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Rheinische Post, Dinslaken, 20. Juni 2011

Starpianist begeistert Dinslakener

VON HENNING RASCHE Dinslaken (RP).

Meisterpianist benannte Menachem Har-Zahav gab im Lohberger Ledigenheim ein zweistündiges Konzert. Der amerikanisch-israelische Musikdozent spielte anlässlich der 200. Wiederkehr des Geburtstages von Franz Liszt eine Hommage an den Komponisten.

 

DINSLAKEN-LOHBERG Am Schluss konnten die Zuhörer gar nicht genug bekommen. Minutenlang klatschten sie in die Hände und holten Menachem Har-Zahav nach seinem Konzert immer wieder auf die Bühne. Schließlich erbarmte er sich und gab noch zwei Zugaben. Das Publikum im Lohberger Ledigenheim nahm die Extrastücke dankend an. Zuvor hatte der amerikanisch-israelische Konzertpianist Menachem Har-Zahav am Freitagabend zwei Stunden lang eine abwechslungsreiche Mischung aus Stücken von Franz Liszt gespielt.


Romantisch und impulsiv


Har-Zahav hatte in das Ledigenheim eingeladen, um im 200. Geburtsjahr des 1811 in Österreich geborenen Franz Liszt ein Konzert zu geben. "Hommage an Franz Liszt" lautete der Titel. Knapp 100 Besucher kamen, um den weltberühmten Pianisten zu hören. Sie wurden belohnt, denn was Menachem Har-Zahav bot, war eine beeindruckende Vorstellung. Mit einer großen Portion Leidenschaft und Authentizität saß er am Flügel und interpretierte Liszts Werke. Dabei reichte die Bandbreite der gespielten Stücke von romantisch sanft bis impulsiv und bedrohlich. "Etude d'éxécution transcendente", lautete der Titel des Stücks, mit dem Har-Zahav gleich zu Beginn zeigte, welche Vielfalt Liszt zu bieten hat. Immer wieder boten seine Stücke überraschende Tempo- und Lautstärkewechsel. Hämmerte Har-Zahav in einem Moment noch staccato, also abgehackt, auf die Tasten, spielte er im nächsten wieder ruhig, tenuto und gefühlvoll. Eine große Portion Herzblut gibt Menachem Har-Zahav bei seinen Auftritten.

Der Pianist spielte auch "En rêve", eine Ballade in h-Moll, und "Grande Etude de Paganini Nr.3 (La Campanella)". Mit beiden Stücken sorgt Har-Zahav dafür, dass das Dinslakener Publikum ihn mit Applaus überschüttete. Manch einer ließ sich nach der Ballade sogar zu "Bravo"-Rufen hinreißen. Die vielen bunten Scheinwerfer auf der Bühne des Ledigenheims erinnerten ein bisschen an einen Zirkus, doch Har-Zahav ließ sich die Ernsthaftigkeit, aber auch die damit verbundene Leichtigkeit seines Spiels nicht nehmen.

Mit "Liebestraum Nr.3" und einem eigenen Soloarrangement "Nuages gris – Totentanz", komplettierte der Ausnahmemusiker sein Programm. Zwar erschien das eher kuriose Stück "Totentanz" dem ein oder anderen als ein bisschen gewöhnungsbedürftig, an der technischen Klasse von Menachem Har-Zahav ließ das jedoch niemanden zweifeln.

 

Menachem Har-Zahav wusste mit seinem Spiel seine Zuhörer im Lohberger Ledigenheim zu begeistern. Das Publikum dankte mit viel Applaus. Foto: Angelika Barth

 

 

 

