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General-Anzeiger Westrhauderfehn 24.12.2011

Mal rauschhaft, mal träumerisch

 

von Felix Weiper

 

Menachem Har-Zahav spielte Franz Liszt. Das Publikum in Westrhauderfehn war begeistert von der Darbietung des amerikanisch-israelischen Pianisten.

Westrhauderfehn - Das Fehntjer Forum hat schon so manchen großen Musiker erlebt. Aber kaum einer spielte in dem Kulturhaus am Westrhauderfehner Untenende so großartig auf, wie Menachem Har-Zahav am vergangenen Wochenende. Bescheiden, fast zaudernd betrat er den Raum, wandte sich mit zurückhaltender Geste an das kaum 30 Köpfe zählende Publikum, um wenige Augenblicke später eine unerhörte Leidenschaft am Klavier zu entwickeln.

Der amerikanisch-israelische Pianist, der heute in Velbert lebt, hatte den Abend Franz Liszt (1811 bis 1886) gewidmet - jenem Komponisten, der zu Lebzeiten als musikalischer Superstar gefeiert wurde. Warum das so war, das machte Har-Zahav am Flügel mit unglaublicher technischer und musikalischer Präsenz deutlich. Natürlich spielte er in seiner Hommage an Liszt den berühmten "Liebestraum" und auch die "Paganini-Etüde" - jene Stücke, die Musikliebhabern vertraut sind. Doch Har-Zahav präsentierte auch einen anderen Liszt. Einfühlsam lotete er gleich zu Beginn des Konzerts in der "Étude d´éxécution transcendente Nr. 11" ("Harmonies du Soir") die poetische und mystische Tiefe dieses Werks aus. In der Nr. 10 aus dem Zyklus (Presto molto agitato) steigerte sich der Pianist in eine rauschhafte Virtuosität, um anschließend andere Werke Liszts wie etwa "En rêve" fast geheimnisvoll zu interpretieren.

Die Zuhörer lernten durch Menachem Har-Zahav auch den Franz Liszt kennen, der mit Werken wie "Nuages gris" oder "Unstern" zu den Querdenkern der Musikgeschichte zählt. Das Publikum feierte den Künstler für seine phantastische Darbietung mit begeistertem Beifall.

 

 

 

Idsteiner Zeitung, 30.11.2011

Weltklasse vor leeren Stühlen

Von Beke Heeren-Pradt

KONZERT Eindrucksvolle „Hommage an Franz Liszt“ von Menachem Har-Zahav

Menachem Har-Zahav, israelisch-amerikanischer Pianist mit Wohnsitz in Deutschland, bezeichnete in einem Vorab-Interview mit dieser Zeitung Franz Liszt als einen seiner Lieblingskomponisten. Das Idsteiner Publikum hatte Gelegenheit, sich zu überzeugen davon, wie es klingt, wenn ein Weltklassepianist Stücke seines Lieblingskomponisten spielt. Um es vorwegzunehmen: Das Konzert zeigte sich als ein Tête-à-tête zweier Seelenverwandter. Die Zuhörer wurden Zeugen einer Art Symbiose von Musik und Interpret. Mit atemberaubender Technik und unerhörter Sensibilität für die so unterschiedlichen Stimmungen in Franz Liszts Etüden, Balladen und impressionistischen Stücken bescherte Menachem Har-Zahav dem Publikum einen mehr als beeindruckenden Konzertabend und schaffte es, den Geist der Musik von Franz Liszt lebendig werden zu lassen.

Unglaublich aber auch, dass im großen Saal der Stadthalle noch nicht einmal 30 Zuhörer zusammengekommen waren, um das Konzert zu hören. Große Musik, professionell und virtuos musiziert - ist das nichts für das kleine Idstein? Woran es lag, dass nur eine im Raum fast verschwindend kleine Schar Musikbegeisterter dem fast zweistündigen Konzert lauschte, müssen die Veranstalter analysieren. Im konzentriert und teilweise verzückt zuhörenden Publikum wurde zwischenzeitlich nur der Kopf geschüttelt angesichts der leeren Stuhlreihen.

