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Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung, 30. November 2010


Perlende Piano-Klänge und eine brodelnde Seele


Der Klasse-Pianist und ausgewiesene Chopin-Spezialist Menachem Har-Zahav begeistert mit seiner Virtuosität in Schloss Zweibrüggen. Etüde auf den schwarzen Tasten und Revolutionsetüde im zweistündigen Programm.

Übach-Palenberg. Chopin-Jahr? Ach ja, da war doch etwas nämlich der 200. Geburtstag von Polens großem Musensohn, der sich und sein Genie der ganzen Welt schenkte. Doch fast wäre diese Tatsache nach großen Würdigungen rund um seinen Gedenktag im vergangenen Spätwinter schon wieder vergessen - wenn nicht jetzt auf Schloss Zweibrüggen wieder daran erinnert worden wäre.

Die Stadt Übach-Palenberg, vertreten unter anderem mit Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch an der Spitze, hatte kurzfristig den Klasse-Pianisten und ausgewiesenen Chopin-Spezialisten Menachem Har-Zahav in ihre gute Stube verpflichten können. Trotz der recht kurzfristig geplanten Veranstaltung und des Terminstaus in der Adventszeit konnte sich die Zuhörerzahl dort sehen lassen. Hören lassen konnten sich von der ersten bis zur letzten Minute des rund zweistündigen Konzertes der Klang und die Virtuosität des Spiels von Menachem Har-Zahav. Der einst nach Deutschland übergesiedelte israelisch-amerikanische Starpianist gab dieser missverständlichen Etikettierung eine besondere Qualität: Virtuosität geriet bei dem bescheiden-diskret auftretenden Har-Zahav nicht zum selbstdarstellenden Selbstzweck. Er ließ hörbar werden, warum Frédéric Chopin ein Star war. Und so lauschten nicht wenige im Publikum mit geschlossenen Augen dem perlenden Piano-Klang.

Hätten sie beispielsweise versucht, zu den Klängen des Walzers in e-moll im Schloss zu tanzen, so wären sie bald aus der Bahn geworfen worden. Menachem Har-Zahav spielte ihn so, wie sich Chopin ein Stück dieser Gattung zu seiner Zeit vorstellte: nicht als Abbildung eines gemütlichen Tanzens, sondern als ein virtuoses Stück für die Gäste des Salons. Von den interpretierten Etüden bleiben vor allem haften die in Ges-Dur (Opus 10, Nummer 5) - Menachem Har-Zahav machte mit virtuos-chromatischen Spiel der rechten Hand ihrem Namen als Etüde auf den schwarzen Tasten alle Ehre und die in c-Moll (Opus 10, Nr. 12). Hinter dieser nüchternen Werkbezeichnung steckt nichts anderes als die berühmte Revolutionsetüde , die Chopin in seiner Erregung über die Niederschlagung des polnischen Auftstandes gegen die russischen Besatzer komponierte. Das innere Brodeln der Komponisten-Seele und das Aufbegehren seines leidgeprüften Volkes belebte der Konzertpianist mit rasanten Sechszehntel-Bewegungen der linken Hand, während sich darüber heroisch die bekannte Melodie in der Rechten erhob.

Nicht minder dem Ohr bekannt ist die Sonate Nr. 2 in b-Moll (Opus 35), genauer: der Trauermarsch des 3. Satzes. Es ist schon so etwas wie Ironie der Geschichte, dass zu diesen düster-erhabenen Klängen die verstorbenen sowjetischen Diktatoren zu Grabe getragen wurden. Die meinten es wie die Zaren nicht gut mit Chopins polnischem Volk  und machten doch mit dem Trauermarsch eine indirekte Verneigung vor ihm und seinem künstlerischen Genius. Doch die Sonate Nr. 2 ist mehr als rankendes Beiwerk zum berühmten Trauermarsch, wie Menachem Har-Zahav bewies. Sein atemberaubend-heftiges Spiel des einleitenden Grave hatte die Qualität, die der Musikkritiker (und Kollege) Robert Schumann einst an diesem Einfall Chopins rühmte: kühn, geistreich und mitunter phantastisch.

