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Hersfelder Zeitung, 19. März 2010

 

Chopins Musik verzaubert

Menachem Har-Zahav bot eine lebendige Hommage an einen 200-Jährigen

BAD HERSFELD. Ob es nun der 22. Februar oder der 1. März war, an dem sich der Geburtstag des Komponisten Frédéric Chopin zum 200. Mal gejährt hat, darüber streiten sich bis heute die Gelehrten. Unstrittig ist jedoch, dass die Musik des prominenten Geburtstagskindes auch heute noch sehr frisch und lebendig auf ihre Zuhörer wirkt – vor allem, wenn sie derart virtuos und brillant gespielt wird, wie von dem israelisch-amerikanischen Pianisten Menachem Har-Zahav in seiner „Hommage an Chopin“.

 

Kontrastreich

 

 

Völlig ohne Worte und mit sehr sparsamer Gestik und Mimik wirkte Har-Zahav als Interpret total zurückgenommen und introvertiert. Im Mittelpunkt des Konzertes stand allein die Musik Chopins, die er mit bemerkenswerter Sensibilität und Empfinden für die in Chopins Kompositionen angelegte Farbigkeit und dem Kontrastreichtum interpretierte. Die Kontraste wurden gleich zu Beginn, bei den energiegeladenen Läufen des Valse e-moll und in dem, in seinen Anfangspassagen eher dunkel angelegten Nocturne in cismoll hörbar. Hier konnte Har-Zahav die ganze Bandbreite zwischen melancholisch-weichen und kraftvoll-zupackenden Passagen ausloten. Zu hören waren darüber hinaus drei der technisch extrem anspruchsvollen Etüden Chopins, die Har-Zahav mit Eleganz und höchster Konzentration meisterte. Eindrucksvoll wusste der Interpret hier, wie in allen anderen gespielten Werken, Akzente zu setzen und selbst Pausen als außerordentlich wirkungsvolles Stilmittel einzusetzen, ohne dass diese den Pulsschlag und den Fluss der Musik in irgendeiner Weise beeinträchtigt hätten. Der melodische Einfallsreichtum Chopins wurde besonders in den beiden Polonaisen in cis-moll und d-moll sowie in der g-moll-Ballade hörbar, mit der Har-Zahav den zweiten Teil des Konzerts eröffnete. Auch hier trug die sehr transparente und perfekt durchhörbare Interpretation entscheidend zum Hörgenuss bei. Den Schluss- und Höhepunkt des regulären Programms bildete die Sonate Nr. 2 in b-moll, insbesondere der bekannte Trauermarsch, den Har-Zahav sowohl dynamisch wie auch in seinen Klangfarben eindrucksvoll und elegant auszuloten wusste

 

Drei Zugaben

 

Mit drei Zugaben verabschiedete sich der Pianist vom Publikum in der gut besetzten Stadthalle, das sich für ein begeisterndes Konzert mit lang anhaltendem Beifall revanchierte.  Ein lebendiger Beweis für die Beliebtheit, der sich Chopins Musik auch 200 Jahre nach der Geburt des Komponisten erfreut, waren die jungen Zuschauer, die sich von Har-Zahavs Chopin-Interpretationen verzaubern ließen. UTE JANSSEN

 

Zu den jüngsten Besuchern des Konzertes mit Menachem Har-Zahav gehörte David Sippel, der fasziniert beobachtete, wie der Pianist mit seinen Händen zu zaubern wusste. Foto: Janßen

 

 

 

 

Westfalen-Blatt, 10. März 2010


Brillanter Beitrag zum Chopin-Jahr

Har-Zahav verzaubert 180 Zuhörer

Bielefeld (cr). Eine »Hommage an Chopin« erlebten die 180 Zuhörer von Menachem Har-Zahav am Sonntagabend im Kleinen Saal der Oetkerhalle. Der Pianist begeisterte mit Ausdruck, Temperament und technischer Perfektion. 

 

Den kontrastreichen Auftakt des beeindruckenden Klavierkonzerts bildet ein Walzer in e-Moll. Es folgt eine gefühlvolle Nocturne in cis-Moll, die gesteigert wird durch zwei Polonaisen in cis- und d-Moll. Har-Zahavs Finger tanzen über die Tasten des glänzenden schwarzen Flügels, so als gäbe es nichts Natürlicheres als die Virtuosität, mit der er sein Instrument beherrscht. 

 

Den Höhepunkt vor der Pause bilden drei bekannte Etüden in Ges-Dur, As-Dur und c-Moll. Die Übungsstücke fangen den Charakter von Chopins Kompositionen ein und unterstreichen Har-Zahavs Brillanz: seine Finger tanzen nicht mehr über die Tasten, sondern sie fliegen, während er selbst unbewegt und konzentriert bleibt. Nur bei besonders kräftigen Anschlägen bewegen sich seine Lippen oder zucken seine Augenbrauen. 

 

Noch virtuoser und expressiver präsentiert der israelisch-amerikanische Pianist sich nach der Pause mit einer beliebten Ballade in g-Moll und der Sonate Nr. 2 in b-Moll, die eine große Bandbreite verschiedener Stimmungen musikalisch transportiert.