Dinslaken, 19.06.2011, NRZ, 20.06.2011

Tanz auf den Tasten

Menachem Har-Zahav beschwor Liszts Dämonen auf dem Flügel im Ledigenheim

Bettina Schack Dinslaken. Ein dunkler Pendelbass, einige assoziative helle Akkorde. Stille. Nun sprühen die Klänge aus dem Flügel in immer rascheren Folgen, es braust, es säuselt. Flüsternd sitzt Menachem Har-Zahav über den Tasten gebeugt. Seine Finger huschen darüber hinweg, seine Hände bewegen sich fließend, als beschwöre er die Musik, die er aus dem geschwungenem schwarz glänzenden Kasten heraus zaubert. Aber, und das macht die Magie um so größer, der israelisch-amerikanische Klaviermeister erreicht diesen Effekt nicht durch virtuose Taschenspielertricks. Jeder einzelne Ton ist exakt ausgeführt, jedes Timbre durch Beugung oder Streckung der Finger genauestens kontrolliert geformt. Har-Zahav beherrscht seine Technik derart vollkommen, dass sie zusammen mit seinem Ausdruck eine Synthese eingeht wie es Geist und Seele im Idealfall sollten. Vor einem Jahr beeindruckte der in Tel Aviv geborene Pianist mit seinen Chopin-Interpretationen. Am Freitag begeisterte er im gut besuchten Saal des Ledigenheims Lohberg mit seiner Hommage an Franz Liszt.

Auch der vor 200 Jahren geborene Liszt schätzte Chopin. Aber er wusste auch um die Wirkung Paganinis. In den Pariser Salons entwarf er ein Bild von sich als Klaviervirtuosen, bei dessen Spiel und bei dessen Anblick die Damen in Ohnmacht fielen. Wo Paganini schöne Spieltechnik mit einem geheimnisvollen Äußeren erfolgreich kombinierte, glänzte der junge Liszt optisch und raubte der Musikwelt mit verteufelten Kompositionen den Atem. Mehr als einmal ließ Menachem Har-Zahav mit überkreuzten Händen Liszts Dämon auf den Tasten tanzen. Ein Thema fest in der rechten Hand, die Finger der Linken brausen wie eine Flutwelle darüber hinweg. Natürlich spielt Har-Zahav auch den Liebestraum Nr. 3. So stürmisch und leidenschaftlich wie man ihn nur selten hört.

 

„Das können vielleicht zehn oder zwölf Spieler in der Welt“, urteilte Schumann einst über die Études d’éxécution transcedentes. Har-Zahav nimmt die Hürde selbstverständlich, spielt die Nr. 10 f-moll (presto molto agitato) mit Bravour. An die Grenzen stößt an diesem Abend nicht der Virtuose, sondern das Instrument im Ledigenheim. Har-Zahav interpretiert die Grande Étude de Paganini Nr. 3 (La Campanella) leicht und leise, bei den hellsten Tönen bleibt es jedoch leider bei einem Hämmern, dem Flügel fehlt die Klangfülle.

 

„Tödliches“ Stück für Piano und Orchester

Im Alter stieß Liszt an die Grenzen seiner Zeit. Er brach mit der Tonalität und nahm so den großen Umsturz des 20. Jahrhunderts vorweg, bewusst, damit seine Hörer zu verstören. „Nuages Gris“, „Graue Wolken“ klingt wie die Vertonung eines monochromen Picassos, „Unstern“ wie ein Soundtrack zu einem Stummfilm der Kategorie „Metropolis“.

 

Von grau schattiert zu nachtschwarz. Liszts Totentanz mit der beständig zitierten „Dies Irae“-Sequenz ist an sich schon ein „tödliches“ Stück für Piano und Orchester. Menachem Har-Zahav spielt eine eigene Solobearbeitung, in der er alle Stimmen übernimmt. „Dies Irae“, „Tag des Zornes“ drohen die Bässe. Im Saal scheint es dunkler zu werden, als verschlängen diese Klänge das bunte Scheinwerferlicht. Und brennt da nicht nun ein kleines Windlicht auf dem Flügel? Es sind helle Akkorde, entzündet vor dem geistigen Auge. Har-Zahav spielt und die Sinne beginnen zu phantasieren. Aber wie er spielt! Ein Blick auf seine Hände und der Geist ist wieder hellwach und analysiert die Technik, die Brillanz, mit der der „Totentanz“ sich dreht.

 

Zum Schluss ist Menachem Har-Zahav sichtbar außer Atem, lässt aber mit seinen locker gespielten Fingern zwei kleine Zugaben folgen. Viel Applaus für eine Hommage an Franz Liszt, wie sie dem Meister zum 200. Geburtstag wohl gefallen hätte.

