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Rhein-Neckar-Zeitung, 31.03.2011

 

Radikal vorbei am Mainstream

Har-Zahav erstaunte mit einem Liszt-Abend im Prinz Carl

Von Astrid Mader

Nein, gewöhnlich ist an dem Pianisten Menachem Har-Zahav wahrlich nichts. Nicht die bestimmte Zurückhaltung, die dem Publikum beinahe das Klatschen nach vorgetragener Höchstleistung verbietet, auch nicht die eminente geistige Durchdringung eines aberwitzig anspruchsvollen Klavierabends um die schillernde Figur Franz Liszts. Schließlich ist es der Stil seines Spiels, der dem Zuhörer den Atem stocken, das Blut in den Adern gerinnen lässt. Zwei der Transzendentalen Etüden Liszts, die Nummern 10 in f-moll und 11 in Des-Dur, schuppte der Pianist, die Tastatur raffiniert impressionistisch wie eine Farbpalette benutzend, auf. Ein Klanggewimmel entstand, in dem die Grenzen verwischten und doch jeder einzelne Ton noch fassbar war wie ein Pinselstrich. Unerhört, ungehört so etwas. So viel donnerndes Getöse zuzulassen, so viel Pedal zu benutzen, das entspricht ganz gewiss nicht dem Mainstream einer auf klare Doktion getrimmten Pianistengeneration. Und dann: Dieses Mithineingezogensein in die vertraulich nachdenkliche „Consolation Nr. 3“. Tief ins Klavier hinein schien Har-Zahav da zu kriechen, auf eine innige Weise verbunden mit einem Tonverlauf, der sich nicht glätten lässt, Überraschungen für den wachen Hörer bereithält, risikobereit, wie der Klaviervirtuose, Dirigent, Philosoph und Komponist Liszt wohl selber war. Oder jene finstre Ballade 2 in h-moll, die der vermutlich größte Pianist des 19. Jahrhunderts wie so viele andere Werke überarbeitete, wodurch sie womöglich noch unberechenbarer wurde, als sie es ohnehin schon war. Klar, dass zumindest eine der sechs „Grandes Etudes de Paganini“ im Programm erklingen musste. Deren dritte, die „Campanella“, jenes „Paradestück aller Klavierolympiaden“, brachte Har-Zahav mit erstaunlich leuchtender, freudiger Leichtigkeit zu Gehör. Dagegen fiel der viel zu oft schon gespielte Liebestraum Nr. 3 geradezu rau und spröde aus. Keinen Hauch von Lieblichkeit, von feinsinnigem Sentiment, von verwunschener Romantik ließ er aufkommen. Vielmehr konkret, handfest und real war dieser „Traum“. Sinister wurde es gegen Abschluss des Konzertes nicht nur mit den drängend zu Gehör gebrachten „Nuages gris“, sondern auch mit der spannungsvollen Komposition „Unstern!“ und dem von Har-Zahav für Klavier solo bearbeiteten „Totentanz für Klavier und Orchester“, in dem sich immer wieder das Motiv des „Dies Irae“ drohend zu Wort meldete. Kaum zu glauben, dass der israelisch-amerikanische Konzertpianist Jahrgang 1967 jenes Mammutprogramm auswendig zu Gehör brachte.

 

 

 

Westdeutsche Zeitung Ausgabe Burscheid vom 16.03.2011

 

Tastenmagier huldigt Liszt

BÜRGERHAUS

Konzert mit dem international renommierten Pianisten Menachem Har-Zahav begeistert im Bürgerhaus.

 

Leichlingen. Er war der größte Tastenvirtuose der Romantik, gefeiert vom damaligen Publikum wie heute ein Popstar, von den Frauen umschwärmt: Franz Liszt (1811-1886). Zum 200. Geburtstag des Genies bot der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav (geb. 1967) im Bürgerhaus Leichlingen vor rund 60 Besuchern eine hinreißende Hommage. Der Pianist, der auf internationalen Bühnen zu Hause ist und inzwischen in Velbert lebt, zeigte sich als Tastenmagier: Leidenschaftlich, berührend und technisch verblüffend erweckte er das Feuer und den Zauber der Lisztschen Musik. Zartfühlend entfaltete Har-Zahav zu Beginn in der "Étude d’éxécution transcendente Nr. 11" ("Harmonies du Soir") die poetische Idee des Werks, indem er auf anrührende Weise dessen mystische Atmosphäre einfing. In der Nr. 10 aus dem Zyklus (Presto molto agitato) entfesselte der Pianist einen Sturm an aberwitziger Virtuosität, der in einen rauschhaften Fortissimo-Schluss mündete. Wunderbar geheimnisvoll-träumerisch interpretierte Har-Zahav "Consolation Nr. 3" sowie "En rêve", erstaunliche Gestaltungskunst bewies er außerdem in der "Ballade Nr. 2 in h-Moll": Einen großen Bogen spannte er dort vom bedrohlich grollenden Beginn bis hin zum hymnischem Aufschwung.