 

Den hochverdienten Applaus nimmt der bescheiden wirkende Pianist mit einem schüchternen Lächeln entgegen und bedankt sich dafür mit drei Zugaben von Franz Liszt, La Campanella, der transzendentalen Etüde Nr. 10 und einem Walzer. »Wunderbar«, kommentiert Simone Rambeck nach dem Konzert strahlend die eben gehörten Klänge, die so schwer in Worte zu fassen sind. Auch Claudia Kohl, selbst Pianistin, lobt die Leistung Har-Zahavs: »Es war sehr gut, ausgezeichnet.« Wie viele andere hat sie das Konzert, das ein Beitrag zum Chopin-Jahr 2010 war, besucht, weil sie dessen Musik mag. Har-Zahav kannte sie vorher nicht. Aber seinen Namen werden die Zuhörer wohl so schnell nicht wieder vergessen.

 

 

Neue Westfälische, 09. März 2010

 

Die vielen Gesichter des Frédéric Chopin

Menachem Har-Zahav in der Oetkerhalle

VON JOHANNES VETTER
Bielefeld. Ein lakonischer Walzer als dritte Zugabe; davor begeistert Liszts Transzendentale Etüde Nr. 10, dieser nachdenklich-virtuose Meilenstein der Klavierliteratur. Das technisch hochvertrackte "Glöckchen" von Liszt klingt bezaubernd schön in den Ohren und hat den Reigen der Zugaben eröffnet vor gut besetzten Stuhlreihen im kleinen Saal der Oetkerhalle.

Im Mittelpunkt aber steht der polnische Emigrant Frédéric Chopin, dessen 200. Geburtstag just gedacht wird. Menachem Har-Zahav, amerikanisch-israelischer Pianist, präsentiert sich ganz unprätentiös, gibt keineswegs den zerwühlt-leidenschaftlichen Konzertlöwen. Er verzichtet fast ganz auf große Gesten, sitzt vielmehr ruhig und hochkonzentriert am Konzertflügel.

Das mag dem einen oder anderen womöglich etwas unterkühlt erschienen sein, porträtiert aber mit geradezu leidenschaftlicher Sachlichkeit die verschiedenen Gesichter des Magiers Chopin, der das Klavier wie kaum ein Zweiter zum Singen gebracht hat.

Überraschend erspart er dem neugierigen Hörer übertriebene Temposchwankungen im cis-moll-Nocturne, präpariert feinsinnig die sensibel pochende Wiederholungsstruktur der linken Hand heraus, und schon haben wir es nicht mehr mit einer süßen Serenade zu tun, sondern mit einem beklemmenden Nachtstück. In der seltener zu hörenden Polonaise d-moll (op. 71, 1) deckt Har-Zahav auf, dass Chopin auf den karnevalesken Robert Schumann hinzuweisen scheint. Die 2. Sonate des 29-jährigen, künstlerischer Höhepunkt des Recitals, ist zu Lebzeiten Chopins nicht auf ungeteilte Zustimmung des Publikums gestoßen. Die radikale Unterschiedlichkeit der vier Sätze verstörte und lies Schumann notieren, der Komponist habe "vier seiner tollsten Kinder vereinigt".

Bar aller Gefälligkeit manifestiert sich in durchaus harter Klanglichkeit die Verbitterung der polnischen Emigration - ausgelöst durch den niedergeschlagenen polnischen Aufstand 1830. Den zweiten Satz inszeniert der Interpret im Mittelteil als walzerselige Salonmusik und erzielt so einen sprechenden Kontrast zu den kompromisslos gemeißelten Rahmenteilen, die jeder Freundlichkeit eines Scherzos entbehren.

Den berühmten Trauermarsch, zu dessen Klängen so mancher Despot zu Grabe getragen wurde, erweist sich unter den kundigen Händen Har-Zahavs als Totentanz, der den unverhohlen heroischen Gestus hohl werden lässt.

Das Finale, nichts als ein aufbrausendes Anhängsel, das die Farbe der Vergeblichkeit nicht übertünchen kann und es wohl auch nicht will, glich Schumann "eher einem Spott, als irgend Musik". Menachem Har-Zahav hat dem Bielefelder Publikum eine intelligente Sicht auf Chopin eröffnet.



Oldenburgische Volkszeitung, 03. März 2010

 

Schwungvolle Hommage an Chopin

Ausnahmepianist Menachem Har-Zahav gastiert in Vechta

 

Vechta (kad) -   Vor Lob in den Medien kann sich der amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav kaum retten – zu Recht, wie er am Sonntagnachmittag mit seiner Hommage an Chopin in der Aula der Hochschule Vechta bewies.

 
Menachem Har-Zahav machte in den USA seinen Magister im Hauptfach Klavier und unterrichtete dort als Dozent an verschiedenen Hochschulen. Mittlerweile lebt er in Deutschland und ist als Konzertpianist tätig.
 

Ganz im Gedenken an den 200. Geburtstag des gebürtigen Polen Fryderyk Franciszek Szopen, gemeinhin als Frédéric Chopin bekannt, tourt Har-Zahav noch bis Ende Juli mit dem Programm „Hommage an Chopin“ durch Deutschland. Am vergangenen Sonntag machte der Virtuose Station in Vechta.

 

Nach außen hin hoch konzentriert, wenn nicht sogar ernsthaft und verkniffen, entlockte Har-Zahav dem Flügel nachdenkliche, aber auch schwungvolle und leidenschaftliche Töne. Die spontanen Stimmungs- und Kontrastwechsel in Chopins Werken traf er optimal. Die Har-Zahav große Vertrautheit mit den Werken war allgegenwärtig. 

