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Meininger Tageblatt, 07. September 2011

Musikalische Kunst und mythischer Kult

Mit seiner „Hommage an Franz Liszt“ präsentierte sich Menachem Har-Zahav als ein Pianist, der künstlerische Programmatik mit artifizieller Virtuosität zu vereinen versteht.

 

Von Alfred Erck

Meiningen – Der israelisch-amerikanische Meisterpianist Menachem Har-Zahav gastierte im Rahmen des Liszt-Jahres in Meiningen am vergangenen Sonntag im Brahmssaal. Obgleich mit den Veranstaltungen auf dem Marktplatz und im Theater für reichlich künstlerische Konkurrenz gesorgt war, haben erstaunlich viele Musikfreunde den Weg ins Schloss gefunden. Sie mussten ihr Kommen nicht bereuen! 

 

Menachem Har-Zahav ist ein Musiker, der sein technisch-spielerisches Vermögen sehr bewusst in den Dienst einer künstlerischen Botschaft stellen will. Dass er auf solche Weise den Bestrebungen eines Liszts entspricht, steht außer Zweifel.

 

Die für das Konzert in Meiningen gewählte Stückauswahl entsprach voll und ganz derartigen Intentionen. Denn nahezu ausschließlich kam Programmmusik zum Vortrag, zumeist richtungsweisende Kompositionen. Die Nummern 10 und 11 aus den Ètudes d´éxécution transcendente, die Grande Ètude de Paganini Nr. 3 (La Campanella) dominierten das Kammerkonzert vor der Pause. Damit wurde klargestellt, dass Schlüsselwerke mit weitgehend klar definiertem Gehalt vorgestellt werden sollten. Damit aber möglichst wenig Missverständnisse über die Interpretationsabsichten aufkommen mochten, hat Har-Zahav zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen – per ausführlichem Programmzettel machte er publik, wie er persönlich die jeweiligen Tonschöpfungen Liszts auffasst. Infolgedessen wurde der Zuhörer beispielsweise darüber informiert, dass La Campanella eine „Studie im ruhigen Spielen mit einer mystischen Qualität“ darstelle, bei der wenig Forte angesagt ist. 

 

Seine glänzende Technik setzte der Solist ebenso bewusst wie gekonnt ein, um seine Botschaften zu verkünden. Bei den Harmonies du Soir kamen anfänglich die jeweiligen Töne fast einzeln ausgestellt daher, oftmals geradezu hinausgezögert, um sich erst nach und nach zu einem Bild überirdischer Harmonien im Irdischen zu fügen, mitunter mit dominant geführter rechter Hand. Die an Chopin orientierte Nr. 10 wurde in deren ganzer Raffinesse gespielt. 

 

Über Paganini hat Liszt einmal geurteilt: „Paganinis Gott ... ist nie ein anderer gewesen als stets sein eigenes düster trauriges Ich!“ Mit einem solchen Satz hat er natürlich auch sich selbst zu charakterisieren versucht. Geleitet von einem derartigen Verständnis hat Har-Zahav die meisten der weiteren Programmnummern ausgedeutet. Rauschende Glissandi und gespenstige Triller, irrsinnige Läufe und subtile Anschläge einzelner Töne, seltene Kantabilität, dafür umso öfter traurige Ausuferungen seelischer Unwägbarkeiten obwalteten über dem zweiten Programmteil, der vor allem dem Lisztschen Spätwerk gewidmet war. Jene Abgründe, in die der Komponist wie der Solist führten, ließen erschaudern, mitunter auch frösteln. 

 

Es durfte einen also nicht verwundern, dass auch der Pianist von jener Besessenheit ergriffen wurde, die die Paganini, Chopin und eben Liszt ehedem geleitet hatte. Musikalische Kunst ging über in mythischen Kult.

 

 

Rhein-Zeitung, 23.08.2011

Beeindruckende Hommage an Franz Liszt

Von unserem Mitarbeiter Rolf-Dieter Rötzel

Hamm. Ein bewegendes Konzert gab der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav mit Hommage an Franz Liszt vor einem begeisterten Publikum im Hammer Kulturhaus. Zu Recht wird der Klaviervirtuose in internationalen Kritiken als Ausnahmekünstler bezeichnet.