Musik als Erlebnis für junge Konzertbesucher

Immerhin waren auch einige Kinder und Jugendliche dort, eine Tatsache, die den Pianisten vielleicht dennoch gefreut haben mochte. Denn er setzt sich dafür ein, klassische Musik vor allem auch Kindern und Jugendlichen nahezubringen, die bis zum Alter von 18 Jahren für seine Konzerte freien Eintritt haben. „Klassische Musik hat Freude, Aufregung und das ganze Spektrum der Emotionen in sich“, begeisterte sich der Musiker im IZ-Interview für diese Musikgattung und sieht bei sich selbst und allen professionellen Interpreten die Verantwortung, die Musik als Erlebnis auch für junge Konzertbesucher zu gestalten. Mit seiner „Hommage an Franz Liszt“, aufgeführt im Jahr des 200. Geburtstages des ungarischen Komponisten, der in Europa zu Hause war, ist ihm der vielbeschworene „Wow-Effekt“ sicherlich gelungen.

Har-Zahav präsentierte das Werk des Komponisten, der zu seiner Zeit auch ein berühmter Meisterpianist war, mit sehr viel Kongenialität. Er zeigte die große Bandbreite der Stimmungen, die in jedem einzelnen der Stücke des Abends mit großer Gegensätzlichkeit angelegt ist: Vom ausladenden Gestus mit hämmernden Klängen bis zu lyrischen Sphärenklängen ist teilweise nur ein kleiner Schritt.

Leichtigkeit und Lockerheit trotz quitschendem Pedal


Er spielte die technisch ungeheuer anspruchsvollen „Études d’exécution transcendente“ mit scheinbarer Leichtigkeit und Lockerheit, die bekannte große Etüde Nummer 3 aus dem Paganini-Zyklus (La Campanella) und den noch bekannteren „Liebestraum“ mit fein austariertem Gefühl für die Stimmungen. Aber er spielte, vor allem im zweiten Teil des Konzertes, auch aus den späten Werken Liszts, deren Harmonien und Strukturen schon weit aus ihrer Entstehungszeit hinauszuweisen scheinen. Eine Art Kampf der Stimmungen spielt sich ab während des „Totentanzes für Klavier und Orchester“, den Menachem Har-Zahav in einer eigenen Bearbeitung für Soloklavier präsentierte. Zwei Themen sind im Wettstreit miteinander: ein tänzerisch-fröhliches und ein düsteres mit hämmerndem Rhythmus. Wilde Glissandi wechseln sich ab mit Sphärenklängen, die buchstäblich überrannt werden von hämmernden Läufen über die gesamte Tastatur.

Har-Zahav spielt das große Programm des Konzertes komplett auswendig, wird auf eine sehr eigene Weise eins mit der Musik und zieht sein Publikum mit hinein in die Konzentration auf die komplexe, spannungsreiche Musik.

Einige kleine Irritationen entstehen, weil das Pedal des Flügels an einigen Stellen leicht quietschende Geräusche abgibt. Menachem Har-Zahav aber ist Profi genug, sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen zulassen.


 

Westfalen-Blatt, 08.11.2011

Technisch brillant und mit Tiefgang

Menachem Har-Zahav spielt Franz Liszt

Von Cornelia Müller

Espelkamp (WB). 2011 ist sein Jahr: Der Geburtstag des ungarischen Klaviervirtuosen und Komponisten Franz Liszt jährt sich zum 200. Mal. Und schöner als mit einem Konzert, wie es jetzt im Espelkamper Bürgerhaus zu hören war, kann man den Geburtstag nicht feiern. Am Freitag begeisterte hier der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav mit seiner »Hommage an Franz Liszt«.

 

Liszt war ein Grenzgänger, dessen ebenso umfangreiches wie innovatives Schaffen uns auch heute noch Bewunderung abnötigt. Denn der Komponist des »Liebestraums« hat mehr zu bieten als Gefühliges: Liszt steht für echte Emotion, auf bisher nicht gehörte Weise umgesetzt in Musik. Gerade der ältere Liszt wägt Note für Note, Klang für Klang und schafft so Werke, die auch die dunkle Seite der menschlichen Existenz - Verzweiflung und Tod - zum Ausdruck bringen. Um all dieses hörbar werden zu lassen, braucht es allerdings einen Pianisten, der nicht nur technische Brillanz, sondern auch interpretatorische Tiefe mitbringt. Und so einer war Menachem Har-Zahav. Wenn Franz Liszt ein Dichter war, der nicht in Worten, sondern in Noten redete, dann war Har-Zahav der ideale Rezitator dieser Gedichte.