 

Neben relativ unbekannten Stücken, wie der Valse in e-moll, das erst nach dem Tode Chopins bekannt wurde, spielte Har-Zahav unter anderem auch den Trauermarsch aus der Sonate Nr. 2 in b-moll, Opus 35 sowie die Ballade in g-moll, Opus 23. Manche halten dieses Werk für eine seiner perfektesten und schönsten Kompositionen. Aufgrund ihrer inhaltlichen und gestalterischen Geschlossenheit ist sie auch unter dem Titel „Die Geschichtenerzählerin“ bekannt. Har-Zahav gelang in Vechta mit feinem Anschlag eine würdige Verbeugung vor Chopin, den einst die Allgemeine Musikalische Zeitung in Leipzig als „einen der leuchtendsten Meteoren am musikalischen Horizont“ bezeichnet hat.

 

 

Aachener Nachrichten vom 26. Februar 2010


Brillant bei der Hommage

Der Pianist Menachem Har-Zahav zeigt sich lyrischer und dramatischer Affekte mächtig. Kompositionen von Chopin in neuem Glanz.

Jülich Der Pianist Menachem Har-Zahav zeigt sich lyrischer und dramatischer Affekte mächtig. Kompositionen von Chopin in neuem Glanz.

Jülich.Ein besonderes Erlebnis bescherte der Pianist Menachem Har-Zahav dem Jülicher Publikum in der Schlosskapelle. Ganz dem Werk Frédéric Chopins gewidmet erklangen an diesem Abend wichtige Kompositionen aus dem umfangreichen Schaffen des französischen Komponisten.

Der Solist des Abends verstand es trefflich, die Identifikation des Komponisten mit dem Klavier nachzuleben. Er zeigte sich aller lyrischen und dramatischen Affekte mächtig, wurde wie der Komponist von Fantasie und Leidenschaft getrieben. Das Zitat Frédéric Chopins "Das Klavier ist mein zweites Ich" lässt sich auf den Interpreten übertragen. Er verschmolz mit seinem Instrument, Noten waren überflüssig, die Musik floss aus seinen Händen und erreichte durch die Klänge des Instrumentes direkt die Herzen der Zuhörer.

Ein reizvoller Valse in e-moll, festlich federnde Polonaisen, eine esoterische, fast schmerzliche Nocturne in cis-moll, das Scherzo in b-moll, eine der liebenswürdigsten und pianistisch glänzendsten Kompositionen Chopins und die Etüden in Ges-Dur, As-Dur und C-moll gaben einen Querschnitt durch das Schaffen des Komponisten. Besonders beeindruckend war die Darbietung der Etüden. Ihre extrem anspruchsvolle Form und ihre technischen Hürden wurden von dem Pianisten mit Eleganz gemeistert und in einem farbkräftigen Charakterbild dargestellt.

Im zweiten Programmteil folgte die Ballade in g-moll mit einem schwermütig, seufzenden ersten Thema, dem ein lyrischer Gedanke entgegengesetzt wird, dem später dramatische Affekte von tragischer Wucht folgen.

Klangfantasien

Als kraftvoller und überlegener Pianist und glänzender Interpret von Chopins Klangfantasien bewies sich Menachem Har-Zahav bei der Sonate Nr. 2 in g-moll. Dreh- und Angelpunkt der Komposition ist der "Trauermarsch" mit den Glockenbässen in den ersten 14 Takten, die Vision eines Trauerkonduktes, die melodische Phrase, die bis zum Aufschrei sich steigernde Klage.

Großen Applaus gab es für den Solisten, dem es gelang, den verführerischen, lyrischen Charme der Werke des Frédéric Chopin durch sein kraftvolle, lebendiges Spiel und seine Virtuosität zu vermitteln. (vieh)

 

Der Pianist Menechem Har-Zahav ließ bei seinem Konzert in der Jülicher Schlosskapelle die Musik Frédéric Chopins regelrecht aus seinen Händen fließen. Foto: Wolfgang Emde



Nibelungenkurier (Worms), 24. Februar 2010

 

Chopin für Einsteiger und fortgeschrittene Zuhörer

 

Meisterpianist Menachem Har-Zahav gastierte in Worms

 

„Hommage an Chopin“ verzauberte Publikum

 

