzt die A-Dur-Sonate.

 

Wie ausgetauscht erscheint der Pianist mit Beethovens Sonate op. 27 Nr. 2, der "Mondscheinsonate" am Mittwoch im GZH. Hier findet er im Adagio sostenuto eine Ruhe, die man im übrigen Konzert vermisst, eine leise, meditative Schwermut, die im Trio einer Aggressivität Platz macht, die sich im eiligen Presto noch bedrohlich steigert und Beethoven zum laut aufbegehrenden Rebellen macht.

 

Ganz vorzüglich passt Menachem Har-Zahavs Stil zu George Gershwins Rhapsody in Blue, die er in mitreißendem Schwung, mit markanten Brüchen und Umschwüngen vielfach schillernd präsentiert.

 

Dämonisch legt der Tastenakrobat Chopins Ballade in g-Moll op. 23 an. Man sieht in Gedanken den schwarzen Schwan Odile vor sich, der den Schwanensee-Prinzen mit kalter, berechnender Schönheit umgarnt und sein düsteres Geheimnis für sich bewahrt.

 

Mit kräftigen Farben malt Menachem Har-Zahav Claude Debussys Impressionen. Neben aufscheinendem Klangzauber dominiert ein wie von Furien gehetzter Wirbel gewaltiger Klangexplosionen.

 

Zur orgiastischen Schreckensvision mit nur kurz aufscheinenden Visionen einer friedlichen, beseligten Daseinsform wird der von Menachem Har-Zahav für Klaviersolo bearbeitete düstere Totentanz für Klavier und Orchester von Franz Liszt, eine wahre "danse macabre", eine Höllenfahrt unter ständiger Hochspannung, ein unheilvoll-panischer Strudel, der den Zuhörer mit sich reißen will. (...)



Süddeutsche Zeitung,Münchner Kultur, 22. September 2009

 

Rechtschaffen an den Tasten 

 

Menachem Har-Zahavs Klavierabend im Kleinen Konzertsaal im Gasteig


Sieh an, es gibt ihn also noch, den Klavierspieler, der seinem Beruf ohne den längst obligatorischen Medienrummel nachgeht, fernab aller allzu brachialen Marketingstrategien. Der ein vernünftiges Programm erarbeitet. So jedenfalls macht das gerade der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav, der seit einiger Zeit in Deutschland lebt. Die zweite Station seiner Tournee in dieser Saison war der Kleine Konzertsaal im Gasteig, und es dauerte nicht lang, bis dort sehr klar war, wie ernst Har-Zahav es ist mit seinem Job. Was er anpackt, hat Hand und Fuß, da störte ein wenig Nervosität zu Beginn gar nicht, messbar an ein paar ungewollten Härten, einigen nicht ganz rund laufenden Rhythmen. Sicher, der Mann ist kein Leisetreter, und sein Forte bei Scarlatti hätte ein Spur weniger patzig sein dürfen, doch wie er im ersten Satz von Beethovens „Mondschein”-Sonate Phrasen baute und miteinander korrespondieren ließ, das zeugte von einem durchdachten Konzept. [...] Klar, dass Har-Zahav mit seiner Solo-Fassung von Liszts „Totentanz”, einer oft reichlich düsteren Meditation über das „Dies irae” aus dem Requiem, in seinem Element schwamm. Das merkwürdigste, vielleicht genialste Moment des Abends jedoch waren ein, zwei Stellen in einer Scarlatti-Sonate, die dick im Pedal standen und damit ganz neue, unerwartete Beziehungen eingingen. Viel Beifall, kein Zugabe. JOHANNES RUBNER


Lüdenscheider Nachrichten, 01. September 2009


Wenige erleben hochklassigen Konzertabend

 

Dem Pianisten Menachem Har-Zahav fehlt nur noch der große Name zum Durchbruch

 