Mit traditioneller Kippa auf dem Kopf spielt der Pianist leichtfingrig und technisch brillant. Dabei hält er die Balance zwischen lauten und leisen Passagen, lässt die rechte und die linke Hand gleichermaßen zu ihrem Recht kommen, haucht den unterschiedlichen Läufen und Akkordsprüngen Energie und Schwung ein. Die Klänge sprühen nur so aus dem Flügel, teils braust und säuselt es. Er zaubert alles Machbare aus dem glänzenden schwarzen Kasten heraus, jeder Ton ist genauestens geformt.

 

Franz Liszt, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre, wird als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte bezeichnet. In jungen Jahren riss er mit seinen Kompositionen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Der jetzt in Velbert lebende Klaviervirtuose Menachem Har-Zahav ist sicherlich prädestiniert, Liszt als faszinierenden Tausendsassa der Musik musikalisch zu würdigen.

 

Auftakt zum kurzweiligen Klangerlebnis waren Étude d'éxécution transcendente Nr. 11 in Des-Dur (Harmonies du Soir) und Étude d'éxécution transcendente Nr.10 in f-Moll (Presto molto agitato). Mit diesen Klavieretüden wollte der österreichisch-ungarische Komponist das Klavier in die Regionen eines orchestralen Klanges erheben. Ganz anders die dazwischen eingebettete Consolation Nr. 3. Sie erinnert an Chopin und atmet dessen poetischen Geist. Danach erklangen En rêve und Ballade Nr. 2 in h-Moll.

 

Der italienische Teufelsgeiger Niccolo Paganini nahm auf Liszts Leben ebenfalls Einfluss. Dessen Virtuosität übertrug Liszt auf das Klavier. Die Grande Étude de Paganini Nr. 3 mit dem Beinamen La Campanella (Das Glöckchen) ist ein legendäres Werk der Klavierliteratur.

 

Nach der Pause folgten der berühmte Liebestraum Nr. 3, Sposalizio und das Sonetto 104 del Petrarca. Sie dokumentierten die menschlich-warme Seite von Franz Liszt das Klanggewitter ist vorbei, die Luft ist rein, Harmonien kommen zum Vorschein. Nuages Gris damit thematisiert Liszt seine Affinität zum Thema Tod mit grauen Wolken und Unstern sind Spätwerke, die in ihrer Progressivität erschaudern lassen. Die daraus angestaute Energie entlädt sich dann mit Liszts Totentanz, vorgetragen in einer eigenen Solobearbeitung von Menachem Har-Zahav.

 

Der Pianist schonte sich selbst und auch das Publikum nicht, ihm das Musikgenie Franz Liszt näherzubringen. Die Zuhörer spendeten nach zwei Zugaben verdienten und lang anhaltenden Applaus für die Hommage an Franz Liszt.

 

 

 Neue Westfälische Zeitung, OLDENBURG, 22. August 2011

Bei Franz Liszt gibt es immer noch viel zu entdecken

Konzert Pianistische Hommage zum 200. Geburtstag – Menachem Har-Zahav im Kulturzentrum PFL

 

von Werner Matthes

Oldenburg - Dass das Klavierwerk Franz Liszts, des Jubiläumskomponisten des Jahres 2011 (200. Geburtstag), unendlich viel mehr ist als die gespreizten Klingeleien aus dem romantischen Salon, zeigte höchst eindrucksvoll Menachem Har-Zahav mit seiner „Hommage an Franz Liszt“ im Kulturzentrum PFL.

Der israelisch-amerikanische Pianist, hierorts schon mehrfach zu Gast, hatte Hochvirtuoses und Lyrisch-Introvertiertes zusammengestellt; seine Werkwahl, kontrastreich und mit Raritäten besetzt, gab Gelegenheit, die Qualitäten des Pianisten eingehend zu studieren.

Brillante Technik und klarer, markanter, bei Überpedalisierung freilich ein wenig verschwommen wirkender Anschlag stehen hier ganz im Dienste des Ausdrucks. Als Gestalter der großen Form, übergreifender Zusammenhänge und logischer Entwicklungen entfaltet Har-Zahav die ganze Weite und Spannkraft melodischer Linien, die Tiefe der Kontraste und Spannungen unter einer nur scheinbar glatten Oberfläche.