 

Der "Totentanz" bildete das fulminante Finale

 

Dass es ihm nicht um oberflächliche Zurschaustellung von Virtuosität geht, zeigte der Pianist in der "Grande Étude de Paganini Nr. 3" ("La Campanella"), indem er das "Glöckchen" bewusst ruhig und zart erklingen ließ und sich das Fortissimo für den umso wirkungsvolleren Schluss aufsparte. Das fulminante Finale lieferte Har-Zahav mit dem "Totentanz", dargeboten in einer eigenen Solofassung. Sich bis zum Äußersten verausgabend, ließ der Pianist über die gesamte Klaviatur hinweg eine apokalyptische Schlacht toben, samt bedrohlichem "Dies Irae"-Gesang und markerschütternden Glissando-Blitzen. Das Publikum feierte den Tastenkünstler für seine phantastische Darbietung mit begeistertem Beifall.

Von Christoph Bingel

 

 

Rheinische Post vom 15.03.2011

Leichlinger Liszt-Abend hochvirtuos

VON MONIKA KLEIN

LEICHLINGEN Die begeisterten Besucher im Bürgerhaus bekamen ihre Zugabe, obwohl die nach der enormen Anstrengung dieses Klavierabends schon fast eine Zumutung für den Pianisten war. Ihm war die Erschöpfung nach rund zweistündiger Daueranspannung anzusehen, und dennoch ließ er die Finger erneut flink und scheinbar ganz leicht über die Tasten flitzen.

Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt hat der Pianist Menachem Har-Zahav ein Programm zusammengestellt, das die Sonderstellung des Komponisten und zu seinen Lebzeiten einzigartigen Tastenkünstler erkennen ließ. Eine Hommage, die natürlich den aberwitzigen Virtuosen präsentierte, den kraftvollen und unwirschen Spieler, aber auch den Depressiven, der er im Alter wurde.

Die großen Klavierwerke von Etüden über "Liebestraum" bis zum eigentlich für Klavier und Orchester gedachten "Totentanz" in einem Recital zu vereinen, heißt, sich kaum Ruhepunkte und Erholung zu gönnen. Selbst das Publikum erschien am Ende ein wenig erschöpft, nachdem ihm so viele rasante Laufketten und eine Menge donnernder Akkordläufe entgegen geschlagen waren. Bis zur Schmerzgrenze, so jedenfalls empfand man es beim Totentanz mit seinen schneidenden Glissandi, die von grausig hämmernden Akzenten verjagt wurden.

Menachem Har-Zahav hat dieses Stück selbst für den Sologebrauch am Klavier bearbeitet und dabei wenig Rücksicht auf sich selbst genommen. Dieses düstere Finale, das vom Frescogemälde "Der Triumph des Todes" inspiriert wurde, führte an die Grenzen dessen, was auf einem Konzertflügel noch machbar ist. Und da konnte man schon beinahe Sorge empfinden für das Instrument im Weyermannsaal, das ohnehin schnell vom weichen Pianoklang ins schrille Klirren verfällt. Das machte die extrem forcierten Stellen noch ein wenig kälter und schroffer.

Immerhin schob Har-Zahav im zweiten Teil noch zwei verhaltenere Stücke ein, die der Komponist wohl selber nicht auf die Bühne getragen hätte. Da konnten alle kurz verschnaufen und Aufatmen nach so vielen Bravourstückchen.

 

 

Leverkusener Anzeiger, 14. März 2011

 

Flinke Finger flattern übers Piano

 

Von Ingeborg Schwenke-Runkel

 

Der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahev hat im Leichlinger Bürgerhaus ein Konzert gespielt. In seiner „Hommage an Franz Liszt“ nutzte er alle Möglichkeiten der artistischen und zirzensischen Fingerkunst.

 

Leichlingen - Ja, auch der Liebestraum war dabei. D e r Liebestraum. Jeder kennt ihn. Auch wer sich nicht unter die regelmäßigen Konzertgänger einreiht oder sich zu den Liebhabern klassisch-romantischer Musik zählt. Franz Liszt, der Popstar unter den Künstlern des ausgehenden 19 Jahrhunderts, hat ihn geschrieben. Als Popsong in tausendfachen Bearbeitungen erklingt er immer noch und immer wieder. Gerne auch, wenn Schlittschuhe über die Eisfläche kratzen und die Kunstläufer dazu ihre Pirouetten drehen.

 

Nun also Menachem Har-Zahev, im Leichlinger Bürgerhaus. Er spielte den dritten Liebestraum im Original - jedoch ohne süßliche Zuckergussschicht. Der israelisch-amerikanische Pianist, der in Velbert lebt, nutzte in seiner „Hommage an Franz Liszt“ zwar alle Möglichkeiten der artistischen und zirzensischen Fingerkunst - die Hände flattern und fliegen schneller, als die Zuhörer gucken können - ,doch er verlor sich nicht in klirrender Virtuosität.