 

 

Aachener Zeitung vom 17.06.2011

 

Ein Pianist von Weltklasse

Glanzvoller Liszt-Abend mit Menachem Har-Zahav in der Schlosskapelle

 

Von Hilde Viehöver-Emde Jülich.   Zu einem besonderen Abend lud der israelisch-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav in die Jülicher Schlosskapelle ein. Nur wenige Zuhörer fanden sich ein. Schade, denn der Konzertabend war von so hoher Qualität, wie sie nur selten in Jülch zu erleben ist. Menachem Har-Zahav ist ein Ausnahmetalent. Der Zuhörer bemerkt schon bei den ersten Takten seiner Musik, dass Konzertieren sein Leben, seine Leidenschaft ist. Seine brillante Technik und seine starke musikalische Ausdruckskraft machten seine Liszt-Interpretationen zu einem einmaligen Erlebnis. Der Komponist und Pianist, dem dieser Abend als Hommage gewidmet war, fand in dem Künstler des Abends einen würdigen Interpreten seiner Kompositionen. Keine technischen Schranken engten den Fluss der Musik ein, das Klavier wurde völlig beherrscht und so zum Instrument für vollkommenes Musizieren. Fast unausführbare weite und schwierige Sprünge wurden mit fliegender Leichtigkeit überwunden. Eine unerhörte Weite der musikalischen Skala, dynamische Abstufungen, fast ekstatische Hingabe an die Musik brachten die Werke so zum Klingen wie es in der Literatur dem Komponisten und Pianisten Franz Liszt nachgesagt wurde. Poetische Ideen und der melodische Gedanke beherrschten sein Werk und wurden in seinem Sinne an diesem Konzertabend zelebriert. In allen Details präzise wurden seine Kompositionen wiedergegeben, die Tempi eingehalten. Das Programm bot einen Querschnitt von Konzert-Etüden, Balladen, Sonetten, Einzelwerken und Bearbeitungen. Besonders beeindruckend waren das Werk Unstern mit seiner dramatischen Thematik und die Bearbeitung des Totentanz für Klavier, bei dem dank des Meisters am Flügel das Instrument fast mit Orchesterklängen den Raum der Kapelle füllte. Das Publikum spendete begeistert Applaus.

 

 

Rheinische Post Nr. vom 01.06.2011

 

Ein brillanter Pianist und der "Teufel in der Musik"

 

Emmerich (macal).  Sich als Pianist international durchsetzen und etablieren können, dazu bedarf es Klasse. Diese stellte der israelische Virtuose Menachem Har-Zahav jetzt im Schlösschen Borghees unter Beweis. Sein Programm, das unter dem Motto "Hommage an Franz Liszt" stand, bot einige starke Werke des in Ungarn geboren Komponisten.

Zu Beginn seines Konzertes stellte der Künstler aus den "Étude d’éxéccution transcendente" die Nummer 11 in Des-Dur vor, besser bekannt unter "Harmonies du Soir". Das Stück, in dem Liszt eine abendliche Stimmung einfängt, verlangt eine präzise Anschlagtechnik, ebenso ein ausgeklügeltes Pedalspiel. In den ersten Takten war die Anspannung groß, doch nach und nach spielte er sich in einen Rausch. Menachem Har Zahav brillierte mit einer unglaublich ausdifferenzierten Anschlagtechnik und Interpretation.

Die "Consolation Nr. 3", die viel Ähnlichkeit zu Frédéric Chopins Kompositionsstil hat, schloss sich in einer ruhigen und gelassenen Interpretation an. Behutsam entlockte er der Musik einen flehenden, träumerischen Charakter. Franz Liszt, der von 1821 bis 1835 in Paris lebte, hegte eine ebenso enge Freundschaft zu Chopin wie zu Paganini. Nachdem Liszt an einigen Kompositionen zu Ehren Chopins gearbeitet hatte, komponierte er die 1838 veröffentlichten sechs Etüden "Grandes Études de Paganini". Sie umfassen alle Elemente, die Paganini in seinen Geigenkompositionen verarbeitet hatte. 1851 revidierte Liszt einige Stellen, ohne die hohen technischen und spielerischen Ansprüche anzutasten. Bis heute zählt dieses Werk zu den bedeuteten Werken der Klaviermusik.