LÜDENSCHEID Einen bemerkenswerten Start in die neue Kulturhaussaison erlebte am Sonntag eine leider recht kleine Zahl von Klaviermusik-Liebhabern im Violetten Saal des Kulturhauses. Zu Gast war der israelisch-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav, der insbesondere die romantischen Komponisten in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt. Alles andere als eine bloße Einleitung in den Konzertabend stellten drei Werke aus dem reichen Sonatenfundus von Domenico Scarlatti dar. Die Arbeiten des Komponisten galten im 18. Jahrhundert angesichts ihrer spieltechnischen Neuerungen und pianistischen Effekte wie das Überschlagen der Hände sowie rasche Skalen, Arpeggien (Akkorde mit nicht gleichzeitig, sondern nacheinander erklingenden Tönen) und Doppelgriffpassagen als zukunftsweisend.  Federleicht und beschwingt sowie mit hoher Präzision und  rhythmischem Gespür setzte Har-Zahav Scarlattis Sonate in d-Moll in Szene. Elegant-fließend und perlend-leicht, geprägt von fast beiläufiger Virtuosität präsentierte sich die Sonate in E-Dur, während das letzte Stück des Trios einen Schlusspunkt von vitaler Sprunghaftigkeit setzte. 


Zweifellos einen der Höhepunkte des Konzertes bildete Beethovens berühmte, dreisätzige Mondschein-Sonate.  Wie Har-Zahav im ersten Satz “Adagio sostenuto” mit eleganter Zurückhaltung und bedächtigen Akzenten ganz ohne falsches Pathos Momente emotionaler Schönheit, Erhabenheit und Melancholie erzeugte, hatte Größe, wurde durch das beschwingt-vitale Spiel im furiosen „Menuet: Trio“ konterkariert und im „Presto agitato“ zu einem hochdramatischen Abschluss gebracht.


An dieses perfekt dargebotene emotionale Feuerwerk schloss sich Gershwins berühmte Jazz-Klassik-Melange „Rhapsodie in Blue“ an, die sich spritzig-perlend zu immer neuen Höhepunkten aufschwingt und insbesondere im letzten Teil durch überzeugend eingebundene, einprägsam-rhythmische Akzente besticht. 


Im zweiten Konzertteil wartete Menachem Har-Zahav mit einer Auswahl markanter Werke von Chopin, Debussy und Liszt auf. Chopins „Ballade in g-moll“, aus der der Künstler später im Rahmen seiner Zugabe Auszüge wiederholt zum Besten gab und die durch die Verknüpfung kontrastierender, erzählender Melodien nach musikalischer Gesetzmäßigkeit besticht, setzte der Pianist mit gekonnten Wechseln in Tempo und Struktur um. Drei kurze Werke für Klavier Solo von Claude Debussy, darunter das durch das Gemälde „Embarquement pour Cythére“ von Jean-Antoine Watteau inspirierte “L´Isle Joyeuse“ leiteten über zum „Totentanz“, einem konzertanten Variationszyklus von Franz Liszt für Klavier und Orchester, der von Har-Zahav auf Solo-Klavier umgearbeitet worden war. Stakkatohafte Passagen, unheilvolle Wirbel und romantische Einsprengsel setzten hierbei einen schillerndekstatischen Schlusspunkt unter den außergewöhnlich hochklassigen Konzertabend. bot


Westfälische Rundschau, 31. August 2009

Virtuos düsterer Totentanz

Lüdenscheid. Monika Salzmann

Inspiriert vom berühmten Fresko „Der Triumph des Todes" in den Hallen des Camposanto (Friedhofs) in Pisa, trägt Franz Liszts „Totentanz für Klavier und Orchester" malerische Züge. Düster, bizarr und mystisch wirkt der pittoreske Danse macabre, den Liszt zu einem orgiastischen Finale steigert.


In eigener Bearbeitung stellte der israelisch-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav, am Sonntagabend im Violetten Saal des Kulturhaus zu Gast, das schwindelerregend schwierige Werk als Virtuosenstück für Soloklavier vor.


Knapp 100 Liebhaber klassischer Klaviermusik erlebten ein Konzert, das höchsten Ansprüchen genügte. Mit bekannten Werken aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne stellte der heute in Deutschland lebende Pianist seine Vielseitigkeit unter Beweis.