Dass Klavierspiel generell und speziell bei Chopin nicht nur vom Vorzeigen des Virtuosen lebt, sondern auch fast Belcanto-Töne hervorzaubern kann, zeigte der Pianist bei der Nocturne in cis-moll (Opus 27 Nr. 1). Chopins lyrische Ader scheint hier eine Blutzufuhr durch quasi italienische Melodien erhalten zu haben.

 

Neue Rhein Zeitung, 09. November 2010

 

Ganz und gar Chopin


Autor: Bettina Schack

Dinslaken Das Programmheft setzt auf Pragmatismus: Kleine Symbole zwischen den Werkeinheiten helfen dem Publikum, wann es klatschen soll und wann es besser die Finger davon lässt. Nur eine Frage der Etikette oder ist Applaus zwischen Werkeinheiten nicht ähnlich unpassend wie, naja, rhythmisches Mitklatschen bei einer Polonaise, wenn sie von Chopin ist? Scherz beiseite, um Chopin drehte sich alles beim Konzert zum oben erwähnten Programmheft am frühen Sonntagabend im gut besuchten Lohberger Ledigenheim.

Es war ein erfreulich puristisches Konzert. Menachem Har-Zarav, 1967 in Tel Aviv geboren, bereits als Jugendlicher an der Universität von Indiana und als Konzertpianist auf der Bühne und seit Mitte der 90er Jahre in Deutschland lebend, bestritt das Konzert als „Hommage an Chopin“, zweihundert Jahre nach dessen Geburt. Ein Konzert, das sich dem „ganz und gar“ verschrieb. Keine anderen Komponisten neben Frédéric Chopin, nicht einmal ein befreundeter Schumann oder Liszt, nicht einmal während der Zugabe. Stattdessen das früh verstorbene Genie in all seinen Facetten.

Walzer posthum veröffentlicht

 

Ein posthum veröffentlichter Walzer, auch früher verdiente man gut an toten Stars. Zwei Polonaisen, aus denen die Liebe des Halbfranzosen aus Zelawola Wola bei Warschau zu seiner Heimat klingt.

Etüden, Franz Liszt (bzw. freundlich dessen Lebensgefährtin) gewidmet, „Übungsstücke“ für den Meister. Chopins versteckte Hommage an einen anderen Meister: Das Nocturne in cis-moll erinnert in Stil und Färbung Beethovens „Mondscheinsonate“.

Die Ballade g-moll, Op.23. deren Thema zögerlich, fragend beginnt, sich im weiteren Verlauf bestätigt, mit Nachdruck und peitschenden Akkorden. Chopin hatte einen polnischen Nationalhelden im Sinn.

Schließlich die Sonate Nr. 2 b-moll. Düstere Akkorde lassen an der Überschrift „grave“ keinen Zweifel, es folgt ein Thema voller beschleunigender Synkopen, das, wäre es nicht so zerrissen, Rock ‘n’ Roll sein könnte. Ein ähnlich zerfetztes Scherzo, dann das Lento. Die ersten Takte sind vom Raunen im Saal, vom Rascheln der Programmhefte begleitet. Ist das nicht? Ja, er ist es. Chopins „Marche Funebre“, die „Mutter aller Trauermärsche“ in Film, Fernsehen und sonst wo. Har-Zarav haut in die Tasten, als wolle er den Flügel als Grabstein in die Erde rammen. Musik in Marmor. Der kurze Schlusssatz lässt die Töne wie vom Herbstwind erfasste Blätter empor wirbeln.

Romantische Überspanntheit


Chopin stand im Ruf, zu leise zu spielen. Har-Zahav setzt sich dieser Gefahr nicht aus. Er spielt auswendig, konzentriert, entschlossen. Lässt das Lyrische schweben, verleiht dem Dramatischen Gewicht. Scheut sich auch nicht, Chopins gewisse romantische Überspanntheit auszuspielen.