Doch auch die von ihm gewählte Nr.3 "La Campella" stellte den jungen Israeli vor keine unlösbare Aufgabe. Energisch wirbelte er durch die Forte-Passagen, gleichzeitig zeigte er mit Hilfe des tänzerischen Rhythmus eine Leichtigkeit auf, in der er seine Klasse erneut aufblitzen lassen konnte. Mit "Unstern ! Sinistre Disastro" setzte er seinem Konzert ein Stück auf, dass die Dur-Moll-Tonalität sprengt und den Zuhörer vor gewaltige Klangerlebnisse stellt. Zu Beginn schwört es mit Hilfe des Tritonus (dem musikalisch stärksten Intervall) den "Teufel in der Musik" herauf. Der Höhepunkt des Stückes gipfelt in einer "Schlacht" zwischen den beiden Händen, bevor es in einzelne Noten langsam dahin fließt.

Franz Liszt selber riet seinen Schülern davon ab, mit diesem Stück aufzutreten. Zur damaligen Zeit (1880) wäre man für verrückt erklärt worden - so die feste Überzeugung des Meisters.

 

 

Rheinische Post, 13.05.2011

 

Ein Meister spielt vor fast leerem Haus

Remscheid (bona) Einem solchen Ausnahmepianisten gebührt eine andere Kulisse - und ein anderer, besserer Flügel. In der Klosterkirche spielte der israelisch-amerikanische Klavierkünstler Menachem Har-Zahav vor gerade einmal 19 Zuhörern. Die bekamen viel geboten. In seiner "Hommage an Franz Liszt" brillierte der mit der Kippa, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung gekleidete Musiker. Dabei bewältigte er ein anspruchsvolles Programm auswendig. Einen der Höhepunkte setzte er am Ende seines Konzerts.

 

Der von Menachem Har-Zahav selbst für Soloklavier bearbeitete "Totentanz" war in seiner kraftvollen Interpretation atemberaubend. Dabei war das sehr variantenreiche Stück nicht nur von einer düsteren Stimmung geprägt. Der virtuose Vortrag ließ vergessen, dass Liszt dieses Werk ursprünglich für Klavier und Orchester komponiert hatte. Was den in Tel Aviv geborenen Künstler besonders auszeichnet, ist sein technisch vollkommenes Spiel und seine tiefe Durchdringung einer jeden Komposition. Selbst bei den von ihm mitunter aberwitzig schnell gespielten Läufen schien jeder Ton ausgeformt. Listzs bekannter "Liebestraum" ist in der Darbietung Ha-Zahavs traumhaft schön.

 

Das Stück "Nuages gris" wurde von dunklen Klangfarben dominiert, die eine unheilvolle Stimmung und Düsternis vermittelten. Spannungsvoll erklang "Unstern! Sinistre, Disastro", das der Musiker am Ende in sanftem Piano ausklingen ließ.

 

 

Remscheider General-Anzeiger, 13. Mai 2011

 

Machtvolle Klänge am überforderten Flügel

(fb). So betrüblich die Kulisse an diesem Frühsommertag mit ganzen 19 Zuhörern war, während in großer Höhe ein Ballon majestätisch am Abendhimmel seine Bahn zog, so hervorragend gestaltete sich der Auftritt des in Velbert lebenden israelisch-amerikanischen Konzertpianisten Menachem Har-Zahav mit seiner "Hommage an Franz Liszt".

Zwar stieß wieder einmal der Stutzflügel der Klosterkirche vor den machtvollen Klängen Liszts und dem wuchtigen Anschlag im forte des eröffnenden "Harmonies du Soir" an seine Grenzen, doch wusste Har-Zahav das zu beherrschen und das Stück nach sanftem Ausklang fließend in die "Consolation Nr. 3" übergehen zu lassen.