 

Mühelos meisterte er die »Grande Étude de Paganini Nr. 3« (La Campanella), ohne der Versuchung zu erliegen, allein mit Geschwindigkeit und Fingerfertigkeit glänzen zu wollen. Die »Consolation Nr. 3« und auch der »Liebestraum Nr. 3« erklangen betörend schön, aber nicht süßlich, und Har-Zahavs Interpretation der »Ballade Nr. 2 in h-moll« ließ an Dramatik und Bildhaftigkeit nichts zu wünschen übrig. Höhepunkte des Konzertes waren aber die drei Kompositionen, die bewusst ans Programmende gestellt waren: »Nuages Gris«, »Unstern!« und »Totentanz«.

 

Durch Har-Zahavs Spiel - ungeheuer dynamisch, entschlossen, aber auch von großer Zartheit, und konzentriert, ohne jemals seine Leichtigkeit zu verlieren - erschloss sich die ganze Weite und Kraft dieser Musik. Mehr als 80 Zuhörer ließen sich von Menachem Har-Zahavs »Hommage an Franz Liszt« verzaubern. Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als ideal. Kaum vorstellbar, was dieser Künstler noch für Klangbilder hätte heraufbeschwören können, wenn ihm ein ausgewachsener Konzertflügel und ein Saal mit einer feineren Akustik zur Verfügung gestanden hätten.

 

 

 

Neue Westfälische, 08.11.2011

 

Ausdrucksvolle Tonmalerei

Franz Liszt-Klavierkonzert mit Menachem Har-Zahav im Bürgerhaus

 

VON CHRISTIANE TIETJEN

 

Espelkamp. Das Geburtsjahr des Klaviervirtuosen und Komponisten Franz Liszt jährt sich zum 200. Mal und wird vielerorts gefeiert. So auch im kleinen Saal des Bürgerhauses mit einem Klavierkonzert des Pianisten Menachem Har-Zahav.

 

Der begnadete Solist stammt aus Tel-Aviv, wo er schon im zarten Alter von vier Jahren öffentlich auftrat. Sein Weg führte über ein Studium und eine Lehrtätigkeit in den U.S.A. und England nach Deutschland, wo er sich -Vater von sechs Kindern- ganz seiner Pianistenkarriere mit etwa 60 Konzerten pro Jahr widmet.

 

Um es gleich vorwegzunehmen: die Akustik im kleinen Saal war nicht ideal; sie "schluckte" die Töne und der Flügelklang verlor an Subtilität. Doch dessen ungeachtet erwies sich Har-Zahav als Meister seines Faches, und gab auch äußerlich mit seiner Kopfbedeckung, der Kippa und dem Frack eine gute Erscheinung ab. Auf dem Programm standen längere, ausgefeilte Etüden, Miniaturen, Balladen und - wie könnte es anders sein - der bekannte "Liebestraum". In "Nuages gris", und "Unstern!", die dem Spätwerk von Franz Liszt entstammen, ist ein experimentellerer Stil zu erkennen, der teilweise die Dur-Moll-Tonalität sprengt und wie ein Wegbereiter des Jazz wirkt. Liszt selbst ignorierte die Kritik, die er damit auf den Plan rief: " . . ..ich arbeite daran, immer mehr missverstanden zu werden”. Auch die meditativen Passagen der Stücke wirkten modern. Den allergrößten Eindruck machte jedoch der Variationsreichtum der Musik: leise, fast gehauchte Klänge wurden unvermittelt abgelöst von dramatischen, wild-bewegten Passagen, in denen die Hände Har-Zahavs nur so über die gesamte Klaviatur flogen, ja donnerten.