 

Natürlich hatte er in sein Programm auch jene Stücke aufgenommen, die Liszts Ruhm zu dessen Lebzeiten begründeten, zwei Beispiele aus dem Block der „Etude d'exécution transcendente“ und die „Glöckchenetude“ nach Niccolo Paganini: rauschhaft, klanggewaltig und aberwitzig in den technischen Anforderungen, wie auch der „Totentanz“ den Menachem Har-Zahav für Klaviersolo bearbeitet hat.

 

Doch vor allem widmete sich der Mittvierziger und sechsfache Vater jenen Stücken, die Liszt als Neuerer und Querdenker in der Musikgeschichte zeigen. „Nuages gris“, „Unstern“ und „Sposalizio“ gehören dazu. Diese kurzen, wie hingetupft wirkenden klanglichen Denkübungen weisen weit in das 20 Jahrhundert hinein. Sie nehmen die experimentellen Tonspiele eines Eric Satie etwa vorweg. Auf das Versponnene und Versonnene ließ sich Menachem Har-Zahav ein. Fast abweisend, schroff setzte er diese Noten um und gab damit jenem Franz Liszt Raum, der im Glanz virtuoser Selbstdarstellung häufig verloren geht. Es gibt eben auch den suchenden, den tastenden und den verinnerlichten Liszt.

 

Ein schönes Ergebnis zu dessen 200 Geburtstag, den die Musikwelt am 22. Oktober in diesem Jahr feiert. Ein Stück der Geburtstagstorte konnten die Besucher im Bürgerhaus Am Hammer bereits kosten. Ein Stück, das schmeckte.

 

 

 

Rheinische Post, Rees, 16.02.2011

Unglaubliche technische und musikalische Präsenz

Rees (RP) Die "Kippa" ist eine vornehmlich in Ausübung der Religion gebräuchliche Kopfbedeckung männlicher Juden. Es handelt sich um ein kleines kreisförmiges verziertes Stück Stoff, das den Hinterkopf bedeckt. Der israel-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav versteht seine Kunst offenbar auch als eine Art religiösen Dienst an der Kunst, denn er tritt nie ohne die Kippa auf.

 

Im Bürgerhaus kamen 50 Zuhörer in den Genuss eines ebenso attraktiven Programms: "Hommage an Franz Liszt." Die Werke des 1811 in Ungarn geborenen und 1886 in Bayreuth gestorbenen Komponisten sind seit jeher umstritten. Er war der große Revolutionär des 19. Jahrhunderts von dem Busoni sagte: "Bach ist der Grund des Klavierspiels, Liszt ist die Spitze." Und das bestätigte sich im grandiosen Programm, das von Menachem Har-Zahav am Steinway-Flügel mit unglaublicher technischer und musikalischer Präsenz dargeboten wurde. Der berühmte "Liebestraum" und vielleicht auch noch die "Paganini-Etüde" mögen dem Musikliebhaber vertraut sein, doch die "Transzendentalen Etüden" Nr. 10 und 11, sowie "Consolation Nr. 3", "En reve", "Ballade Nr. 2 in h-moll" und "Sposalizio & Sonetto 104 del Petrarca" sowie "Unstern! Sinistre, Disarto" sind von völlig anderer "Bauart". So sprengt "Unstern", ein spätes Liszt-Stück, die Grenzen der Dur-Moll-Tonalität.

 

Der Anfang schwört den "Teufel in der Musik" herauf, indem das spannungsvoll geladene Intervall namens "Tritonus" die Basis für einen erschreckenden Höhepunkt bildet: zwei Akkorde scheinen eine "Schlacht" gegeneinander auszutragen. Listzt selbst riet seinen Schülern davon ab, "diese Musik öffentlich zu spielen", damit sie nicht "für verrückt" gehalten würden.

 

In dem von Menachem Har-Zahav für Soloklavier eingerichteten "Totentanz für Klavier und Orchester" war zum Konzertfinale noch einmal "der Teufel los". Der Gast an den Tasten zeigte keinerlei Ermüdungserscheinungen und bot einschließlich einer Zugabe ein Spiel auf höchster Stufe pianistischen Könnens. Eine kleine Beobachtung am Rande: Durch die Abbildung zweier applaudierender Hände, dezent angebracht im Programmheft zwischen einzelnen Programmblöcken, bekamen die Besucher einen Hinweis zum Applaus an gewünschter Stelle. Auch eine Art der Perfektion.

 

Das Konzert wird am 29. Mai im Schlösschen Borghees wiederholt.