 

Deutlich hier die Einflüsse Chopins auf Liszts Stil - ein ganz anderer Liszt, leicht und transparent, hier als zierliche, klangvolle Brücke zur komplexen, technisch sehr anspruchsvollen Etude Nr. 10 eingesetzt, von der Robert Schumann sagte, dass sie für höchstens zehn oder zwölf Pianisten der Welt spielbar sei. Har-Zahav machte daraus dreizehn.

 

Reich an Effekten, Finessen und verspielt wirkenden Elementen folgten das kurze "En rêve" und die bei aller Kunstfertigkeit auch äußerst gefällige Balle Nr. 2 (1854) mit hoher Publikumswirksamkeit. Ein Ohrwurm und weiteres Paradestück aus dem Lisztschen Ouvre ist ,La Campanella" aus der Grande Etude, einmal nicht im forte ausgereizt und sehr angenehm. Har-Zahav brillierte mit leichter Hand und bestechender Fingertechnik - jetzt wie durchweg ohne Blatt.

 

Der "Liebestraum Nr. 3" durfte natürlich auf keinen Fall fehlen, ein Klassiker, von Har-Zahavs Hand mit frischem Klang. Den Schluss machte nach den beiden späten, in ihrer Neuartigkeit für die Zeit der 1880er Jahre bemerkenswert kompromisslosen Stücken, den "Nuages gris" und besonders dem sinistren "Unstern!" eines von Liszt Meisterwerken seiner Frühzeit: "Totentanz". In einem eigenen Arrangement des Klavierkonzerts zeigte der Pianist brillant und mit atemberaubenden Läufen und Kadenzen seine Meisterschaft.

 

Dieses Konzert hätte einen vollen Saal und ein angemessenes Instrument verdient gehabt. fb

 

 

 

Wertheimer Zeitung, 18.04.2011

Liszt - einmal ganz anders gespielt

Klavierkonzert: Pianist Menachem Har-Zahav gastiert mit »Hommage an Franz Liszt« im Barocksaal des Rathauses

Wertheim  Menachem Har-Zahav, den Namen des eben 40-jährigen Pianisten sollte man sich merken. Am Freitag gastierte er im Barocksaal des Wertheimer Rathauses und bot eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte »Hommage an Franz Liszt«.

 

Noch bevor er auch nur den Saal betreten hatte, hatte Har-Zahav dem Publikum bereits das erste Geschenk gemacht - ein sehr praktisches, aber ungewöhnliches. »Klatschen, ja, nein, wann doch, wann nicht?« Eine Frage, die fast in jedem Konzert zum Thema wird und eigentlich immer - zumindest von einigen Konzertbesuchern - falsch beantwortet wird. Har-Zahav hatte in seinem ausgegebenen Programm die Lösung parat und jene Stellen mit einem Piktogramm markiert, an denen ihm Beifall wohlplatziert erschien.


Anscheinend war aber auch dieser wohlgemeinte Hinweis nicht allen Zuhörern aufgefallen, aber da Künstler sich ja gemeinhin vom Beifall nähren, ist im Zweifel ein Klatscher mehr wohl sowieso besser als einer zu wenig. Aber eine gute Idee war es allemal.

 

 

Zwischen engagiert und aggressiv


Das Wichtigste ist vielleicht sowieso, dass es überhaupt Grund zum Klatschen gibt, und den gab es in Wertheim. Har-Zahavs Spiel muss irgendwo zwischen engagiert und aggressiv eingestuft werden, der sanfte Romantiker mit dem Handschlag eines toten Fisches ist er jedenfalls nicht. Seine Hommage an Franz Liszt zeigte den Komponisten anders, als viele von Har-Zahavs Kollegen ihn spielen, weniger milchig und in Teilen deutlich rauer - [...] erlebenswert.


Nun soll Franz Liszt durchaus ein Mann des Effektes gewesen sein, und nach dem, was Zeit- und Ohrenzeugen berichtet haben, hat er hart daran gearbeitet, dem Klavierkonzert ein neues Gesicht zu geben. Zart besaitet darf dabei weder das Instrument sein noch der Zuhörer. Die Damen seien dereinst reihenweise in Ohnmacht gesunken. [...]