 

Man dachte manchmal an Wilhelm Buschs Virtuosen, der vom "adagio con sentimento" über das "fortissimo vivacissimo" zum "finale furioso" seinen Zuhörer in Staunen versetzt.

 

Ähnlich fasziniert war das Publikum im kleinen Saal, darunter auch viele Jugendliche, die Har-Zahav durch einen freien Eintritt ins Konzert gelockt hatte - dies war ihm ein besonderes Anliegen.

 

Ein Zeitgenosse von Franz Liszt, Robert Schumann hat einmal gesagt: (...) Diese Kraft, ein Publikum sich zu unterjochen, es zu heben, tragen und fallen zu lassen, mag wohl bei keinem Künstler, Paganini ausgenommen, in so hohem Grad anzutreffen sein. Am schwierigsten aber lässt sich über diese Kunst selbst sprechen.

 

Es ist nicht mehr Klavierspiel dieser oder jener Art, sondern Aussprache eines kühnen Charakters überhaupt, dem, zu herrschen, zu siegen, das Geschick einmal statt gefährlichen Werkzeugs das friedliche der Kunst zugeteilt. Menachem Har-Zahav verstand es, durch kongeniales Spiel diese Kühnheit der Musik den Zuhörern nahe zu bringen, die sich sichtlich davon ergreifen ließen

 

 

 

Oberhessische Presse, 02.11.2011

 

Klavierkonzert

Virtuose Hommage an Franz Liszt

Frappierender hätten die Gegensätze nicht sein können: Den nüchternen, tristen Ausstellungssaal der Stadtallendorfer Stadthalle erfüllten am Sonntag Abend virtuose, wohltönende Klavierklänge.

 

Stadtallendorf. Geradezu ehrfürchtig lauschten rund 100 Gäste dem gut neunzigminütigen Konzert, das insgesamt 12 Werke des Komponisten Franz Liszt bereithielt.

 

An dem großen Flügel Platz genommen hatte der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahav, der mit unverkennbarer Freude seine Arrangements vortrug. Das große Talent Har-Zahavs offenbarte sich bei seinem Spiel von Stücken aus den Klavierzyklen der Études d‘éxécution transcendente und der Grandes Études de Paganini, die zu den technisch anspruchsvollsten Klavierzyklen zählen.

 

Durch die Auswahl der Werke gelang es ihm, sowohl die typisch temperamentvolle, hochvirtuose wie auch introvertierte, lyrische Seite von Liszt zu verdeutlichen. Wohl zu diesem Zweck trug der 44-Jährige neben kaum bekannten progressiven Spätwerken auch den äußerst beliebten Liebestraum Nr. 3, die Consolation Nr. 3 und die Ballade Nr. 2 vor.

Das Finale hielt eine Solobearbeitung des hoch emotionalen Totentanzes mit dem berühmten Dies Irae-Motiv bereit. Im Alter von vier Jahren saß der in Tel Aviv geborene Har-Zahav zum ersten Mal an einem Klavier. Har-Zahav absolvierte einen Magisterabschluss im Fach Klavier, dozierte an der Lincoln University und University of Arkansas, wo er mit 26 Jahren zugleich die Leitung der Klavierfakultät inne hatte.

 

Mittlerweile lebt der sechsfache Vater in Deutschland und spielt jährlich circa 60 Konzerte. Zum sich im Jahre 2011 jährenden 200. Geburtstag des großen Klaviervirtuosen und Komponisten des 19. Jahrhunderts Franz Liszt widmete sich Har-Zahav jetzt dessen Werken.

 

von Kathrin Wollenschläger

 

 

 

Neue Westfälische, 25.10.2011

 

Ein Totentanz als Geburtstagsständchen

Menachem Har-Zahavspielt Liszt-Hommage in der Oetkerhalle

 

VON JOHANNES VETTER

 

Bielefeld. (...) Der israelisch-amerikanische Pianist Menachem Har-Zahavspielte am 200. Geburtstag des Klaviermagiers und bemerkenswerten Komponisten in Bielefeld.