Heftige Temperaments- und Energieausbrüche, effektvoll aufgebaute Klanggebirge und imperiale Wucht, rauschhaftes Pathos und heiße Dramatik gewinnen Gestalt, aber auch Ausdrucksbezirke mystischer Ruhe, des rätselhaft düsteren, zergrübelten Ernstes – bei den harmonisch „modernsten“ unter den Stücken.

Schlagerhaft Eingängiges (darum technisch nicht weniger anspruchsvoll) wie der „Liebestraum“ Nr. 3 und vor allem die manuell heikle Paganini-Etüde „La Campanella“ war in der Minderheit an diesem Abend. Komplexes, das weitgespreizte Dynamik und immaterielle Farbigkeit, die Kunst der Transzendierung des Klavierklangs verlangt – „Etudes d’execution transcendente“, h-Moll-Ballade, Petrarca-Sonett 104, „Nuages gris“ (Graue Wolken) – gab es dafür umso mehr. Gelegentlich hätte man sich, jedenfalls in Details, hier noch ein Quäntchen mehr an Noblesse und Wärme, weniger Drastik gewünscht.

Entfesseltes Virtuosentum, nahezu atemverschlagend und monumental präsentiert, setzte den Schlusspunkt: Liszts „Totentanz“ – im Original für Klavier und Orchester – wurde vom Pianisten in einem eigenen, den Orchesterpart einbeziehenden Solo-Arrangement vorgestellt. So gab es nicht nur eine „Hommage“ an den Komponisten, sondern, durchaus genial, auch an den Bearbeiter Liszt.

Die Zugabe: ein Liszt-nahes Stück von Moritz Moszkowski. Heftiger und verdienter Applaus.

 

 

Hinterländer Anzeiger, 18. August 2011

 

Virtuose Tastentänze

Menachem Har-Zahav glänzt im Rathaus

Von Christina Wirth

Biedenkopf. Ein fulminantes Klavierkonzert haben die Besucher der "Hommage an Franz Liszt" am Samstagabend im großen Saal des Biedenkopfer Rathauses erlebt. Der israelisch-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav präsentierte ein anspruchsvolles Programm, das die gesamte Bandbreite von Liszts Werk umfasste.

 

Liszt, der zu Recht als der wohl brillanteste Pianist des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus als begnadeter Komponist galt, dessen Werke wegweisend für die Moderne waren, hinterließ ein Opus, das sowohl technisch wie musikalisch hohe Ansprüche an den Konzertierenden stellt. Konnte man in der ersten Hälfte des Konzerts noch das Gefühl gewinnen, dass Har-Zahav vor allem durch seine herausragende Technik und Geläufigkeit brilliert, widerlegte er diese These im zweiten Konzertteil eindrucksvoll.


Hommage an Franz Liszt

Gerade Liszts Spätwerke wie "Nuages gris" oder "Unstern!" provozieren in ihrer tonalen Radikalität und Modernität noch heute. Har-Zahav verstand es auf herausragende Weise, sich selbst in diesen Stücken zurückzunehmen und die Musik für sich sprechen zu lassen. So entstanden düster-beängstigende Klangbilder, die so manchen Konzertbesucher ein aufs andere Mal zusammenzucken ließen.

Aber auch der weltberühmte Liebestraum Nr. 3 fand unter Menachem Har-Zahavs Fingern zu einer neuen, erfrischend natürlichen Klangwelt. Nichts war zu spüren von den oftmals kitschigen, süß-schmelzenden und nur vermeintlich romantischen Darbietungen, die der Liebestraum oft über sich ergehen lassen muss. Har-Zahav widmete sich dem Werk mit Hingabe und verzauberte sein Publikum durch sein klares und dennoch empfindsames Spiel. Den Höhepunkt des Konzertabends bildete der Totentanz, eigentlich ein Werk für Klavier und Orchester, das Har-Zahav eigens für dieses Programm als Solostück arrangiert hat.

Künstler kommt ohne Noten aus

Der Widerstreit zweier Themen, eines davon das berühmte schaurig-bedrohliche "Dies Irae", zieht sich in Variationen durch den gesamten Totentanz. Klingt an manchen Stellen die Hoffnung auf Erlösung auf, so wird diese im nächsten Moment durch das düstere Knochenklappern des Todes und das unausweichliche Endgericht wieder zunichte gemacht. Menachem Har-Zahav malte unter seinen Fingern einen Klangteppich, der alle Facetten dieses unglaublich eindrucksvollen Werkes auf brillante Art und Weise erklingen ließ. Besonders hervorzuheben ist überdies die Tatsache, dass der Künstler völlig ohne Noten auskam und den gesamten Konzertabend auswendig bestritt - eine unglaubliche Konzentrationsleistung!