 

 

 

Westfälische Nachrichten, 15.02.2011

Mitreißend und virtuos

Lüdinghausen - Zum inzwischen vierten Mal war Menachem Har-Zahav am Sonntagabend in der Steverstadt zu Gast - und wieder war es bei seiner „Hommage an Franz Liszt“ ein voller Erfolg. Im fast voll besetzten Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen überzeugte der israelisch-amerikanische Konzertpianist erneut mit erstklassigem virtuosem Spiel.

 

Überschwänglicher Beifall bewies einmal mehr, dass er sich in Lüdinghausen großer Beliebtheit erfreut, was Dr. Hans Wolfgang Schneider, Leiter der Musikschule, zu der Bemerkung hinriss: „Es ist schon beeindruckend, wie er die schweren ,Brocken´ meisterlich darbrachte“ und meinte damit Liszts „Transzendentale Etüden Nr. 11 und Nr. 10“. Werke mit immensen Schwierigkeitsgraden, von denen Robert Schumann meinte, sie seien „für höchstens zehn oder zwölf Spieler in der Welt“ geeignet.

Franz Liszt, 1811 in Ungarn geboren, war einer der produktivsten Komponisten und einer der prominentesten Klaviervirtuosen des 19. Jahrhunderts, von dem Clara Schumann sagte: „Liszt spielt vom Blatt, womit wir uns mühsam abplagen und am Ende doch nirgendwo ankommen.“ Har-Zahav hat sich anlässlich des Liszt-Jahres 2011 dessen Werke zum Mittelpunkt seiner Arbeit und seines Vortrages gemacht und einige der bedeutendsten, aber auch schwierigsten und schönsten Klavierwerke Liszts auf sein Programm gesetzt, und wie gewohnt suchte man bei dem Ausnahme-Künstler während seines ganzen Spiels vergebens nach Notenblättern.

So überzeugte er nicht nur bei den schon genannten „schweren“ Stücken, sondern gönnte den gebannt zuhörenden Besuchern auch den berühmten „Liebestraum Nr. 3“, wo er zeigte, wie ruhig, beinahe fragil und durchaus melancholisch ein Flügel klingen kann, als sich seine Hände geschmeidig über die Tasten bewegten. Die ausgezeichnete Zartheit seines Anschlags ermöglichte vollendetes Nuancieren.

Oder die mitreißende „Grand Étude de Paganini Nr. 3“, bei der Har-Zahavs Finger über die Tastatur „flogen“, technisch höchst anspruchsvoll, wurde sie aber bei ihm zum Glück nicht zu einer „Klavierolympiade“ missbraucht, bei der es lautet: „Möglichst laut und schnell“.

Das Programm der Liszt-Hommage endete mit der Eigenbearbeitung des „Totentanzes“, den der ungarische Komponist eigentlich für Klavier und Orchester geschrieben hatte. In diesem Stück, bei dem der Tod als dämonische Macht auftritt („Triumph des Todes“), beschwor Menachem Har-Zahav in seiner eindringlichen Interpretation und mit sicherer Spieltechnik genau diese unheimliche Macht. Sein Virtuosentum, mit dem er faszinieren konnte - Musik, die bei den Zuhörern ankam. Ein fantastischer Abend mit einem meisterhaften Solokünstler und einem begeisterten Publikum.


VON WERNER ZEMPELIN

 

 

Aachener Nachrichten vom 15.02.2011

 

Hommage an den Musiker Franz Liszt

Pianist Menachem Har-Zahav begeistert mit Leidenschaft und Technik

Jülich. Ein Programm mit Werken von Franz Liszt, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt, versprach der Interpret Menachem Har-Zahav seinem Publikum. Leider fand sich in der Schlosskapelle der Zitadelle nur ein kleiner Zuhörerkreis ein.

 

Aber dieser war besonders interessiert und fachkundig. Denn: Wer schon einmal diesen Pianisten gehört hatte, der wusste, was ihm beim Nichterscheinen entgehen würde.

 

Menachem Har-Zahav sieht in seiner Kunst Erfüllung und Auftrag. Er musiziert für sich selbst in Selbstversunkenheit, möchte aber auch fast schon missionarisch sein Publikum vor allem aber junge Menschen an der Musik teilhaben lassen. Für Musikinteressierte unter 18 Jahren war der Eintritt frei. Eine großzügige Geste.

 

Der Überschwang der Gefühle des jungen Liszt, die in seinen Kompositionen gespiegelten Exaltationen, waren für Menschen seiner Zeit fast unglaubwürdig.  Im Zeitalter des Rationalismus verlief die Laufbahn des jungen Pianisten kometenhaft. Die unübersteigliche Höhe des Pianisten wurde von dem Interpreten des Abends vermittelt und in der Perfektion des Spiels nahegebracht.

 

Die Faszination der Vortragskunst des Pianisten Menachem Har-Zahav entspricht den Schilderungen der Faszination, die vom Komponisten und Pianisten Liszt ausging.