 

(...) Endlich ein Pianist, der Ausschnitte jenes Spätwerkes präsentiert, vor dem Liszt seine eigenen Schüler gewarnt hat: "Unstern!", jenes schroffe Stück Musik, das sich jeder Verbindlichkeit verweigert. Es lässt gegen Ende Erinnerungsfetzen romantischen Schwelgens anklingen - aus dem "Totenreich der Vergangenheit".

 

Sternstunde ist der "Totentanz", eine Paraphrase über das gregorianische "Dies irae". Liszt hat dieses Opus in dreierlei Form vorgelegt, als Klaviersolo, als Stück für vierhändiges Klavier und als Komposition für Klavier und Orchester; letztere hat Menachem Har-Zahav laut Programmheft eigenhändig zu einer neuerlichen Klaviersolofassung arrangiert. Hier ist der Pianist auf der Höhe seiner Möglichkeiten angekommen. Er spannt weite Bögen, kostet feinschmeckerisch Kontraste aus, inszeniert furios die zahlreichen Überraschungsmomente und zelebriert meisterhaft die Fugen im Stile Bachs, in deren Gewand Liszt das schauerlich-allgegenwärtige "Dies-irae-Motiv" hier und da auftreten lässt. Dass der Konzertflügel im kleinen Saal der Oetker-Halle nicht immer den Anforderungen einer gediegenen Klangkultur genügt, verwandelt sich beim ekstatisch-bizarren Totentanz fast in einen Vorteil: gewaltige Kaskade in nervig-schriller Höhe, unheimliches Raunen ächzender Bässe.

 

Menachem Har-Zahav ist es gelungen, das disparate Opus, das aus vielen genial-originellen Einzelepisoden zu bestehen scheint, zu einer großen Erzählung zusammen zu zwingen.

 

Seine Erzählerqualität adelt die Ballade Nr. 2 in h-moll zu einem "Vorgipfel" des Abends. Liszts erklärtes Ziel, das Klavier zu orchestraler Größe zu stilisieren, verwirklicht der in Tel Aviv geborene Virtuose überzeugend. Schmachtende Violoncello-Passagen vermeint man zu hören, in den hohen und tiefen Lagen flirrt und rauscht es, während sich in der Mittellage elegische Melodien aufspannen, ganz im Stile des Pilgerchores in Wagners "Tannhäuser".

 

Es war ein instruktiver und spannender Abend, den Menachem Har-Zahav dem Bielefelder Publikum geschenkt hat, zum 200. Geburtstag des Grandseigneurs, der übrigens am 13. November vor 170 Jahren die Bielefelder zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat. Wie viele Zugaben Liszt geben musste, ist nicht bekannt. Menachem Har-Zahav gab deren zwei.

 

 

 

Westfälische Nachrichten, 16. Oktober 2011

Intensives Hörerlebnis

 

Gronau - Das oeuvre von Franz Liszt für Klavier kann auch heutzutage - 200 Jahre nach der Geburt des Komponisten - als bahnbrechend bezeichnet werden. Der Pianist Menachem Har-Zahav führte das Genie des ungarischen Komponisten am Freitagabend im Studio der „Brücke“ vor Augen - vielmehr vor Ohren. Mit einer Auswahl aus dem umfangreichen Werk, das die Vielseitigkeit des künstlerischen Schaffens Liszts herausstrich.


Dessen Interpretation verlangt technische Virtuosität, aber auch ein gerüttelt Maß an Einfühlungsvermögen für die unterschiedlichen Phasen, Gattungen und Stimmungen der Musik. Har-Zahav verfügt über beides. Er legte beispielsweise viel Ausdruck in die sentimental anmutenden „Consolation Nr. 3“ und die „Nuages gris“, die grauen Wolken, die sich - akustisch erzeugt vorm inneren Auge des Zuhörers auftürmten. Der „Liebestraum“ ebenfalls mit Gefühl, aber ohne Weichzeichner, sondern mit deutlichen Konturen.