VON KAI MÜHLECK Im Vorfeld des Klavierabends deutete nicht alles darauf hin, dass das Publikum einen vollendeten und rundweg harmonischen Vortrag erwarten durfte. Der israelisch-amerikanische Konzertpianist Har-Zahav war nicht mit dem Klang des Flügels einverstanden. Gleich zweimal, so hieß es, musste der Stimmer in die Kapelle der Prinz-Carl-Anlage kommen und sein Möglichstes versuchen. Dennoch wurde auf Wunsch Har-Zahavs, der bereits im Alter von nur 26 Jahren mehrere Jahre als Leiter einer Klavierfakultät in den USA beschäftigt war, die Preise an der Abendkasse kurzerhand halbiert. Zudem genossen Kinder, wie auf jeder Konzertreise Har-Zahavs, ohnehin freien Eintritt, denn gerade diese will der Meistermusiker, augenscheinlich ein Perfektionist im besten Sinne, für die klassische Musik begeistern, wie sein Management verlauten ließ. Und tatsächlich waren unter den rund 80 Gästen auch einige ganz junge Musikfreunde zu finden, wie die achtjährige Luisa-Maria, die selbst gleich zwei Instrumente spielt. Rund zwei Stunden verfolgte sie jede Fingerbewegung des virtuosen Pianisten und fand dessen Vortrag „sehr schön“. Mehr als zufrieden zeigte sich auch Christiane Grüll, die mit ihren Kindern der Veranstaltung beiwohnte und mit leuchtenden Augen verriet: „Dieses Ereignis wollten wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen.“ Einzelne, kritischere Stimmen zeigten sich mit dem „Hall“ in der Kapelle nicht ganz zufrieden. Doch in einem Punkt konnte es keinerlei Zweifel geben: die Meisterschaft und Virtuosität Har-Zahavs stand ganz außer Frage. Man musste kein Spezialist für die romantische Musik sein, um sich von der gefühlvollen Interpretation Chopins Nocturne einnehmen zu lassen. Bei den Polonaisen staunten die Zuschauer und -hörer über die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der die Finger des Pianisten beinahe über die Tasten seines Instrumentes hinwegflogen. Leidenschaftlich und temperamentvoll, mit zielsicher gesetzten kräftigen Anschlägen trug Har-Zahav die berühmte Etüde in c-moll, Op. 10 nr. 12 vor. In der Pause ließ das Gastronomieteam des Hotels Prinz-Carl keinerlei Wünsche bei den Musikfreunden offen. Hier kam man bei einem Glas Sekt schnell miteinander ins Gespräch. Gänsehaut war in der zweiten Hälfte des Abends garantiert, als Har-Zahav mit sehr viel Gefühl und Temperament Chopins Marche funèbre akzentvoll interpretierte. Zwischen den einzelnen Stücken war den ganzen Abend über eine knisternde Spannung unter den Zuhörern zu spüren, die sich in einem donnernden Applaus entladen wollte. Har-Zahavs Klavierkonzert war ein gelungener Beitrag zum Chopinjahr, das 2010 weltweit begangen wird. Fryderyk Chopin, der polnische Meisterpianist, der im Alter von nur 39 Jahren in Paris verstorben war, hätte am 1. März seinen 200. Geburtstag feiern können.

 

Virtuos und mit einer gelungenen Mischung aus Gefühl und Temperament interpretierte der israelisch-amerikanische Konzertpianist (Jahrgang 1968) Menachem Har-Zahav, anlässlich des 200-jährigen Jubiläumsjahres, vergangenen Samstag verschiedene Werke Fryderyk Chopins. Das Publikum, das den Weg zur Kapelle der Prinz-Carl-Anlage gefunden hatte, dankte es mit großem Applaus und Bravorufen. Foto: Kai Mühleck

 

 

Trierischer Volksfreund, 23. Februar 2010

 

Publikumsmagnet Menachem Har-Zahav

"Hommage an Chopin" - so der Titel des Konzerts, das der amerikanisch-israelische Pianist Menachem Har-Zahav am Sonntagnachmittag im Festsaal des Klosters Karthaus gegeben hat. Die mehr als 150 Besucher im übervollen Saal zeigten sich von der Virtuosität des Musikers begeistert. 


 

Konz. (jbo) "Super", sagte Doris Stuke schon zur Pause. Und da lag das Beste noch vor den gut 150 Zuhörern im proppevollen Festsaal des Klosters Karthaus. Der amerikanisch-israelische Pianist Menachem Har-Zahav, der jetzt bereits zum vierten Mal in der Saar-Mosel-Stadt aufgetreten ist, überzeugte das Publikum mit größter Virtuosität und bewundernswerter Konzentrationsfähigkeit.
 
Im ersten Teil brillierte er mit feiner Technik und schüttelte die pianistischen Herausforderungen der Chopin'schen Kompositionen in den Etüden und Polonaisen locker aus den elegant über die Tasten eilenden Fingern. (...) Hier spielt jemand, der sich nicht scheute, auch die mitunter ausgesprochen schwierig zu spielenden Stücke beherzt anzugehen. Im zweiten Teil, speziell im Hauptwerk des Abends, der Sonate Nr. 2 b-Moll, Op. 35, erweiterte Menachem Har-Zahav, der den verdienten Applaus nahezu unbeweglich entgegennahm, sein Spiel um eine emotionale Komponente, die ihren Höhepunkt im dritten Satz, dem Marche funèbre, fand.
 
Da erhielten die (...) Chopin'schen Werke die Klangfarbe und Magie, mit denen sich der polnische Tastenzauberer Chopin den Rang des bedeutendsten Klavierkomponisten im 19. Jahrhundert erarbeitet hat.
 
Bei den Zugaben zog Menachem Har-Zahav dann noch mal alle Register seiner Kunst.
 
Jetzt spielte er befreit auf - das Publikum applaudierte stürmisch.
 
Nach dem Konzert zogen die Besucher durchweg ein positives Fazit. Har-Zahav habe mit seiner "Hommage an Chopin" anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten einen Maßstab vorgegeben, an dem sich alle weiteren Chopin-Konzerte in diesem Jubiläumsjahr messen lassen müssen.