 

Leidenschaft und Disziplin

 

In Akribie und unter Einhaltung der Zeichen wurde musiziert. Schwierigste, weiteste Sprünge auf dem Instrument wurden mit fliegender Leichtigkeit überwunden. Der Pianist brauchte keine Noten. Die Musik floss aus seinem Innersten und wurde durch seine Hände zur Musik für seine Zuhörer. Viel Pedal, wie auch Liszt es benutze, machten die Kompositionen stil- und zeitgerecht und besonders dynamisch. Leidenschaftliche Extase, gepaart mit der Beherrschung aller technischer Disziplinen, machten diesen Konzertabend zu einem unvergesslichen Erlebnis.

 

Melodien, rauschhafte Klänge vermittelten im ersten Teil des Konzertes zwei der Étude d´éxécution, die Grande Étude de Paganini und die bezaubernde Ballade Nr. 2. Der Liebestraum, Sposalizio und Sonetto 104 del Petrarca vermittelten Eindrücke des großen Schaffens des Komponisten.

 

Der Totentanz als Soloarrangement des Interpreten brachte unnachahmliche Spannung und Faszination für das technische und musikalische Vermögen sowie die Ausdruckskraft des Pianisten.

 

Für die Besucher war dieser Abend ein unvergesslicher Abend, der einem unvergessenen Komponisten von einem Weltklasse-Pianisten gewidmet war.

 

Von Hilde Viehöfer-Emde

 

 

 

Rheinische Post vom 08.02.2011

Der Pianist als Klangmaler

Ein ganzes Orchester trug Menachem Har-Zahav in seinen Händen. Die "Hommage an Franz Liszt" wurde im Oktogon des Oberschlesischen Landesmuseums zu einem Klavierabend von großer Dichte und Klangfülle. Leider vor ganz kleinem Publikum.

von Gudrun Anschütz

Hösel Die Stücke fesselten die Besucher und ließen sie atemlos bis zum letzten Ton dem Künstler folgen. So fiel die "Grande Étude de Paganini Nr. 3," La Campanella genannt, durch die zauberhaften Passagen im Diskant auf. Beginnend wie das Geläut der hellen Glöckchen, erst einzeln, behutsam und leicht, sich bis zum irrsinnigen Tempo steigernd, später in die mittleren, dann tiefen Lagen einsetzend, gelang es dem Pianisten, ein akustisches Bild des Glockenturms zu malen, der sich am Ende in einzelne Klänge verlief, bis nur ein Hauch noch im Raum stand, als längst die Tasten schwiegen.

Ein Blick zurück: Menachem Har-Zahavs Studium an der Indiana State University führte zum Abschluss des Magisterexamens. Anschließend unterrichtete er an der Lincoln University und später arbeitete er in England. Der junge Künstler zog nach Deutschland, wo er sich der pianistischen Laufbahn widmete. Sein Erfolg in sämtlichen großen Konzertsälen Deutschlands - Tonhalle Düsseldorf, München, Beethovenhaus Bonn, Hamburg - und im europäischen Ausland lag nicht nur an seiner Virtuosität und seinem technischen Können, sondern ebenso an seiner starken musikalischen Ausdrucksfähigkeit. Transparente Klangbilder stellt er in den Dienst der Musik.

Franz Liszt, der die Virtuosität Nicolo Paganinis auf der Violine bewunderte, wollte diese Musik auf dem Klavier ausführen. Er hatte die Kompositionen mehrfach verändert. Sie wurden so schwierig, dass sie nur für wenige Musiker wirklich spielbar waren. Für die "Étude d’éxécution transcendente No. 10 in f-moll (Presto molto agitato)" brauchte der Pianist die gesamte Klaviatur. Ein wilder Anfang, mit einer Chromatik in rasendem Tempo führte dann wieder zu traumhaft zarten Klängen im Diskant, wie bei einer Harfe. Der Schluss wurde wieder stürmisch mit gebrochenen Akkorden und atemberaubenden Terzen.

Faszinierend war auch der "Totentanz". Von einem Freskogemälde "Der Triumph des Todes" inspiriert, komponierte Liszt das Werk ursprünglich für Klavier und Orchester. Menachem Har-Zahav hatte das Stück für Klavier umgeschrieben und dabei den Stil des Komponisten getroffen: Der dunkel im Bass aufsteigende Tod mit seiner Sense; schrill klang das Klappern der Gebeine aus den Gräbern im Diskant; die auf- und niedersteigenden Seelen wurden durch scharfe Glissandi dargestellt und die emotionalen Stimmungsschwankungen von dunkler Strenge und mystischer Atmosphäre. Auch die anderen Vorträge wie der berühmte "Liebstraum No. 3", das Sonetto 104 von Petrarca", "Ballade No 2" und "En rève" fanden großen Anklang. Begeistert der Beifall von der viel zu kleinen Hörerschar.

