Home
Biographie
Short biography
Videos
CDs
Rezensionen/reviews
Presse "best of"
2018
2017
2016
2015
2014 April - Juni
2014 Januar - März
2013 Okt.-Dez.
2013 Juli-Sept.
2013 April-Juni
2013 Jan. - März
2012 Okt.-Dez.
2012 Juli-Sept.
2012 April - Juni
2012 Jan. - März
2011 Okt. - Dez.
2011 Juli - Sept.
2011 April - Juni
2011 Januar - März
2010 Okt. - Nov.
2010  Juli - Sept.
2010  April - Juni
2010  Januar - März
2009 - 2. Halbjahr
2009 - 1. Halbjahr
2008
2007
2006
2005
Interviews
Konzerte/concerts
Hauskonzerte
Programme/programs
Duo-Arbeit
Newsletter
Gästebuch/guest book
Kontakt/contact
Links
Impressum

 

Neue Westfälische Lübbecke, 16.01.2018

 

 

 

 

 

Neue Westfälische Bielefeld, 16.01.2018

 

 

Chopins Verzweiflung gefühlt

 

Von Elke Engelhardt

 

Bielefeld. Das Bielefelder Publikum kam am Sonntagabend in den Genuss eines außergewöhnlichen Klavierabends. Menachem Har-Zahav, der international renommierte Pianist, war mit seiner "Hommage an Chopin" zu Gast im ausverkauften "Kleinen Saal" der Oetkerhalle.

 

Im ersten Stück, einem Walzer, wechselt fröhliche Leichtigkeit mit Dramatik. Fortwährend fliegen die Finger des Pianisten über das Klavier, bis sie in den dramatischen Höhepunkten die Tasten mit Verve niederdrücken. Menachem Har-Zahav scheint zu fühlen, was Chopin, ein hochsensibler und zeitlebens kränklicher Ausnahmemusiker, mit seinen Kompositionen vermitteln wollte.

 

Dunkler und getragener klingt die folgende Nocturne aus dem Opus 27, selbst die hellen Töne scheinen in diesem Werk zu klagen. Die anschließenden Polonaisen sind ausdrucksstark und gewaltig. Har-Zahav fängt in jedem Musikstück die Tragik von Chopins kurzem und tragischem Leben ein.

 

Er spielt nicht nur die Noten meisterhaft, sondern so, als fühle er Chopins Verzweiflung. In seiner Interpretation sind die Kompositionen Chopins Opern en miniature. Es ist eindrucksvoll, zu sehen und zu hören, wie die ungeheuer voraussetzungsvolle Arbeit für die Hände völlig in den Hintergrund tritt, um den großen Gefühlen die Bühne zu überlassen.

 

Chopins Etüden, die ihre poetische Energie aus dem Konflikt zwischen technisch Machbarem und musikalisch Vorstellbarem gewinnen, stellen eine unvergleichliche Herausforderung dar, die Har-Zahav brillant und ohne jegliche Anstrengung meistert. Nur wer die Technik absolut meisterhaft beherrscht, ist in der Lage, das einzigartige Feingefühl für die Poesie dieser Stücke herauszuspielen.

 

In der ergreifend traurig schönen zweiten Hälfte des Konzerts spielt Har-Zahav nach der Romanze aus dem Klavierkonzert Nr. 1 die Sonate Nr. 2, in der der berühmte Trauermarsch Chopins den zentralen Platz einnimmt. Eine Komposition, bei der der Zuhörer die dem Sarg folgende Trauergesellschaft förmlich sieht.

 

In Har-Zahav haben Chopins Kompositionen einen Interpreten gefunden, der den feinen Nuancen und der Vielstimmigkeit der Stücke den Raum gewährt, die sie unvergleichlich machen. Das Publikum durfte an diesem Abend eine Entfaltung musikalischer Möglichkeiten erleben, die selten und kostbar ist.

Menachem Har-Zahav | weston@weston-musikmanagement.de