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NRZ Dinslaken, 23.09.2013

Eintauchen in musikalische Welten

 

Menachem Har-Zahav präsentierte „Perlen der Klavierliteratur“ im Ledigenheim.

 

Chopins Ballade in g-moll, op. 23. Das Klavierstück scheint seinen eigenen musikalischen Gedanken nachzuhängen. Über die Tastatur des Flügels gebeugt spürt Menachem Har-Zahav ihnen nach. Und während man den Klängen lauscht, verändert sich die Atmosphäre im Lohberger Ledigenheim. Sie wird schwerer, legt sich wie Chopins Patchouli-Parfüm über den Raum, dimmt das Tageslicht, das durch die hohen Fenster des Saales fällt. Die Töne schweben.  Doch dann reißen wuchtige Akkorde aus den Tagträumereien, machen hellwach für das virtuose Finale des Stückes. Am späten Samstagnachmittag gastierte der in Amerika aufgewachsene und inzwischen in Deutschland lebende Menachem Har-Zahav im Ledigenheim Lohberg. Nach Themenabenden zu Chopin, Liszt und jüdischen Komponisten stand die Fortsetzung der im letzten Jahr begonnenen „Perlen der Klavierliteratur“ auf dem Programm.

   Har-Zahav spannt den Bogen von Chopin zu Gershwin, die 100 Jahre der Musikgeschichte, die ihm am nächsten stehen. Gershwins „Rhapsody in Blue“ spielte er bereits mit 15 Jahren zur Orchesterbegleitung, im letzten Jahr beeindruckte er im Ledigenheim mit seiner Klavierbearbeitung des Werkes.

Das erste der Three Preludes, mit denen er am Samstag den zweiten Teil des Programmes eröffnete, weist viele motivische Parallelen zu dem Orchesterstück auf: eine kleine „in Blue“ in Miniatur. Ihm folgt ein schleichender Blues, dessen Mittelteil komplett mit überkreuzten Armen gespielt wird und eine nervös pulsierende Taktfolge, wie sie nur in der Klangkulisse moderner Großstädte mit ihrem Verkehr und ihrer betriebsamen Hektik entstehen konnten.

   Har-Zahav macht Druck. Mehr als in den Konzerten zuvor. Spannt er die Glieder seiner Finger an, wird nicht nur der Tastenanschlag härter. Die Kraft überträgt sich derart konzentriert auf die Hammermechanik, dass sich die gewaltige kiloschwere Spannung, die auf den gespannten Saiten lastet, im Fortissimo förmlich entlädt. Alles Technik, alles wohl überlegte und durchdachte Perfektion. Har-Zahav sitzt auch in solchen Momenten ebenso ruhig und in sich gekehrt über dem schwarz-schimmernden Flügel wie in den lyrischsten Momenten.

   Zwei Prèludes und zwei Ètudes Tableau von Sergej Rachmaninoff, drei Intermezzi und die Rhapsodie in Es-Dur von Johannes Brahms im ersten Teil, dreimal Claude Debussy und zum Abschluss Liszts ètude d’ éxécution transcendente Nr. 10.MenachemHar-Zahav ist in seinem Element.

Filigrane Schönheiten

Er taucht in diese musikalischen Welten ein, ohne sich von ihren fortreißen zu lassen, er spürt ihnen nach, er erfasst sie, er zeichnet und modelliert sie für das Publikum, das es ihre filigranen Schönheiten und ihre Gewaltigkeiten in voller Klarheit vor sich sieht, ohne dass ihr Zauber - die leichten Schleier des Sostenuto, verloren geht. Debussys „L ‘Isle Joyeuse“ wird geradezu vom Applaus im Ledigenheim umbrandet. Da capo? Dass es im nächsten Jahr ein Wiederhören mit Har-Zahav gibt, steht bereits fest: Unter dem Titel „I’ve got rhythm“ wird der Meisterpianist mit einer Klavierhommage an George Gershwin im Ledigenheim gastieren.

 

Bettina Schack

 

 

 

Hinterländer Anzeiger, 02.09.2013

Emotionen werden fassbar

KONZERT 50 Zuhörer lauschen

Am vergangenen Samstag präsentierte der Meisterpianist seine "Perlen der Klavierliteratur" im kleinen Saal des Haus des Gastes. Als Menachem Har-Zahav spielte, war er ganz vertieft in seine Musik - ebenso wie seine knapp 50 Zuhörer, denn was sie zu hören bekamen, war nicht nur technisch perfekt, sondern hatte Seele. Emotionen wurden bei seinem Spiel fassbar. Zum Auftakt spannte er den Bogen von tiefer Schwermütigkeit bis hin zu fröhlicher Lebendigkeit - bei der Ballade in g-moll, Opus 23 von Frédéric Chopin. Düster, theatralisch, gewaltig, dann wieder ganz leichtfüßig, mal laut, mal leise kam Rachmaninoff daher. Der ein oder andere Besucher fühlte sich beim Spiel von Har-Zahev in einen Film versetzt. Kein Wunder, ziert Rachmaninoff doch die Musik zahlreicher Filme. Brahms' Klavierstücke aus dem Opus 119 wirkten dagegen eher verspielt - ganz anders als von diesem Komponisten gewohnt.

 

Tänzerisch mit leichten Blues- und Jazzelementen wurde es nach der Pause mit "Three Preludes" von George Gershwin. Die Rückungen in der Akkordik, die an "Summertime" erinnerten, wurden hier überraschend ergänzt durch traditionelle Harmonien aus der Romantik.

 

Auch Claude Debussys Melodien, durchsetzt mit wellenhaften Figuren, die sich wie ein Klangteppich darüberlegten, wurden von Menachem Har-Zahev meisterhaft interpretiert. Das letzte Stück, "Étude d'éxécution transcendente Nr. 10" in f-moll von Franz Liszt, verlangte Fingerakrobatik am ganzen Klavier.  Die kontrapunktierenden Melodien, die Tempowechsel, gekoppelt mit Pausen, wirkten dynamisch und wuchtig.

 

Wie meisterhaft Menachem Har-Zahav dies interpretierte, wurde von dem Publikum mit Standing Ovations quittiert, sodass er um eine Zugabe nicht herumkam: "La Campanella" von Liszt war hier seine Wahl. Har-Zahavs rechte Hand erinnerten dabei an die Schläge eine Schmetterlingsflügels, die er ganz leicht und brillant auf die Melodien setzte.

 

Das nächste Mal in dieser Region spielt Menachem Har-Zahav am 8. November im Rathaus Biedenkopf. Übrigens: Kinder und Jugendliche haben bei seinen Konzerten freien Eintritt, da er ihnen die Gelegenheit geben möchte, Klassik nicht als langweilig und altmodisch, sondern als spannende Musik wahrzunehmen.

 

VON ALEXANDRA HESS

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de