Liszt steht ihm nahe. Auch manche große Geste, wenn er über den letzten Nachhall des Flügels seine Hände hält, als behüte er eine schwebende Seifenblase oder mit heftige Ruck der Hände und Arme die Töne samt der Saiten aus dem Instrument zu ziehen scheint. Doch das gehört zum Virtuosentum dazu, entspricht in einer Art „historischer Aufführungspraxis“ und macht das Gehörte auch zum optischen Erlebnis. Wichtiger ist: Menachem Har-Zahav spielt mit Herz und Hirn, seine Chopin-Interpretation hat Hand und Fuß, und ein guter Techniker ist er auch.

Bravorufe schon vor der Pause, Standing Ovations vor und nach dem „Tarantella“, dem der stille Pianist, der nur durch Chopins Musik zum Publikum sprach, eine weitere Zugabe folgen ließ.

 

 

 

 

Rheinische Post, 09.November 2010


Chopin und der Mann der großen Gesten

von Lena Steeg

Dinslaken Schon alleine die Art, wie Menachem Har-Zahav über die Tasten des glänzenden Flügels streicht, ist ein Spektakel für sich. Das Chopin-Konzert, mit dem er am Sonntagabend im Lohberger Ledigenheim die Freunde virtuoser Klaviermusik begeisterte, beginnt bereits in dem Moment, in dem der Musiker die Treppenstufen zu seiner Bühne erklimmt. Die Art, wie er sich kurz und bestimmt verbeugt, wie er Platz nimmt vor dem Flügel, kurz die Augen schließt, dann beginnt - alles scheint schon Teil der Show zu sein, alles ist schon Kunst. "Valse in e-moll" erklingt.


Eins mit seiner Musik

Schnelle Tastenschläge gehen in fließendes Vorbeihuschen über, weich und harmonisch streifen die Melodien hinunter in den Zuschauerraum. Der israelisch-amerikanische Ausnahmepianist sitzt beinahe gebückt vor seinem Instrument, sein Mund formt die Töne mit, die er mit routinierter und doch auch leidenschaftlicher Bewegung zum Erklingen bringt. Der erste Zwischenapplaus dokumentiert dieses Schauspiel. Menachem Har-Zahav hat die Aura eines klassischen Künstlers. Auch wenn er zum Dank freundlich nickt, aufsteht, sich verbeugt, scheint er doch viel mehr bei sich und seinem Instrument zu sein. Während der Interpretation der Stücke wirkt Har-Zahav in sich verloren. Klingt wie das komplette Klischee, scheint bei ihm aber tatsächlich zu stimmen: Der Musiker wird eins mit seiner Musik.

Mit einem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Auszug aus dem Werk von Frédéric Chopin unterhielt der Pianist sein Publikum über gut eineinhalb Stunden hinweg vorzüglich. Auf Etüden und Polonaisen sowie eine Nocturne, einen Walzer und ein Scherzo folgten die beliebte Ballade Nr. 1 in g-moll und die Sonate Nr. 2 in h-moll mit dem berühmten Trauermarsch.

Muss man spielen gesehen haben


Seine Weltgewandtheit ist ihm beim Spielen anzumerken. Menachem Har-Zahav ist als Solist mit und ohne Orchesterbegleitung schon auf der ganzen Welt aufgetreten. Nachdem ihm bereits früh Lehraufträge an Hochschulen in den USA übertragen wurden, verbrachte er drei Jahre in England für weitere Studien, lebt nun aber in Deutschland. Zum Mittelpunkt seiner Arbeit hat Har-Zahav, der seit seinem vierten Lebensjahr Klavier spielt, die Werke der romantischen Komponisten gemacht. Rund 60 Konzerte spielt er pro Jahr und weiß sein Publikum dabei stets zu fesseln. Wenn er während kurzer Ruhepausen seine Hand durch die Luft gleiten lässt, als wäre sie eine Feder, und sie dann, im natürlich richtigen Moment, so spielerisch zurück auf die Tasten legt, ist ein Urteil schnell gefällt: Den Mann muss man spielen gehört, aber sicherlich auch gesehen haben.

Abwechslungsreich und unterhaltsam: Menachem Har-Zahav wandelte im Ledigenheim auf Chopins Spuren. RP-Foto: Jörg Kazur

 

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 22. Oktober 2010

 

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de