Liszt war ein Meister darin, Stimmungen zu erzeugen. Da oft die technisch sehr anspruchsvollen Werke als Kabinettstückchen virtuoser Pianisten herhalten müssen, tritt diese Eigenschaft eigentlich zu oft in den Hintergrund. In seinen „Études dexécution transcendente“ stehen beide Extreme nebeneinander: Nr. 11 „Harmonie de soir“ referiert an Glockengeläut, Ruhe und Gelassenheit, während die Nr. 10 erregt und eher zu den wahrlich virtuosen Stücken gehört, die höchste Anforderungen an den Interpreten stellt und das Gemüt des Zuhörers aufwühlt. Die Vortragsangabe „Presto molto agitato“ setzte Har-Zahav treffend um. Normalerweise ist die Reihenfolge umgekehrt und die ausgleichende Étude Nr. 10 hätte folgen müssen; doch der Interpret folgte seiner eigenen Dramatik. Das Stück „En reve“ allerdings bot auch einen gewissen Ruhepunkt im Vortrag.

Die Ballade in h-Moll als tiefgründiges Werk, stand wiederum in schönem Kontrast zur virtuosen „Campanella“, mit der Liszt die Virtuosität Paganinis imitierte., der als brillantester Geigenvirtuose seiner Zeit galt.

„Sposalizio“ und die „Sonetto 104 del Petrarca“ interpretierte Har-Zahav mit hoher Sicherheit.

Wie die Zukunft der Musik aussehen könnte, davon gab Liszt mit „Unstern“ einen Vorgeschmack. Selbst heute wirkt die kurze Komposition auf eine frische Weise modern, vor allem wenn man sie so spielt wie Har-Zahav.

Einen Höhepunkt des Abends bildete der abschließende „Totentanz für Klavier und Orchester“, den Har-Zahav in einem von ihm für Klavier bearbeiteten Arrangement vortrug. Gewagt - und gewonnen. Die makabren Züge in dem Werk kamen gut zur Geltung, die Grenzen der Tonalität wurden aufgehoben, der Zynismus von Gevatter Tod, der letztendlich doch jede Hoffnung auf Überleben vergebens sein lässt, war zu greifen. Ein intensives Erlebnis.

 

VON MARTIN BORCK, GRONAU

 

 

 

 

Kölnische Rundschau, 14.10.2011

Konzertkritik

Romantische Etüden

Pianist Menachem Har-Zahav hat sein zweites Konzert in Rösrath gegeben

RÖSRATH. In Tel Aviv ist er geboren, in den USA aufgewachsen, in England hat er studiert, und in Deutschland lebt er nun mit seinen sechs Kindern: Menachem Har-Zahav. Mittlerweile spielt der Pianist gut 60 Konzerte im Jahr - und unlängst spielte er in Rösrath. Organisiert hatte das Programm der Kulturverein Schloss Eulenbroich.

 

In diesem Jahr passte des Pianisten Vorliebe für romantische Musik besonders gut ins Programm: Liszts Geburtstag jährt sich zum 200. Mal. Ihm widmete Har-Zahav sein komplettes Programm.

 

Hohe technische Anforderungen

 

Zwar stimmt Schumanns Einschätzung, dass diese Musik höchstens von acht Pianisten gespielt werden könne, heutzutage nicht mehr, doch macht diese Tatsache Liszts Musik nicht einfacher. Aus den schwierigen technischen Anforderungen der Etüden romantische Musik zu machen, das ist die Herausforderung, die auch heutzutage dieser Komponist an seine Interpreten stellt. Menachem Har-Zahav schaffte genau das. In seiner Interpretation ging es um Ausdruck und Gefühl, um das Menschliche in der Musik, das mit Worten nicht gesagt werden kann und der Musik vorbehalten bleibt.

 

Die technischen Schwierigkeiten einer "Grande Étude de Paganini" schienen nicht zu existieren, der Pianist zauberte, wie im Liebestraum, im Totentanz oder in der h-Moll-Ballade. Auch in seinem zweiten Konzert in Rösrath begeisterte Har-Zahav sein Publikum, spielte in jeder Hinsicht hinreißend und ließ dem Publikum die Vorfreude auf ein drittes Konzert. (ck)

 

Die Vorfreude auf ein drittes Mal hinterließ Pianist Menachem Har-Zahav bei seinem Rösrather Publikum. (Foto: Luhr)

ck

 

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de