 

 

Rhein-Zeitung vom 01.02.2011


Musikalische Buttercreme: Liszt in Reinform

Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

Koblenz. Ein komplettes Konzert mit Liszt-Kompositionen: Das ist wie ein Menü aus drei Gängen Buttercremetorte. Ein gewisses Magendrücken scheint unvermeidlich es sei denn, ein Könner ist mit Delikatesse am Werk. Ein Könner wie der in Deutschland lebende israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav.

Der Klaviervirtuose (Jahrgang 1967) tourt gern mit Jubelprogrammen durch die Lande in diesem Jahr eben mit einem zum 200. Geburtstag von Franz Liszt. Seine Tourneeorganisatoren haben ihm das Etikett Meisterpianist angehängt. Das führt ihn zwar nicht in die größten Hallen, doch wer ihn schon einmal im Konzert erlebt hat, kommt offenbar gern wieder. Das zeigte sich jetzt bei seinem erneuten Gastspiel im gut gefüllten Koblenzer Görreshaus. Gekonnt schlug sich Har-Zahav dort durch einen beinahe zweistündigen Liszt-Marathon.

In den startet er gleich mit einem Musterbeispiel für den technisch rücksichtslosen und opulent-orchestralen Liszt-Sound: mit der mächtigsten der Études dexécution transcendante nämlich, der Nummer 10 in f-Moll. Auch in der entschärften späteren Version ist die immer noch ein halsbrecherischer, mit Sprüngen und weiten Griffen gespickter Hindernislauf voll leidenschaftlicher Dämonie.

Da wirkt selbst bei Har-Zahav verständlicherweise manches noch ein wenig hart und unausgeglichen. Da kommt die entschieden beruhigtere elfte der teuflischen Etüden, die Harmonies du Soir, gerade recht, um zu einem ebenso virtuosen wie differenzierten Spiel zu finden.

Auch das, die eingestreuten emotionalen Atempausen, machen das üppige Klaviermenü genießbar. Etwa die dritte der fünf Consolations, ein Notturno, das liebende Leidenschaft mit höchster Zartheit ausbalanciert. So entstehen solche Pausen, die hingebungsvoll ausgekostet werden. Überhaupt nimmt sich Har-Zahav immer wieder das Recht auf eigene, gar eigenwillige Tempi, beispielsweise in der Grande Étude de Paganini Nr. 3, La Campanella, die er graziös abbremst. Wie denn auch das zweite, lyrischere Thema der h-Moll-Ballade bei allem düsteren Drängen des ersten genießerisch ausgekostet wird. Er tut dies im sicheren Bewusstsein, dass saubere, ausgefeilte Technik im Leisen genauso zur Geltung kommt wie im Gerausche der Akkorde, im Geklingel der Arpeggios und Gepfeife der Glissandi.

Die gibts im Finale noch einmal reichlich, nämlich im von Menachem Har-Zahav aufs Klavier heruntergebrochenen Totentanz. Mag die Rechte auch noch so rasend und makaber hüpfen, kapriolen, rennen: Das unerbittlich stampfende Dies irae der Linken erwischt sie doch. Und es wird abgemildert durch die fast Tröstliches einleitenden Fugato-Passagen. Die vorangehenden Werke, die geradezu religiös und hymnisch die Liebe feiern: Auch sie sind Resultat der italienischen Pilgerjahre des Jubilars Franz Liszts wie das zu Musik gewordene Raffael-Gemälde Sposalizio oder das 104. der Sonette Petrarcas.

 

 

Iserlohner Kreisanzeiger, 26.01.2011

Liszt mit Hingabe zelebriert

Iserlohn. Eine „Hommage an Franz Liszt“ präsentierte das Kulturbüro am Samstag im Löbbecke-Saal des Parktheaters Iserlohn zum 200. Geburtstag des in der Musikwelt nicht immer unumstrittenen ungarischen Pianisten und Komponisten der Romantik, der zu seiner Zeit durch die Salons Europas reiste und um dessen Auftrittsgebaren sich so manche Legende rankt. Trug die mit vielen Leuchtern und knallig rotem Stoff ‚romantisch’ überbordend dekorierte Bühne des Löbbecke-Saals noch dazu bei, sich in diese Lebenswelt Franz Liszts hineinzuversetzen, so erschien der Interpret des Abends, der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav, eher als Gegensatz zum selbstdarstellerischen und extrovertiert auftretenden Liszt: Bescheiden, ohne große Gesten und mit wenigen Momenten spontaner emotionaler Mimik und Gestik absolvierte der immer mit einer jüdischen Kippa auftretende Künstler das sowohl technisch als auch interpretatorisch äußerst anspruchsvolle Programm des Abends. Das durch den Konzertveranstalter mitgelieferte Begleitheft bot den recht zahlreich erschienenen Konzertbesuchern äußerst detaillierte und sehr umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Werken Liszts. Die Hörer unterlagen jedoch erfreulicherweise nicht der Versuchung, die in erster Linie programmatisch erläuternden Werkbeschreibungen parallel zu lesen, sondern genossen es sichtlich, sich im wahrsten Sinne des Wortes „berauschen“ zu lassen, um sich so die Musik lieber selbst zu erschließen.