Har-Zahav [...], der jedoch ungeachtet seines Temperaments auch die weichen Töne wiedergeben kann, dann, wenn sie Liszts dunkle Stimmungen wiedergeben.


Das Sonetto 104 del Petrarca war hier beredter Beleg, deutete es doch bereits in Richtung der massiven depressiven Grundverstimmung, in die Liszt in späteren Jahren kommen sollte. So betrachtet, war das Programm sehr klug aufgebaut, aber auch sehr akzentuiert. [...] Der Programmablauf zeichnete ein Psychogramm des großen Komponisten, wie er immer mehr ins Wahnhafte abgleitet. »Unstern!, Sinistre, Disastro« sprengt den Rahmen der Moll-Tonalität, der Teufel in der Musik bekommt Ausgang, zum Ende hin zerfällt das Stück regelrecht in einzelne Noten, Musik und Melodik lösen sich förmlich auf, mit ihnen der Komponist - so meint man. Am Ende dann, fast ein wenig überhöht: »Der Totentanz« in einem kraftvollen, fast besessenen Arrangement von Menachem Har-Zahavs eigener Hand.


Es bot, wie der gesamte Abend, perfektes Handwerk, aber eben doch starken Stoff, der Franz Liszt in einer bis dato so nicht gekannten Heftigkeit ausleuchtet.  Michael Geringhoff

 

 

 

Lüdenscheider Nachrichten, 06.04.2011

 

Furioses Finale mit Totentanz

Menachem Har-Zahav bietet Mischung aus eindringlichen Melodien und Läufen

LÜDENSCHEID Der Bechstein-Flügel wackelt für einen kurzen Moment, ein verräterisches, metallisches Vibrieren, das alte Instrument ist an seine Grenzen gekommen. Nicht so der jüdische Konzertpianist Menachem Har-Zahav, der hoch konzentriert mit schier unendlicher Energie einen virtuosen Höhepunkt nach dem anderen heraus arbeitet. Er präsentiert eine Hommage an Franz Liszt. Leidenschaftlich und strukturiert entwickelt er die komplexen Themen. 

 

     Am Anfang zwei Etüden, programmatisch, wie fast alle Stücke an diesem Abend. Er malt das Klangbild von Kirchenglocken, sanfte Melodien, die zum Himmel hinauf zu steigen scheinen. Eine weitere Etüde. Fasziniert und gespannt verfolgt das Publikum die variationsreichen, technischen und melodischen Elemente, die Eleganz des virtuosen Spiels von Har-Zahav, das hin und wieder etwas distanziert wirkt. 13 Jahre alt war Liszt, als er diese schwierigen Stücke komponierte, um sie später umzuarbeiten und den Schwierigkeitsgrad weiter zu steigern. Mit den Etüden spielt sich Har-Zahav warm für die berüchtigte Paganini-Etüde. Wenn Franz Schumann zu den zuvor gespielten Werken schon bemerkte, es seien Studien für zehn oder zwölf Spieler in der Welt, so gilt dies umso mehr für letzteres Werk, das nicht ohne Grund selten zu hören ist. 

 

     Stille herrscht im gut gefüllten Roten Kulturhaussaal. Das Publikum ist gemischt, Kinder sind da. In Reihe zwei sitzt eine Gruppe Jugendlicher, die sich das virtuose Spektakel nicht entgehen lassen will. Sie klatschen nicht nur, von ihnen sind immer wieder begeisterte Pfiffe zu hören. So ungewöhnlich wie das Konzert verläuft, so kurios ist auch die Pause. Eine Dame aus dem Publikum steht auf, legt ihre mit Strass Steinen besetzte Sonnenbrille und eine Tüte Fastfood auf den Klavierhocker, Programmheft und Servietten dazu und beginnt, wie selbstverständlich zu klimpern. Ebenso unvermittelt nimmt sie nach der Pause wieder im Publikum Platz. 