Einziger Kritikpunkt eines ansonsten fantastischen Konzertabends war in einigen Passagen der Gebrauch des Pedals, das bei Liszt zwar beinahe ausnahmslos in allen Werken gefordert wird, dennoch ab und an zu stark nachklang, beziehungsweise zum Verschwimmen der Töne führte.

Publikum will zwei Zugaben

Dass sich dies jedoch nicht störend auf den Gesamteindruck auswirkte, bewies auch der lang anhaltende Applaus des begeisterten Publikums, das zwei Zugaben einforderte, bis es Menachem Har-Zahav entließ. Ein technisch wie musikalisch in höchstem Maße beeindruckender Konzertabend fand sein verdientes Ende.

 

 

  

Backnanger Kreiszeitung, 29. Juli 2011

 

Die Kleinigkeit, die das Herz berührt

Bewegendes Konzert des Pianisten Menachem Har-Zahav unter dem Motto „Hommage an Franz Liszt“

Von Christoph Rothfuss

BACKNANG. Mit traditioneller Kippa auf dem Kopf betritt der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav den Fritz-Schweizer-Saal des Bürgerhauses. Der Musiker ist unterwegs quer durch Deutschland mit seinem aktuellen Programm „Hommage an Franz Liszt“.

 

Franz Liszt wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden und ist bis heute eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte. Man kann sagen, er war der erste Popstar, der die Massen zu Begeisterungsstürmen hinriss, und seine Biographie liest sich wie ein fantastischer Roman der romantischen Epoche. In seinem langen Leben durchlief er metamorphosenartig unterschiedliche Stationen, bis er sich schließlich in vorgerücktem Alter zum Abbé weihen ließ.

 

Menachem Har-Zahav ist für seine Aufgabe, diesen faszinierenden Tausendsassa der Musik vorzustellen und zu würdigen, prädestiniert; atmet seine Aura doch ein unverkennbares mystisch-zirzensisches Moment. Sein Klavierspiel ist technisch makellos, die virtuos-vertrackten Texturen der Liszt’schen Musik sind ihm nicht Last, sondern Lust. Um möglichst vielen Facetten dieses wegweisenden Grandseigneurs Rechnung zu tragen, hat Har-Zahav ein buntes Programm in petto, das er wohlweislich in fünf Blöcke einteilt. Jede dieser Partien zeigt einen anderen Aspekt des genialen Ungarn und vermittelt so ein recht umfassendes Bild von dessen Leben und Wirken. Zu Beginn stehen die „Études d‘éxécution transcendente“ Nr. 11 und 10, die Liszts Bemühen widerspiegeln, das Klavier durch transzendente Beherrschung bestimmter technischer Voraussetzungen in die Regionen eines orchestralen Klanges zu erheben. Har-Zahavs Spiel trägt phasenweise Züge einer artistischen Zirkusnummer, die den Großteil der Zuhörer begeistert. Leider ist der Flügel trotz Renovierung nicht immer ganz auf der Höhe des Anspruches, klingt gelegentlich blechern und starr. Ganz anders die dazwischen eingebettete „Consolation“ Nr. 3; sie atmet Chopins poetischen Geist, ist bescheiden und anrührend. Es ist in der Tat ein bisschen wie im Zirkus: Ob manch dargebotener Nummer staunt man ungläubig, doch dann ist es eine rührige Kleinigkeit, die das Herz bewegt. Der zweite Abschnitt versammelte „En rêve“, eine putzige, trillerfunkelnde Miniatur, und die Ballade Nr. 2 in h-Moll. Hier kann Menachem Har-Zahav seine gestalterische Potenz ausspielen, geschickt spannt er große Bögen und bringt so das Rhapsodische dieses Werkes gekonnt auf den Punkt. Gegen Ende hebt ein schlichter Gesang an, den der jüdische Künstler wahrhaft ergreifend darstellt.

Ein Fixstern in Liszts Leben war der italienische Teufelsgeiger Niccolo Paganini, dessen Virtuosität er auf das Klavier übertrug. Die „Grande Étude de Paganini“ Nr. 3 mit dem Beinamen „La Campanella“ („Das Glöckchen“) ist ein legendäres Werk der Klavierliteratur.