 

 

Das virtuose Klavierspiel des amerikanisch-israelischen Pianisten Menachem Har-Zahav beeindruckt über 150 Zuschauer im Festsaal des Klosters Karthaus. TV-Foto: Jürgen Boie

 

 

 

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 08. Februar 2010

 

Die Welt der Romantik

Lokales
Die Kippa auf dem Kopf, die Haltung fast unbeweglich und hochkonzentriert, die Finger sehr flink und virtuos über die Tasten „fliegend“: Der jüdische Pianist Menachim Har-Zahav, vor einem Jahr schon einmal zu Gast in Bottrop, absolvierte in seinem typischen Solistenverständnis eine „Hommage an Chopin“. Der Kammermusiksaal im Everding-Zentrum war leider an diesem Abend nur mager besetzt. Der in Velbert lebende Künstler hätte einen besseren Hörer-Rahmen verdient.  Denn er vereint nahezu alle Tugenden eines bestens ausgebildeten und in der Darstellung introvertierten Pianisten. Er meidet jegliche Eitelkeit, stellt sich ganz in den Dienst des Werkes und des Komponisten, huldigt dem klassischen und romantischen Prinzip und entführt das Auditorium in seinen Interpretationen in eine Welt der Emotionen. Er selbst aber bleibt dabei still und bescheiden, als ob er aus einer gewissen Distanz heraus diese Leidenschaften, diese Schicksalsschläge, diese Lebensbrüche beobachtet und musikalisch kommentiert.

Frederic Chopin dient ihm als ideale Folie für diese Mitteilungen über Menschen. Denn in seinen Walzern (Valse e-moll posthum), seinen Nocturnes (cis-moll op. 27), den Polonaisen (op. 26 und op. 71), seinen Etüden (op. 10, op. 25 und op. 10), in den Scherzi (b-moll op. 31), in seinen Balladen (op. 23) und in seiner abschließenden Sonate Nr. 2 op. 35, einer der Hits in jedem Chopin-Repertoire, insistiert Menachem Har-Zahav beharrlich. Musik wird zur zeitlichen Meile der Höhen und Tiefen, der Eleganz und der Dämonie, der Fragen und Antworten. Hier ist der Gast mitten drin in der philosophischen Panoramenwelt der Romantik.

Ob wirbelnde Vitalität (Presto in der Sonate) oder verhallender Lebensmut (im Marche funebre), ob etüdenhafte Brillanz oder verträumtes Nocturne, ob Rhythmen-Motorik (Polonaisen) oder erzählerische Momente (im Scherzo) - Menachem Har-Zahav lauscht dieser Epoche aus dem 19. Jahrhundert anhand der scheinbaren Schwerelosigkeit Chopins fast alle Nuancen ab. Er stellt sich vor als ein Künstler, der das pianistische Rüstzeug einsetzt, um zur Humanität eines großen Musikmeisters vorzudringen: Der polnische Komponist wird zum Anwalt von Kühnheit, Verinnerlichung und Vision. Bei aller technischen Souveränität vergisst dieser Pianist nicht das, was hinter den Noten steht - Liebe, Not, Schmerz, Glück.

An sein Recital schloss er als Zugabe noch ein Scarlatti-Stück an. Auch hier hatte man nicht den Eindruck, Menachem Har-Zahav, der nach einer internationalen Wanderschaft seit rund zehn Jahren in Deutschland lebt, würde seinen eigentlichen Auftrag vergessen. Und der lautet: In die Herzen der Menschen durch die Mittel der Musik vorzudringen.  Man würde ihm gern ein drittes Mal begegnen. Auch wieder als atmosphärischen und subtilen Kenner und Gestalter der Romantik. HJL

 


 

 

Aachener Nachrichten & Aachener Zeitung 03. Februar 2010

 

 

«Hommage an Chopin»: Menachem Har-Zahav begeistert im Rittersaal

von Toni Dörflinger
 
Stolberg. Dass der israelisch-amerikanische Künstler Menachem Har-Zahav ein Meister der transparenten Klangbilder ist, stellte er im Rittersaal der Burg eindrucksvoll unter Beweis. Die Klavierstücke, eine «Hommage an Chopin», interpretierte er mit einer großen musikalischen Ausdruckskraft und einer exzellenten Technik.
 

 

 

Denn von Virtuosität, einem hohen Niveau und von spannungsreicher Abwechslung waren die Auszüge aus dem Werk des polnischen Komponisten Frédéric Chopin geprägt. Dabei spielte der 42-jährige Pianist, der seit 1999 in Deutschland lebt und in Velbert seinen Wohnsitz hat, sämtliche Stücke ausschließlich aus dem Gedächtnis.

Das Konzert begann mit der Valse in e-Moll. Dieses der Walzermusik nachempfundene Stück fordert vom Pianisten ein hohes Spieltempo. So begann die Valse mit feinen, sachten Tönen, die dann von schnellen und kraftvoll gespielten Tonfolgen abgewechselt wurden. Anschließend widmete sich Har-Zahav der Nocturne in cis-Moll. Dieses Werk zeichnet sich durch eine abwechslungsreiche Rhythmik und eine geschmeidige Melodik aus, die Har-Zahav meisterlich beherrscht. Als Pole hat Chopin der heimatlichen Polonaise ein Denkmal gesetzt.