 

     Der zweite Teil beginnt mit dem Liebestraum, es folgt das Sonetto 104 del Petrarca, danach ist Raum für späte Werke von Liszt. Düster wird es in Nuages gris, düster bleibt es in „Unstern“. Der Anfang von Unstern scheint den Teufel in der Musik heraufzubeschwören, Akkorde liefern sich erbitterte Schlachten, und am Ende scheint das Werk in einzelne Töne zu zerfallen. Das furiose Finale gestaltet Har-Zahav mit dem Totentanz, eine Mischung aus eindringlichen Melodien und aufwallenden Läufen. Eine eindrucksvolle Komposition, die trotz ihrer Schwere nicht ohne Hoffnungsschimmer bleibt.

 

   Doch auch nach diesem technisch überaus anspruchsvollen und kraftraubenden Werk wirkt Menachem Har-Zahav nicht erschöpft. Er setzt sich erneut ans Klavier und spielt mit einer Etüde von Modest Mussorgski [sic, Moritz Moszkowski] die fällige Zugabe.

Autor: maya

 

Menachem Har-Zahav intonierte am Flügel Kompositionen von Liszt. Foto: Alijah

 

 

Westfälische Rundschau, 05.04.2011

 

Brillanter Techniker und romantischer Poet

Autor: Monika Salzmann
Lüdenscheid.

Wie Paganini einst die Geige, so betrachtete Franz Liszt, dessen 200. Geburtstag dieser Tage vielerorts konzertant gefeiert wird, das Klavier als sein ureigenstes Instrument.

Wer Liszt interpretiert, muss zugleich Virtuose und Tondichter, brillanter Techniker und romantisch veranlagter Poet sein. Beide beherrschte der israelisch-amerikanische Meisterpianist Menachem Har-Zahav, der am Freitagabend im Kulturhaus mit einer „Hommage an Franz Liszt“ begeisterte, in Vollendung. Scheinbar mühelos näherte sich der Künstler dem Phänomen Liszt. Bis an die Grenzen reizte er die Möglichkeiten des Instruments, des spieltechnisch Machbaren aus. Zu Recht gab’s Bravo-Rufe für seine bemerkenswerte Hommage, die er mit einer Etüde von Mussorgskij [sic, Moszkowski] als Zugabe krönte.

Zuhörerin sorgt für „Pausenmusik“


Für Irritationen sorgte eine Zuhörerin, die das Publikum ungefragt mit „Pausenmusik“ berieselte und ihren eigenmächtig eingenommenen Platz am Flügel erst mit Beginn des zweiten Konzertteils räumte. Mit Etüden, Auszügen aus poetischen Zyklen, Balladen, Liebesträumen und anderen Liszt’schen Preziosen verwöhnte Menachem Har-Zahav sein Publikum. An impressionistische Tonmalerei erinnerte die zu opulenter Klangentfaltung gesteigerte Étude d’éxécition transcendente Nr. 11 in Des-Dur, die mit Glockeneffekten und einem gefühlvollen Abendlied im Mittelteil punktete. Drängend, fordernd und leidenschaftlich meisterte der Pianist die zehnte Etüde des Zyklus, mit dem Liszt den Gattungsbegriff erweiterte. Eine „Tröstung“ (Consolation Nr. 3) avancierte zwischen beiden Etüden zum intimen, lyrischen Ruhepol. Aus unterschiedlichsten Schaffensperioden stellte der Virtuose, der Musikalität und Eleganz besaß, Werke des Komponisten vor. Atemberaubende Bravourstücke wie die Grande Étude de Paganini Nr. 3 (La Campanella), berühmtestes Werk einer sechsteiligen Serie, späte, experimentelle Stücke wie „Enreve“, „Nuages gris“ oder „Unstern!“, Balladeskes, Düsteres und Verträumtes (Liebestraum Nr.3) vereinte Menachem Har-Zahav in seinem facettenreichen Programm. Selbst den obsessiven „Totentanz“ schloss er in seine Liszt-Hommage ein.


Bild 1: Menachem Har-Zahav begeisterte mit einer „Hommage an Franz Liszt“.
Foto: Jakob Salzmann

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de