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General-Anzeiger Bonn, 15.11.2016

Klassik in Ahrweiler

Virtuosität und Verträumtheit

AHRWEILER. Im Fokus des Konzerts von Pianist Menachem Har-Zahav in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler standen die „Russischen Romantiker“, darunter auch Komponisten, die sonst eher selten in Konzertprogrammen zu finden sind.

Das gut besetzte Haus verzauberte der in Israel geborene Wahl-Deutsche mit einer gekonnten Mischung aus hochanspruchsvoller Virtuosität und innigem Klavierton, der mehr als einmal zu ausgiebigem Träumen einlud.

 

Wenn eine Erkenntnis dieses Abends übrig blieb, dann diese, dass die russischen Komponisten Meister der Kontraste gewesen sind. Schon die verhältnismäßig einfache Tarantella von Mili Balakirew präsentierte sich als kontrastreiches Tanzstück, das es Interpret wie Publikum ermöglichte, in diese besondere Klangwelt einzutauchen. Es folgten zwei Etüden von Alexander Skrjabin. Unter Etüde darf man sich dabei jedoch kein Übungsstück für junge Pianisten vorstellen, sondern hochkomplexe Kompositionen, die jeweils einen Aspekt der Klaviervirtuosität in den Fokus stellen. In op. 2,1 musste Har-Zahav höllisch aufpassen, dass sich seine Finger in der engen Lage nicht gegenseitig in die Quere kommen und die Oktaven von op. 8,12 verlangten eine gehörige Portion Zielwasser.

 

Der Tastenakrobat glitt ohne Mühe durch die Stücke und hinterließ oft ein ungläubiges Publikum, das folgerichtig umso lauter applaudierte. Kernstück der ersten Hälfte war die Dumka op. 59 von Pjotr Tschaikowski. In Wellenbewegungen wurde die gesamte Klaviatur durchmessen und mit unterschiedlichsten Bildern ein großes Panorama geschaffen. Zu mittelalterlichen Klängen konnten die Zuhörer die Augen schließen, wurden jedoch mit dem verstörenden Schluss ziemlich im Regen stehengelassen. Zum Glück folgte der Walzer op. 40,8, der zwar auch nicht ungetrübt daherkam, im Vergleich zum Vorgängerstück jedoch als Befreiung wahrgenommen wurde.

 

Auch Sergei Ljapunow hat sich der Kompositionsart der Etüde gewidmet. In seiner Carillon aus der „Étude d’execution transcendante“ op. 11,3 wird in verschwimmenden Klängen ein Wechselspiel zwischen Höhe und Tiefe zelebriert. Die Herausforderung war es, in diesem gewollten Versteckspiel die Melodie nicht zu verlieren. Lohn der Mühe war wiederum ein facettenreiches Bild, das jedem Besucher sein ganz eigenes Klangerlebnis schenkte.

 

Balakirews „Islamey“ kam als großartiger Ritt daher, der durch zahlreiche Ruhepunkte tiefer Innigkeit und Verträumtheit unterbrochen war. Ging zunächst ein Staccato-Feuerwerk über das Publikum hinweg, wurde in immer neuen Anläufen eine Abendstimmung besungen, welche besonders gut zum grauen Wetter vor den Scheiben passte. Mit Sergei Rachmaninows Sonate Nr. 2 op. 36 fand das Konzert seinen letzten Höhepunkt. Wilde Läufe, wuchtige Akkorde und eine herbe Lieblichkeit, wie sie charakteristisch ist für die russischen Komponisten, ließen keine Wünsche offen.

 

Das begeisterte Publikum entließ Har-Zahav nicht ohne Michail Glinkas „Die Lerche“ als Zugabe in den Feierabend. (Sebastian Kirschner)

 

 

 

 

Blick Aktuell, 15.11.2016 

 

Klavierkonzert in der Ahrweiler Synagoge

Berauschende Virtuosität

Meisterpianist Menachem Har-Zahav spielt „Russische Romantiker“

 

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Was er vollbracht hatte, entlockte Menachem Har-Zahav am Ende nicht mehr als ein scheues Lächeln, ein etwas längeres Zucken seiner Mundwinkel. Nicht nur zufrieden konnte er indes sein, auch das Publikum war es nicht: Es war fasziniert. „Russische Romantiker“ war das Klavierkonzert in der ehemaligen Ahrweiler Synagoge überschrieben gewesen, das der gebürtige Israeli bestritt, der schon kurz nach seiner Geburt 1967 in die USA kam, 1995 nach England übersiedelte und seit 1998 in Deutschland lebt. Mit vier Jahren erhielt er ersten Klavierunterricht, mit sieben Jahren hatte er sein erstes Konzert und erhielt schon früh Lehraufträge an Hochschulen in den USA.