Allerdings eigenen sich die Chopin-Polonaisen nicht zum Tanzen. Sie sind vielmehr stilisierte und poetische Tänze. Das heißt aber nicht, dass die einzelnen Tanzschritte als Töne nicht nachvollziehbar sind. Denn als der israelisch-amerikanische Künstler flink über die Tasten des Klaviers eilte, waren die Schrittfolgen der Polonaise deutlich hörbar.

Besondere Fertigkeiten verlangt die Interpretation der Chopinschen Etüden. Denn insbesondere bei der von Har-Zahav gespielten Etüde in Ges-Dur kommt vorwiegend die rechte Hand zum Einsatz, die verlangt, dass die schwarzen Tasten wirbelnd bedient werden. Anspruchsvoll kam auch das Scherzo in b-Moll daher. Chopin hat dem an sich heiteren Scherzo eine nachdenkliche Färbung verliehen. Eine Färbung, die der Pianist hervorragend zur Geltung brachte. Nach der Pause erklangen auf dem Klavier die Chopin-Werke Ballade in g-Moll und die zweite Sonate in b-Moll.

Ebenfalls wie die Etüde verlangte auch die Ballade eine hohe Fingerfertigkeit. 1839 ist die zweite Sonate entstanden. Sie ist von großen musikalischen Gegensätzen gekennzeichnet. Denn die Sonate enthält neben kühnen und geistreichen Scherzo auch einen Marsch. In diesem temperamentvollen Stück machte sich erneut die musikalische Größe des Pianisten, der in den USA seinen Magister im Hauptfach Klavier absolvierte, bemerkbar.

Lob fürs Publikum

Die Zuhörer waren begeistert. Applaus gab es reichlich. Und so war es nur richtig, dass das Konzert mit einer Zugabe beendet wurde. Allerdings traf das Konzert nicht auf die erwünschte Zuschauerresonanz. Nur rund 50 Besucher lauschten dem Pianisten. Eine Tatsache, die Har-Zahav allerdings nicht beeinflusste und zu folgendem Kommentar veranlasste: «Ich spiele auch vor einem kleinen Publikum. Hauptsache, die Leute hören zu. Und das war in Stolberg der Fall».

 

 

 


Rheinische Post 27. Januar 2010

 

 

                       

 

Anders darf Chopin gar nicht klingen

 


REES (−l) Am 1. März jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag von Frédéric Chopin, Sohn eines französischen Vaters und einer polnischen Mutter. Die zweite Hälfte seiner knapp 40 Lebensjahre verbrachte er in Paris. Schon als Achtjähriger wurde er als pianistisches Frühgenie angestaunt. So wundert es kaum, dass er sich auf das Klavier konzentrierte und auch als Komponist sich ganz diesem Instrument widmete. Seine Themen sind in der polnischen Volksmusik zu Hause, die er in ergreifender stilistischer Meisterschaft – hier melancholisch, dort pathetisch – in künstlerisch verdichtete Formen brachte, beeinflusst vom pianistischen Reichtum von Ost− bis Westeuropa. So bietet sein Lebenswerk in diesem Genre eine sehr bunte Vielfalt. In diese ließ der israelisch−amerikanische Konzertpianist Menachem Har−Zavar in seiner aus kürzeren und längeren Werken gemischten „Hommage an Chopin“ hineinhorchen und begeisterte die Hundertschaft der Zuhörer, nicht nur durch sein supervirtuoses Spiel, sondern auch durch die musikalische Klangsensibilität. Man konnte den Eindruck gewinnen, Chopin dürfe gar nicht anders klingen. Die Kippa auf dem Kopf verwies auf die Herkunft des Interpreten. Einladend wirkte sogleich der Valse e−Moll op. posth. Die hochschnellenden Läufe und spritzigen Klangfiguren verrieten ganz Chopins Esprit. Von einer anderen Seite zeigte sich der Komponist im düster anhebenden Nocturne cis−Moll op. 27,1. Der Schmerz der ersten Melodietakte nahm auch in der Hinwendung nach Dur kaum ab. Anders wurde das über dynamische Steigerungen bis hinein in die Coda. Mit unbestechlicher Präzision malte der Gastpianist das musikalische Gemälde nach. Mehr Pathos durfte er in die beiden Polonaisen in cis− bzw. d−Moll, op. 26,1 und 71,1 hineinlegen, wobei vor allem letztere erkennen ließ, wie sehr dieses Genre durch Chopin zum Spiegel polnischer Nationalmusik wurde. Die drei folgenden Etüden Ges− und As−Dur sowie c−Moll aus Opus 10 und 25 führten beispielhaft vor, dass bei Chopin diese Werkgattung den oft trockenen Übungscharakter durch die charmante Eleganz und kaskadenhafte Passagenbrillanz völlig vergessen lässt. Diese Klangwelt ist nur virtuosen Meistern zugänglich. Wer die Klaviatur des Flügels im Blickfeld hatte, konnte die ungeheure Fingerfertigkeit der sich oft kreuzenden Handgelenke mit eigenen Augen bewundern. Das Scherzo b−Moll bestätigte, dass dieses Opus 31 zu den anmutigsten Kompositionen Chopins zählt. Nach der Ballade g−Moll op. 23 beschloss als Hauptwerk die viersätzige Sonate Nr. 2 in b−Moll op.35 mit dem weltbekannten, geradezu zelebrierten Trauermarsch das Programm. Als Zugabe hörte man Scarlattis Sonate d−Moll.