Gleich im ersten Beitrag, der „Transcendentale Etüde Nr. 10“, wurde deutlich, mit welch extrem hohen technischen Anforderungen jeder Pianist, der sich Liszt nähert, konfrontiert wird. Diesen Anforderungen an die Sicherheit in Sprüngen, Weitgriffigkeit, Schnelligkeit der Läufe und Unabhängigkeit der Hände und Finger sind in der Tat nur wenige Pianisten gewachsen. Obwohl Har-Zahav die technischen Schwierigkeiten mit schlafwandlerischer Sicherheit meisterte, unterlag er nicht der oftmals bei Starpianisten anzutreffenden Versuchung „möglichst laut und schnell“ zu spielen, sondern ihm gelang es gerade in den stillen Momente mit einer solchen Intensität und Hingabe die Klänge zu zelebrieren und mit überdimensionalen Pausen die Spannung zu halten, so dass diese im absoluten Pianissimo nur noch durch das, schon recht leise, Rauschen der Klimaanlage des Löbbecke-Saals überdeckt wurden. Die Gegensätzlichkeit von aufbrausender Klangfülle bis hin zum im Raum stehenden und leise verklingenden Einzelton wurde besonders transparent in der dann folgenden Ballade in h-moll.

Zwei „Zückerchen“, bei denen diejenigen Zuhörer zu ihrem Recht kamen, die bisher im Lisztschen Klangwust vergebens nach bekannten Melodien gesucht hatten, umrahmten die Pause: Zum einen „La Campanella“, auch bekannt durch die Originalversion des „Teufelsgeigers“ Nicolò Paganini, und natürlich der im wahrsten Sinne durch „Film, Funk und Fernsehen“ populär gewordene Liebestraum Nr. 3 weckten Erinnerungen. Während in dem dann folgenden „Sposalizio“ trotz seiner frühen Entstehungszeit bereits deutlich impressionistische Züge zu erkennen waren und die Klangstrukturen im „Sonetto 104“ durchaus an die eher eingängige Harmonik Frederic Chopins erinnerten, wurde zum Schluss einerseits durch das zerrissene und in düstere Fragmente zerfallene „Unstern!“ und von der vom Interpreten erarbeiteten Klavierfassung des „Totentanzes“ noch einmal ein dramatisch und virtuos explodierender Höhepunkt gesetzt. Die Zuhörer im Löbbecke-Saal der Alexanderhöhe waren sichtlich ergriffen, so gewaltig und mächtig wurde immer wieder das Motiv des „Dies Irae“ motivisch zitiert, so überzeugend und durchdringend erfüllte Liszts Auseinandersetzung mit dem Tod den gesamten Raum. Ein grandioser Schlusspunkt des Abends, der allerdings erst nach zwei Zugaben und zahlreichen Gesprächen von begeisterten Zuhörern mit dem Pianisten am Signiertisch - bemerkenswert nach einem solch langen und anstrengenden Konzert - zu Ende ging.

Bild 1:
Der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav hinterließ ein ergriffenes Publikum im Löbbecke-Saal und fand nach dem anstrengenden Konzert noch Zeit für Gespräche mit den Konzertbesuchern. Foto: André Knüwe

 

Autor: Hubertus Schmalor

 

 

 

Kölner Stadtanzeiger, 25.01.2011, RHEIN-ERFT JOURNAL

Salonlöwe blieb außen vor


LISZT Menachem Har-Zahav gastierte in Dormagen

Dormagen. [...] Der 1967 in Tel Aviv geborene, in den USA aufgewachsene Musiker lebt seit einigen Jahren in Velbert und gastiert in ganz Deutschland, manchmal auch im europäischen Ausland. Die Düsseldorfer Tonhalle, der Münchner Gasteig und das Bonner Beethovenhaus sind gute Adressen, doch spielt sich die Mehrzahl der Auftritte in mittleren Städten ab wie Osnabrück und Iserlohn, woher er gerade kam, Koblenz, Ratingen und Jülich, wo er im Zuge seiner Tournee in den nächsten Tagen gastiert.

Schillernder Virtuose


Auch in Dormagen bot er das aktuelle Programm "Hommage an Franz Liszt", denn dieser schillernde Virtuose des 19. Jahrhunderts, 1811 geboren, steht als Jubilar des Jahres 2011 auf der Agenda vieler Pianisten. Ein Spieler vom Kaliber des Menachem Har-Zahav ist berufen, die vertrackten Werke des großen Ungarn zu spielen, seien es die halsbrecherisch schweren, kraftvollen Stücke, die verstörend verinnerlichten, kühnen und zukunftsweisenden Miniaturen und auch die beliebten schwelgerischen wie "Liebestraum" und "Consolation" No 3.