Hoch konzentriert, ohne Ansage und ohne große Geste widmete sich Menachem Har-Zahav seiner facettenreichen Literatur. Ausnahmslos den Großen der Klaviermusik – angefangen beim italienischen Barockmeister Domenico Scarlatti bis hin zu Chopin und Debussy – huldigte er mit seinem spieltechnisch brillanten, ausdrucksstarken Spiel.


Mit einer Etüde von Chopin als Zugabe bedankte er sich für begeisterten, anhaltenden Applaus. Anhand der drei einsätzigen Sonaten L. 422, L. 430 und L. 345 entdeckte der zurückhaltend, fast bescheiden auftretende Kippa-Träger seinen Zuhörern Scarlattis Virtuosentum und unerschöpflichen Erfindungsgeist. Elegant, hier vorwärts stürmend, dort tänzerisch verspielt, untermauerte er Scarlattis Sonderstellung.


Mit der „Mondschein-Sonate" stand eines der bekanntesten Werke von Beethoven auf dem Programm. Ernst und klagend brachte Menachem Har-Zahav seinen Zuhörern das berühmte Adagio nahe, das dem Werk seinen (fälschlichen) Namen gab.


Ein Highlight war die Rhapsody in Blue von George Gershwin, zupackend und energisch umgesetzt. Zur schmerzlichen Klage des zutiefst berührenden Adagios, das Beethoven der Überlieferung nach am Totenbett eines Freundes schrieb, stand das Jazz inspirierte Werk mit seinem brillanten Klaviersatz in reizvollem Kontrast.  Komponisten, an denen kein Klaviervirtuose vorbeikommt, gehörte der zweite Teil des Programms.


Neustädter Blatt, 27. August 2009

 

SCHLOSS LANDESTROST
Pianist Har-Zahav verleiht der Klassik Flügel
 
Lädt sein Publikum zum Träumen ein: Der Pianist Menachem Har-Zahav bereitete den Neustädtern ein Konzert der Extraklasse.
 
Neustadt (lb) Einen musikalischen Genuss der Extraklasse erlebten die Besucher des Konzertes von Menachem Har-Zahav, dem in Deutschland lebenden israelisch amerikanischen Pianisten, der am Samstag ein Konzert in Schloss Landestrost gab. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen die Komponisten der Romantik.
 
Mit beeindruckender Leichtigkeit spielte der Künstler drei Sonaten von Domenico Scarlatti. Hingebungsvoll interpretierte er die Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven. Sein Anschlag war weich und dennoch kraftvoll.  Scheinbar mühelos gelangen ihm die rasanten Tonfolgen. Har-Zahav interpretiert die Stücke auf seine eigene Art, er verzaubert damit sein Publikum und lädt es zum Träumen ein. Auch die  zahlreichen Kinder, die freien Eintritt hatten, lauschten andächtig den ungewohnten Tönen.  Die Bandbreite seines Könnens demonstrierte er mit „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin. Hier war sein Spiel noch dynamischer, der Anschlag hart und energiegeladen.  Fröhlich und heiter klangen die Stücke von Frederic Chopin und Claude Debussy. Den absoluten Höhepunkt des Abend setzte er jedoch mit einer eigenen Klavierfassung des Totentanz von Liszt. Seine virtuose Spieltechnik und seine technische Perfektion waren hier besonders deutlich.
 
Bescheiden und zurückhaltend wirkte der Künstler in seinem Frack und der jüdischen Kippa auf dem Kopf. Der 42 Jährige spielt seit dem vierten Lebensjahr Klavier und war bereits mit 26 Jahren Leiter der Klavierfakultät an einer amerikanischen Universität. Nachdem er wegen seiner deutschen Ehefrau nach Deutschland übergesiedelt ist, möchte er nun deutschlandweit die Bühnen erobern. Die Qualität seines Spieles hätte ein größeres Publikum verdient. Leider gab es jedoch nur all zu viele Konkurrenzveranstaltungen an diesem Wochenende. So erlebten leider zu wenige Zuhörer diese Sternstunde der klassischen Musik, die Anwesenden waren aber restlos begeistert und spendeten ausgiebig Applaus.

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de