Selbst wer das Beschauliche und Sentimentale im herkömmlichen „romantischen“ Sinne erwartet hatte, wurde nicht enttäuscht. Aber Menachem Har-Zahav ging die russischen Romantiker Alexander Scrjabin, Sergei Ljapunow, Peter Tschaikowski und vor allem Mili Balakirew und Sergei Rachmaninoff derart packend und zupackend an, dass dem Zuhörer keine Sekunde blieb, um in süßem Schwelgen abzuschweifen. Schon der Blick ins Programm versprach Großes. Blieb er doch vor allem an der Stelle hängen, wo Mili Balakirews „Islamey“ stand: eines der technisch schwierigsten Stücke der Musikgeschichte überhaupt, das zuweilen gar als „unspielbar“ galt. Eine orientalische Fantasie, deren wilder, fast unbändiger Charakter schon am Anfang zutage tritt.

 

Drängende, aufregende Läufe, dissonante Züge, scharfes Züngeln und insgesamt eine wechselvolle Rhythmik, Melodik und Dynamik machten staunen und stutzen. Auch ob der unglaublichen Geschwindigkeit der Realisierung lauschte der Zuhörer angespannt und mit angehaltenem Atem. Der Bann musste sich im Beifall brechen.

 

Kompromisslos und intensiv

 

Der Pianist schonte weder sich noch sein Publikum. Selbst ein Tschaikowski-Walzer und Scrjabins Etüden sorgten nur für wenig Entspannung. Kompromisslos hatte Har-Zahav zuvor mit Balakirews „Tarantella“ losgelegt. Ohne irgendein Wort zu sagen und ohne Notenblatt vor sich agierte er mit schier unbewegter, aber doch hingebungsvoller Miene und zugleich mit enormer Lässigkeit. Die Virtuosität berauschte. Die Finger flogen geradezu über die Klaviatur, deren ganze Breite und Klangfülle bei diesem Konzert zum Tragen kamen, insbesondere bei Tschaikowskis „Dumka“ und Rachmaninoffs zweiter Sonate, b-Moll. Die „Dumka“ gestaltete sich von melancholisch bis überschwänglich, Ljapunows „Étude d’éxecution transcendante“ wie eine aufregende Erzählung voller koloristischer Feinheiten, und Rachmaninoffs zweite Sonate als komplexes Hörerlebnis von großer Intensität. Letztere erklang in einem eigenen Arrangement des Ausführenden. Schier mit Leichtigkeit meisterte der Pianist die schwierigsten Passagen, und selbst aufbrausende Episoden waren geprägt von Transparenz und Klarheit. Für Effekte von Glockengeläutgeläut im einst jüdischen Gotteshaus sorgte seine linke Hand, absteigende Arpeggien und donnernde Anschläge brachten die Luft zum Beben. Und selbst in den kurzen Momenten des Verstummens des Klaviers und der ausschwingenden Saiten schien der Raum angefüllt mit Klängen.

 

Facetten der russischen Seele

 

„Ich habe versucht, ein Programm zusammenzustellen, das so viele Facetten der russischen Seele wie möglich zeigt. Zum Beispiel sind da die tänzerischen Stücke, Balakirevs Tarantella und Tschaikowskis Walzer, und Tschaikowskis Dumka mit sowohl der russischen Schwere als auch den Tanzabschnitten“, konstatierte Har-Zahav zu seiner Stückauswahl. Sie gelang. Der Gesamteindruck am Ende war überwältigend, der Applaus lang. Mit Michail Glinkas „Die Lerche“ in einer Balakirew-Bearbeitung für Klavier gab es noch eine Zugabe.

 

 

 

 

Wertheimer Zeitung 22.11.2016 

Ein wortkarger Profi an den Tasten

Meisterpianist: Menachem Har-Zahav spielt mit technischer Perfektion und wagt sich an ein unspielbares Stück

http://www.main-echo.de/4317246

 

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de