Der introvertiert wirkende Künstler absolvierte sein immenses Pensum mit fast ungebrochener Konzentration und spielte alles auswendig. Angenehm, dass keinerlei veräußerlichte Attitüde, keine Spur von dem Salonlöwentum hereinwehte, den man mit Liszt verbinden mag.


Fast zwei Stunden lang war Har-Zahav bestrebt, dem Publikum mit stillem Ernst die Bandbreite und die Bedeutung des Komponisten zu demonstrieren. Von seiner intensiven Beschäftigung mit lisztscher Klaviermusik zeugte die souveräne Beherrschung der Piecen, der Ballade (Nr. 2), der 3. Paganini-Etüde (La Campanella), des "Sonetto 104 del Petraca".

Fulminanter Schlusspunkt war der emotionsgeladene Totentanz mit dem alten, biblischen "Dies Irae"-Motiv, den der Musiker eigens für Klavier solo arrangiert hatte. Doch auch die ausführliche schriftliche Programmeinführung zeigte Tiefgang, nur hätte man sich in diesem Liszt-Jahr neben einer Würdigung seiner musikalischen Verdienste auch ein Schlaglicht auf seine legendenumwitterte, in allen Farben schillernde Persönlichkeit und sein an Skandalen reiches Leben gewünscht.

VON CLAUDIA VALDER-KNECHTGES

 

 

 

 

Neue Osnabrücker Zeitung, 18. Januar 2011

 

Ein ganzes Jahr für Liszt

Konzert mit dem Pianisten Menachem Har-Zahav

 

Von Martina Binnig

 

OSNABRÜCK. Im Konzert von Menachem Har-Zahav wirkt alles genau geplant: Im
Programmheft ist sogar angegeben, zwischen welchen Stücken geklatscht werden darf und zwischen welchen nicht. Für sein mittlerweile drittes Konzert im Lutherhaus hat der israelisch-amerikanische Pianist ausschließlich Kompositionen von Franz Liszt aufs Programm gesetzt; ein Programm, das er vollständig auswendig vorträgt. Eine enorme Konzentrationsleistung. Deswegen wirkt der 1967 in Tel Aviv geborene Har-Zahav, der in Frack, weißer Fliege und der „Kippa“, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung,

auftritt, wohl auch so ernst. Selbst beim Applaus zeigt er kein Lächeln, und während des Konzerts spricht er kein einziges Wort. Nicht einmal vor der Zugabe lässt er sich zu einer Erklärung hinreißen. Einzig die Musik Liszts lässt er sprechen. Und auf die versteht er sich. Denn Har-Zahav, der zurzeit in Deutschland lebt, konzentriert sich gerne ein ganzes Jahr lang auf einen einzigen Komponisten. So kam er letztes Jahr mit seiner Hommage an Frédéric Chopin etwa auf beachtliche sechzig Konzerte. Dieses Jahr also, passend zum 200. Geburtstag, Franz Liszt: Mit zwei „Études d’ exécution transcendante“, der Ballade h-Moll, der Paganini-Etüde „La Campanella“, dem „Liebestraum“ als berühmtem Bonbon und einem eigenen Arrangement des „Totentanzes“ zeigt Har-Zahav die unterschiedlichsten Facetten des Komponisten und Pianisten Liszt. Dabei geht er in die Extreme: Ungemein zart kann Liszt bei ihm klingen, aber auch harsch und wütend. In „Harmonies du Soir“ zelebriert Har-Zahav zunächst eine kontemplative Abendstimmung,

die er mit ruhiger Gestik unterstreicht, lässt aber gleich darauf die Bässe umso mehr grollen. Manchmal scheint ihm die Tastatur für die virtuose Dramatik der Musik fast nicht auszureichen. Geradezu unbekümmert klingt dagegen „En reve“ mit perlenden Trillern und unvermitteltem Verstummen, in impressionistische Farbgebung taucht er das von Raffaels berühmtem Gemälde „Die Vermählung Mariä“ inspirierte „Sposalizio“ aus den „Années de pèlerinage“. Doch als Schlusspunkt seines Konzerts setzt Har-Zahav „Unstern!“ und „Totentanz“ und betont damit wieder die düstere und dämonische Seite

Liszts: „Unstern!“ etwa beginnt mit dem Tritonus, dem spannungsvollen Intervall, das die Oktave in zwei genau gleiche Hälften teilt und das über Jahrhunderte als „diabolus in musica“, als der Teufel in der Musik, verfemt wurde.  Gerade bei diesem Stück, das die Grenzen der Dur-Moll-Tonalität sprengt, ahnt man, dass es sich für einen Pianisten wirklich lohnen kann, sich ein ganzes Jahr lang auf Liszt zu konzentrieren. Aber kaum ein Pianist nimmt sich eben diese Zeit so wie Menachem Har-Zahav.

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de