 

Info Menachem Har−Zavar ist am Freitag, 23. April, um 19 Uhr im Schlösschen Borghees erneut zu hören.

 

 

Neue Rhein Zeitung, 26. Januar 2010

 

Eleganz, Poesie und Perfektion

 

Menachem Har Zahav dankte für den langanhaltenden Schlussapplaus mit einer Sonate von Scarlatti

  

Hans Wimmers

 

Rees. Ein faszinierendes Konzert erlebten mehr als 100 Chopinfreunde am Sonntag im Bürgerhaus. Menachem Har Zahav, ein israelischamerikanischer Konzertpianist erster Klasse, machte auf seiner Rundreise durch Deutschland Station in Rees. Seine „Hommage an Chopin” ließ keine Wünsche offen.

 

 

Frühe Lehraufträg

 

Sowohl mit seiner perfekten Technik als auch in der Art der Wiedergabe

Chopinscher Musik begeisterte der Starpianist sein Publikum. Menachem Har Zahav gewann schon in seiner Jugend mehrere Wettbewerbe und erhielt bereits früh Lehraufträge an amerikanischen Hochschulen. Nach weiteren Studien in England lebt er heute in Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Musik der Romantik. Eines der ersten Konzerte des neuen Jahres fand nun in Rees statt. 

 

Das Programm enthielt eine repräsentative Auswahl von Werken Frederic Chopins. Mit dem „Valse in e moll posthum”, der erst nach dem Tod des Komponisten erschienen ist, begeisterte der Gast schon zu Beginn seine Zuhörer. Zwei Polonaisen, die Chopin in großem zeitlichen Abstand schrieb, folgten. Besonders in der zweiten Polonaise erkannte man eine ständig wachsende Spannung, die durch wechselnde Motive einem Endpunkt entgegen zu eilen schien. Drei Etüden schlossen sich an. In seinen Etüden stellt Frederic Chopin hohe Anforderungen an die technischen Möglichkeiten des Pianisten. Auch hier zeigte der Pianist mit großer Brillanz eine begeisternde Vollkommenheit. Er schaffte es, neben der technischen Perfektion auch Eleganz und Poesie weiterzugeben. Aus Chopins vielseitigem Repertoire hörte man als nächstes das „Scherzo in bmoll op.31”.

 

Variationen eines Themas

 

Nach der Pause machte der Künstler sein Publikum mit der „Ballade in g-moll op.23” bekannt. In diesem Werk erkennt der Zuhörer den Versuch Chopins, ein Thema in immer neuen Veränderungen zu präsentieren, die emotionelle Empfindungen ausdrücken. Sie wurden schön herausgearbeitet. Die große abschließende Komposition des Abends war eine der drei Sonaten des Meisters, die „Sonate Nr.2 in b-moll op.35”, die in den Jahren 1837 bis 1839 entstand. Aus den vier Sätzen des Stückes ist vor allem der „Marche funebre”, den man oft bei Gedenken an Verstorbene hört, bekannt. Er ist für verschiedene Besetzungen nachträglich geschrieben worden. Besonders interessant war die Klavierfassung, die das Hauptthema in verschiedenen Veränderungen vorstellte. Das sehr beeindruckte Publikum spendete dem Interpreten einen langen Schlussbeifall, der dem ansonsten sehr ernst wirkenden Menachem Har Zahav schließlich doch ein Lächeln entlockte. Er bedankte sich mit einer Sonate von Domenico Scarlatti.


 

Rheinische Post, 26. Januar 2010

 
Ein brillanter Chopin-Abend

GELDERN (usp) Mit einem großartigen Klangspektakel begeisterte der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav sein Publikum in der Tonhalle der Kreismusikschule. Im schwarzen Frack mit weißer Weste und Fliege und einer schlichten Kippa, die seinen Hinterkopf bedeckte, wirkte er ein wenig schüchtern, als er die Bühne betrat, sich an seinen Flügel setzte und das Programm mit dem "Valse" in e-moll eröffnete.

Seltene Gabe

Eine "Hommage an Chopin" war angekündigt, eine Ehrenbezeugung, die einem Komponisten galt, dessen kurzes Leben überschattet war von Krankheit und Enttäuschung. Doch seine seltene Gabe, Melodien voll echten Gefühls zu komponieren, und seine Fähigkeit, dem Klavier eine unglaubliche Fülle an musikalischen Stimmungen zu entlocken, sichern Chopin einen Platz unter den Unsterblichen der Musik. Introvertiert, mit fast versteinerter Mimik und aufs Höchste konzentriert spielte Har-Zahav die Polonaisen in cis- und d-moll nicht nur mit ungeheurer Geläufigkeit und technisch brillant, sondern auch ohne Angst davor, Übergänge und Themenwechsel im Stück deutlich erkennbar zu machen. Ebenso deutlich strich der Pianist die energisch kraftvollen Teile der Etüden in Ges- und As-Dur hervor. Die rund 40 Zuhörer ließen die klaren, melancholisch-verträumten Passagen auf sich wirken. Auch wenn er einzelne Themen stark betonte, musikalische Phrasen akzentuierte, brachen die Stücke nie auseinander. Obwohl Har-Zahav manchmal sogar einen einzigen Ton zu einem klanglichen Hauptdarsteller machte, passte die Interpretation in sein Konzept: Die Stücke wurden einleuchtender, eingängiger. Es war die Bestimmtheit in der Betonung der unterschiedlichen Phrasen und Themen, mit der er die einzelnen Stücke erst richtig hörbar und verständlich machte. Krönender Abschluss war die Sonate Nr. 2 in b-moll, die vom "Marche funèbre" (Trauermarsch) dominiert wurde. Um ihn herum gruppierte Chopin das vorangestellte Grave doppio movimento und das Scherzo sowie das abschließende Presto. Har-Zahav gelang es, stets das für Chopin typische "cantabile" betonend, die führenden gesanglichen Momente der Komposition herauszuarbeiten. Er wusste zu unterscheiden, wo verhaltene Nachdenklichkeit und wo stürmische Brillanz geboten war.