 

Menachem Har-Zahav spielt hier wohltuend diskret, erst am Ende lässt er sich vom Sturm der Emphase mitreißen. Das Glöckchengeläut ist naturgemäß omnipräsent, aber Beachtung verdient, welche menschliche Färbung die Melodie der linken Hand in Har-Zahavs Interpretation erhält. Chapeau!

 

Nach der Pause folgen der berühmte „Liebestraum“ Nr. 3, „Sposalizio“ und das „Sonetto 104 del Petrarca“. Sie zeigen die menschlich-warme Seite des Franz Liszt, wunderschön, wie Har-Zahav die Akkorde des Epilogs beim „Liebestraum“ abtönt. Es sind diese einzigartigen Momente bei Liszt: Das Klanggewitter hat sich verzogen, die Luft ist rein und Harmonien, man ist geneigt zu sagen von göttlicher Reinheit, kommen zum Vorschein. Der letzte Block thematisiert Liszts enge Affinität zum Thema Tod: „Nuages gris“ („Graue Wolken“) und „Unstern!“ sind Spätwerke, die in ihrer Progressivität heute noch erschaudern lassen. Da ist ein düsteres Sinnen und Brüten, das einem den Atem verschlägt. Diese angestaute, depressiv-aufgeladene Energie entlädt sich schließlich im diabolischen „Totentanz“. Das Klavier wird zum hart umkämpften Schauplatz im Ringen ewiger Mächte.

Und so bleibt am Ende das Verdienst des Pianisten Menachem Har-Zahav, sich selbst und das Publikum bei der Annäherung an das Genie Franz Liszt nicht geschont zu haben.

 

 

 

Südkurier, 12. Juli 2011

 

Lisztkonzert voller Kraft und Feuer

Großes Interesse am Konzertabend mit Menachem Har-Zahav im Museumssaal

 

Überlingen (mbs) Franz Liszt hätte es gefallen. Ihm widmete der in Tel Aviv geborene israelisch-amerikanische Konzertpianist Menachem Har-Zahav sein Konzert zu dessen 200. Geburtstag. Geboren im ehemals ungarischen Kronland des Kaisertums Österreichs zählt Liszt mit zu den produktivsten Komponisten des 19. Jahrhunderts, eng mit der Stadt Bayreuth verbunden, in der er 1886 im Alter von 75 Jahren verstarb.

 

Menachem Har-Zahav gehört vielleicht zu jenen ganz wenigen Pianisten in der Welt, welche Liszts „Études d'écécution transcendente“, randvoll gespickt mit immensen Schwierigkeitsgraden, überhaupt meistern können. So empfanden es wohl die zahlreichen, reichlich Beifall zollenden Zuhörer im Museumssaal bei den Klavierzyklen Nr. 10 in f-moll, Nr. 11 in Des-Dur (Consolation Nr. 3) und der Grande Étude de Paganini Nr. 3 (La Campanella), die zu den anspruchsvollsten Klavierzyklen überhaupt gehören. Sie zeigen neben dem typisch feurigen Stil jedoch auch Liszts verträumte Seite. Das anschließende kurze Stück „En reve“ sowie der populäre „Liebestraum“ bekräftigen diese Richtung. „Sposalizio“ und „Sonetto 104 del Petrarca“ wurden während Liszts Aufenthalt in Italien geschrieben. „Nuages gris“ ist ein ziemlich einfaches Stück. Mit „Unstern!“ jedoch explodiert ein furioses Klangfeuer, indem zwei Akkorde sich gegenseitig eine wilde Schlacht liefern.

 

Ursprünglich für Klavier und Orchester komponiert, hat Menachem Har-Zahav den „Totentanz“ für Soloklavier arrangiert. Mit diesem Stück beweist er seinen Ruf als Meisterpianist, betont die auf- und abfallenden Skalen über weite Passagen hinweg, temporeich unterstreicht er Liszts Obsession zum Thema Tod und Sterben. Der Pianist besticht durch brillante, blitzschnelle Fingertechnik und er spricht mit seiner Musik, beugt sich lauschend über die Tasten, fühlt sich ein in die Komposition, sensitiv, kraftvoll, voller Feuer.

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de