 

 

Westfälische Nachrichten, 26. Januar 2010

 

Ein Denkmal für Chopin

 

Lüdinghausen - Er ist ein gern gesehener - und vor allem gern gehörter - Gast in der Steverstadt. Im übervoll besetzten Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen gab sich schon zum dritten Mal Menachem Har-Zahav die Ehre und überzeugte erneut mit erstklassigem Spiel. Zuletzt im Oktober 2008 begeisterte der israelisch-amerikanische Konzertpianist mit den Werken der romantischen Komponisten, die er zum Mittelpunkt seiner Arbeit gemacht hat. Wieder konnte der Ausnahme-Künstler, der als Solist in den USA, England, Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Schweiz aufgetreten ist, beweisen, dass er sich auch in Lüdinghausen großer Beliebtheit erfreut.


Stehende Ovationen am Schluss belegen, dass Har-Zahavs „Hommage an Chopin“ und wie er sie „zelebrierte“ bei den Zuhörern ankam, und sie drei Zugaben durch nicht enden wollenden Beifall „herausholten“. Dabei wartete man während seines ganzen Vortrags vergebens auf die Notenblätter.

Frédéric Chopin (1810 bis 1849), der lange in Paris lebte und arbeitete, wurde vor ziemlich genau 200 Jahren in Polen geboren. Von seiner Mutter und seiner drei Jahre älteren Schwester Ludwika wurde er früh an das Klavier herangeführt. Bereits im Alter von sieben Jahren galt er als Wunderkind, das schon komponierte. Als er neun war, fand man ihn spielend in den Salons des polnischen Hochadels. So ist es nur allzu verständlich, den weltberühmten Komponisten mit einer Hommage zu ehren, ihm ein musikalisches Denkmal zu setzen.

Dazu hatte Har-Zahav einige der bedeutendsten, ja aufregendsten Klavierwerke Chopins auf sein Programm gesetzt. Als er sich zu Flügel begab, wirkte er konzentriert, ernst und bescheiden, ja ein wenig schüchtern, kein Mann von überschwänglichen Gesten. Und so brachte er auch erst zum Schluss, als das Publikum Zugaben einforderte, ein Lächeln auf sein Gesicht. Den Glamour manch anderer Pianisten suchte man hier vergebens. Gerade das macht Har-Zahav so sympathisch, genau wie die Tatsache, dass er sich am Ende der Veranstaltung nicht zu fein war, Gespräche mit dem Publikum zu führen und Autogramme zu geben.

Absolute Ruhe ausstrahlend, keine Regung in seinen Zügen, eröffnete Menachem Har-Zahav seinen Vortrag. Seinem Ruf als brillanter Virtuose entsprechend, bewegten sich seine Hände geschmeidig über die Tasten, was eine ausgezeichnete Zartheit seines Anschlags sowie vollendetes Nuancieren ermöglichte. Sein scheinbar emotional zurückhaltendes Spiel ließ dennoch äußerst schwungvolle, ja dramatische Wendungen zu, wo das Stück es gebot.

Aber auch dort zeigte er eine beeindruckende mechanische Fertigkeit, eine unbeschreibliche Perfektion, wenn er seinem - meist verinnerlichten - Temperament freien Lauf lassen konnte. So geschehen bei der Polonaise in d-moll, Op. 71 Nr. 1 und der Etüde in Ges-Dur, Op. 10 Nr. 5, bei der er ihre jugendliche Lebenskraft mit Verzierungen in Akkorden deutlich heraushob.

Chopins umfangreiches Werk enthält nur drei Sonaten. Seine zweite Sonate in b-Moll, Op.35 enthält als dritten Satz den berühmten „Trauermarsch“ („marche funèbre“), der das Stück überlagert. Har-Zahav brachte die Sonate als krönenden Abschluss des Abends und steigerte sich ein weiteres Mal in Ausdruckskraft, Gefühlsreichtum und technischer Vollendung.

Abgesehen von der Zugabe war es ein reiner Chopin-Abend, aber Har-Zahav verstand es bewundernswert, zu keiner Zeit „Langeweile“ aufkommen zu lassen. So waren die drei Zugaben (Chopin, Scarlatti, Debussy), die er infolge des immer weiter gespendeten Beifalls gewährte, fast eine Selbstverständlichkeit, wobei auch hier die Hände des Meisters wieder „rasend“ über die Klaviatur glitten - eine bemerkenswerte, formvollendete Darbietung, wie man sie nicht oft erlebt.

von Werner Zempelin

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de